4.Tag Grand Canyon
Beim Blick aus dem Fenster heute Morgen hätten wir uns am liebsten wieder zurück ins Bett verkrochen, vor lauter Nebel hat man erstmal eigentlich gar nicht wirklich was gesehen. Dazu gab's noch diesen fiesen Nieselregen als Zugabe den man mal so gar nicht gebrauchen kann, also alles was das Herz nicht begehrt. Da es aber bekanntlich kein schlechtes Wetter sondern nur die falsche Kleidung gibt machen wir uns nach dem Frühstück auf um unser "Vorhaben Bright Angel Trail" wenigstens mal in Augenschein zu nehmen. Vom Canyonrand aus sieht man allerdings erst einmal gar nix, man blickt auf eine undurchsichtige, milchig weisse Suppe aus Nebel und Wolken. Die reine Sichtweite beträgt schätzungsweise zwischen 50 und 100m, zwischendurch kann man aber immer wieder einmal durch den Nebel hindurch bis zum unteren Teil des Trails gucken ...
Da es anscheinend die Nacht auch durchgeregnet hat schaut schon der Beginn des Trails nicht wirklich verheißungsvoll aus, unsere Schuhe versinken teilweise cm-Tief im Matsch ... trotzdem wollen wir aber wenigstens VERSUCHEN den Weg so weit wie möglich zu gehen. Da wir keine Ahnung haben wie voll es hier an einem wettertechnisch guten Tag ist kommt es uns so vor als wenn schon recht viele Leute unterwegs sind. Ständig muss man zur Seite gehen, Platz machen oder ist gezwungen dem Eselconvoy auszuweichen der einige wenige hinunter zur Phantom Ranch und wieder hinauf bringt. Es heisst, wer einen der begehrten Plätze auf einem der Maultiere ergattern möchte muss sich bis zu einem Jahr im voraus dafür anmelden ... ich hab zwar keine Ahnung wie man so lange im Vorfeld einen Urlaub planen kann, aber irgendwie scheint sowas doch möglich zu sein. Bereits nach einer halben Stunde wird uns klar das unser Plan bis hinunter zum Plateau Point zu gelangen vermutlich am mühsamen Vorankommen scheitern wird. Durch tiefen Matsch zu laufen ist a) echt anstrengend und b) macht die Schuhe irgendwann ziemlich schwer. Hier und da peilen wir zwischendurch immer wieder die Lage ...
... "Hoffnung" auf Wetterbesserung sieht aber anders aus und so kämpfen wir uns weiter durch Matsch und Schlamm bis hinunter zum 1.5-Mile-Resthouse. Hier gibt es Toiletten, Wasser und ein Notruftelefon.Der weitere Trail in Richtung 3-Mile-Resthouse schaut nicht wirklich besser aus, im Gegenteil - die Leute die uns von unten entgegenkommen schnauben vor sich hin und bei einem Blick auf die Schuhe wird uns auch klar wieso. Dort befindet sich nämlich bei fast allen nur noch ein riesiger Klumpen Lehm und Matsch ... so zu wandern macht irgendwie ja nicht wirklich Spaß. Wir beschließen deshalb schweren Herzens umzukehren und lieber noch ein wenig am Canyonrand in Richtung Hopi Point zu wandern ... auf dem Weg nach oben überholt uns wieder einer der Muli-Trecks ... ein Königreich für so ein blödes Maultier jetzt!
Als wir nach gut 2 Stunden Aufstieg wieder den kleinen natürlichen Tunnel erreichen wissen wir, das wir nicht mehr weit vom Ende des Trails entfernt sind.
Einen sehr guten Bericht von einer Wanderung des Bright Angels Trails bis hinunter zum Plateau Point bei perfekten Wetter könnt Ihr bei Holger nachlesen ... Oben wieder angekommen können wir unseren Augen kaum trauen - unterwegs auf dem Weg zum Auto lösen die Wolken sich fast völlig auf und offenbaren uns einen Blick hinüber zum knapp 26km entfernten North Rim ... so wie wir ihn uns eigentlich bereits heute morgen gewünscht hätten.
Leicht gefrustet und trotzdem erleichