Blogbeitrag

iphone 6 PLUS vs DSLR

„Was? DAS Foto hast du mit dem iphone geschossen?“

Solche Sätze höre ich interessanterweise des öfteren und Sie waren nun auch mit ein Grund dafür einmal etwas dazu zu schreiben. Die Meinungen im Netz dazu sind mindestens genauso vielfältig wie merkwürdig, viele haben etwas dazu zu sagen, aber nur wenige bleiben dabei objektiv. Da ich grundsätzlich immer völlig unvoreingenommen an so etwas heran gehe denke ich aber das ich durchaus relativ neutral ein paar Zeilen dazu schreiben kann, frei unter dem Motto:

iphone 6 vs DSLR oder : Sinn und Unsinn von Smartphones als DSLR-Alternative

Vorab aber ein paar nackte Tatsachen und Zahlen, damit man überhaupt ansatzweise weiß welche Eigenschaften solch eine kleine Smartphone-Kamera überhaupt hat. Als Beispiel dient in diesem Fall ein iphone 6 plus, da ich dies aktuell seit zwei Jahren in Benutzung habe. Die winzige Optik kommt mit einer Auflösung von „nur“ 8 MP und einer Brennweite von 4,15 Millimeter daher, was einem Kleinbildäquivalent von 29mm entsprechen würde. Damit bewegt man sich also bereits ansatzweise sogar im Weitwinkelbereich. Die Lichtstärke ist durchgängig f/2.2 und somit höher als bei vielen teuren Objektiven. Die Kamera des iphone 6 PLUS Models ist zusätzlich mit einem Bildstabilisator ausgestattet – dieser fehlt beim „normalen“ 6er Model. Soweit eine grobe Übersicht über die wichtigsten Fakten.

Schon seit einigen Jahren habe ich es mir angewöhnt parallel zur Spiegelreflex-Kamera auch immer einige Bilder mit dem iphone zu machen. Zu Beginn eher just 4 fun und weil es halt Situationen gegeben hat wo ich schlicht und ergreifend zu faul war für den einen Schuss jetzt wieder das ganze Kameragerödel auszupacken. Womit wir auch direkt schon beim größten Pluspunkt sind: Es ist halt einfach ungemein praktisch und klein. Handy raus, Bild gemacht, fertig. Das alles erfolgt quasi mit einem Griff in die Hosentasche …

Auf Grund dieser Tatsache bin ich nach und nach dazu über gegangen exakt identische Blickwinkel eines Motivs sowohl mit Smartphone, als auch mit der DSLR zu fotografieren. Eine sehr gute Möglichkeit um einen identischen Blickwinkeln hinterher zu erhalten bieten so genannte Blitzschuhadapter. Im Prinzip sehen diese ähnlich aus wie eine Halterung wie man sie sich vorne an die Windschutzscheibe im Auto packt, bloss das hier am unteren Ende ein kleiner Kugelkopf sitzt und sich darunter eine Adapter für den Blitzschuh der Kamera befindet. Das ist natürlich nichts wirklich hochwertiges, es ist aber immer noch besser als freihändig auszulösen.

Durch solch einen Adapter entsteht wirklich annähernd der selbe Blickwinkel. Ein großer Vorteil hierbei ist natürlich auch, das das Handy nahezu verwacklungsfrei die Aufnahme machen kann – wenn man es in der Hand hält kann man sich ja NOCH so anstrengen … es wird niemals völlig ohne Wackler klappen. Zwar schaut es im ersten Moment auf dem kleinen Display des Handys so aus, später am heimischen Monitor kommt aber oftmals schnell die Ernüchterung weil eine deutliche Unschärfe auszumachen ist – und zwar eine die nicht gewollt ist.

Beim Thema „gewollte“ Unschärfe haben aktuelle Smartphone-Generationen natürlich NOCH eindeutlig das nachsehen. Bokeh ist zum Beispiel ein völliges Fremdwort und nicht realisierbar mit den kleinen Optiken und Linsen, deren Größe ja nur ein Bruchteil eines halbwegs vernünftigen Objektives beträgt. Dieses „Problem“ lässt sich auch nicht softwareseitig umgehen, wie es bei vielen anderen Problemen gerne der Fall ist. So lässt sich beispielsweise mit der App camera+ ein Bild im tiff-Format aufnehmen. Mit der App „Lapse It“ lassen sich Timelapse-Aufnahmen machen, mit „MuseMage“ oder „ProCamera“ lässt sich Verschlußzeit und ISO-Wert manuell beeinflussen. Das sind aber nur ein paar kleine Beispiele und wenn ich eines im Laufe der Jahre jetzt gelernt habe dann das: DAS ist alles Quatsch! Es wird schlicht und ergreifend nicht benötigt, App-Lösungen sind weder sinnvoll noch hilfreich, da es lediglich eine softwareseitige Manipulation des Bildes ist.

Allerdings habe ich auch noch etwas anderes gelernt: Wenn die Umgebungsbedingungen gut sind, reicht ein iphone völlig aus um Bildergebnisse zu erzielen die man im Netz mit einer Auflösung von 1000px auf der längsten Seite durchaus präsentieren kann. Eine DSLR ist in solch „optimalen Situationen“ schlicht und ergreifend nicht zwingend nötig. Das mögen einige vielleicht nicht gerne hören, aber das ist nun einmal Fakt. Damit man weiss wovon ich überhaupt rede und zeige ich das gerne einmal an Hand eines Vergleichbildes.

Das Foto hier unten wurde Mitte September am Reynisdrangar in Vik gemacht, an dem Abend gab es zur Golden Hour eine Lichtstimmung wie im Bilderbuch. Das Foto wurde freihändig, ohne Stativ und somit auch ohne Blitzschuhadapter gemacht. Die Unterschiede zu einem DSLR-Foto sind – subjektiv betrachtet – nur marginal und je länger ich persönlich die Aufnahmen betrachte umso besser gefällt sie mir.

 

 

Offensichtlich ist ein halbwegs hübsches Foto mit den richtigen Bedingungen also nicht wirklich Zauberei sondern passiert fast „von alleine“. Betrachtet man sich nun den Zeitaufwand den viele Fotografen betreiben für DIE EINE Aufnahme von einem Ort relativieren sich meiner Meinung nach ziemlich schnell wieder einige Aaah’s und Ooooh’s die man bei manchen Bilder leise von sich gibt weil man sie so beeindruckend findet. Mancheiner verbringt Stunden, Tage und vielleicht sogar Jahre damit (indem er immer und immer an ein und den selben Spot zurück kehrt) in der Hoffnung auf „den perfekten Moment“ für eine Aufnahme von einer Location. Doch wie aussagekräftig ist so ein Bild dann? Ich finde, in Prozenten ausgedrückt, sind es genau NULL! In 99,99% aller Fälle werden endlos viele Menschen, welche dann voller Enthusiasmus zu der selben Location fahren um dann eben solch ein geniales Foto zu machen, nämlich völlig enttäuscht sein wenn Sie vor Ort ankommen weil die Umgebungsbedingungen nicht einmal annähernd so sind wie bei dem einen „perfekten“ Bild welches Sie gesehen haben … und wofür jemand anderes vielleicht Jahre gebraucht hat. Beeindruckt sein sollte man also eher von DEN Leuten, die aus relativ bescheidenen Lichtverhältnissen und bei suboptimalen Wetter immer noch fantastische Bilder zaubern können weil sie einfach das Beste aus dem Hier und Jetzt heraus holen als von jenen, welche endlos viel Lebenszeit damit verbringen auf den perfekten Moment an einem Ort zu warten. Denn in diesem Moment … würde auch ein simples, blödes Smartphone reichen für die einen perfekte Aufnahme. Man kann solche Situationen nicht künstlich hervor rufen, entweder sie geschehen einfach – oder eben nicht. Umso dankbarer lernt man aber dafür zu sein wenn es einfach passiert. Zumindest geht es mir so.

Ich möchte das ganze noch einmal an einem anderen Foto verdeutlichen, dieses Mal geknipst mit einer lausigen 12MP-Kamera einer Phantom 4. Ich stehe so bei uns im Garten und merke wie der Himmel sich anfängt zu verfärben. Da keine Zeit mehr gewesen wäre das Kameragerödel zusammenzupacken, sich ins Auto zu setzen und dann los zu fahren in der Hoffnung einen geeigneten Spot zu finden für einen Sunset-Shot, habe ich mich spontan entschieden den Kopter einfach nach oben zu schicken über unserem Haus. Die folgende Aufnahme ist also 95m senkrecht über mir entstanden, in einer öden Wohnsiedlung mitten im Ruhrgebiet.

 

Spontaner Sunset Shot mit der Phantom 4

 

Der Himmel ist hier ganz klar der „Star“ des Fotos, welches ansonsten ja motivmässig eher öde ist eigentlich. Trotzdem ist es ein Hingucker, spontan entstanden innerhalb weniger Minuten und ohne irgendwelche Einstellungen an der Kamera des Phantom 4 vorzunehmen. Hält man sich auch hier die Entwicklung vor Augen, das zum Beispiel die ersten Phantom Drohne von DJI überhaupt erst 2012 auf den Markt geworfen wurde, damals weder Gimbal, Kamera noch sonstigen Schnickschnack hatte, verwundert es umso mehr was technisch heute mit solch fliegenden Technikwundern möglich ist. Der Nachfolger, die P4 Pro, hat inzwischen einen 20MP Sony Exmor R Sensor mit 24mm Brennweite wo dann ein über 40MB großes Foto im RAW-Format hinterher heraus kommt. Das steht einer zwei Generationen alten DSLR in nichts mehr nach. Netterweise wird dann sogar noch mit 60fps bei 4K gefilmt, was will man noch mehr? Auch die Kameraaufnahmen von oben wird man in Zukunft vermutlich häufiger sehen. Die Technik wird langsam für jedermann erschwinglich und die Fangemeinde steigt. Aber das nur ganz nebenbei … das Foto sollte lediglich einmal mehr verdeutlichen: Wenn die Umgebungsbedingungen passen, dann passt auch der Rest und nett anzusehende Bilder entstehen quasi einfach von selber, dafür benötigt man kein 4000€-Kameraequipment 😉

Im folgenden noch einmal ein Vergleichsfoto vom Boden aus, geknipst mit EOS 6D und iphone 6+, aufgenommen in Arnarstapi. Der Standpunkt war bei beiden identisch, auf dem oberen Canon-Foto ist der Bildausschnitt lediglich größer weil er mit den vollen 15mm Weitwinkel meines Tamron 15-30mm aufgenommen wurde.

 

Arnarstapi mit der 6D

 

Arnarstapi ... ein schlichter iphone-Schuss

 

Ich finde, auch hier halten sich die Unterschiede in Grenzen. Sicherlich gibt es immer jemanden, der solch ein iphone-Bild zerlegen, analysieren und dann über Vor – und Nachteile philosophieren kann. Ich finde, man muss allerdings auch mal die Kirche im Dorf lassen. Schaut man sich an welchen jahrelangen Vorsprung und welche Erfahrung die großen Kamera-Hersteller haben ist es schon erstaunlich nach welch kurzer Zeit die Smartphones überhaupt schon soweit sind brauchbare Fotos abzuliefern. Das erste iphone kam erst 2007 auf dem Markt und war lange davon entfernt fototechnisch auch nur ansatzweise interessant zu sein. Das ist nun gerade einmal 9 Jahre her (Stand:12/2016). Hält man sich dann noch vor Augen, wie klein die Optik eigentlich ist an solch einem Smartphone ist das umso beeindruckender und man kann nur ansatzweise erahnen wo in ein paar Jahren die Reise hin geht …

Mit Pictar, einem Kickstarter-Projekt, soll im Dezember 2016 übrigens eine Art Griff kommen der das iphone zur Kamera umfunktioniert. Infos dazu gibt es hier.

Unterm Strich ist es immer eine Frage WOFÜR man die Fotos hinterher verwenden möchte, sollen sie zum Beispiel nur im Netz ihr Dasein fristen um – wie hier – in einem Artikel oder Reisebericht zu landen? Oder ist eventuell geplant das ganze auch großformatig auszudrucken oder entwickeln zu lassen … sei es nun als Poster, Leinwanddruck oder vielleicht auch nur als Kalender. Für’s Internet reicht zweifelsohne ein Smartphone völlig aus. Für einen großformatigen Ausdruck oder eine profesionelle Entwicklung für zB Ausstellungen jedoch definitiv nicht. Alles also eine Frage der Verwendung.

Um zur Eingangsfrage zurück zu kommen … kann das Smartphone tatsächlich eine Alternative zur DSLR sein? Ich würde sagen: JEIN! Aktuelle Generationen können dies (noch!) nicht, aber die Technik schreitet schnell voran. Bereits beim iphone 7 war im Gespräch das die Kamera Bilder im RAW-Format aufnehmen soll. Dies wurde wieder auf Eis gelegt, es dürfte aber nur noch eine Frage der Zeit sein bis es soweit ist. Da die Lightroom-App auf iOS 10 das RAW-Format unterstützt sind die Vorzeichen unübersehbar gegeben! Die Low Light Kamera des iphone 7 ist ja ebenfalls bereits eine klare Weiterentwicklung. Bisher waren die Ergebnisse im Lowlight-Bereich bei Smartphones eher suboptimal weil sie recht pixelig wurden und starkes Rauschverhalten aufgetreten ist. Das wurde hier inzwischen weiter verbessert und ist vermutlich nur eine Frage der Zeit bis sich Smartphones immer näher an die Qualität von DSLRs heran pirschen. Ob sie DANN unter Umständen für einige Leute auf Reisen tatsächlich eine echte Alternative sein werden bleibt abzuwarten und auch zukünftig wird es wohl eine Frage des Verwendungszweckes bleiben. Eines sind Smartphones allerdings jetzt bereits: Mehr als nur eine sinnvolle und hilfreiche Ergänzung!

About the author

reisewut

reisewut

Add Comment

Click here to post a comment

2 × 2 =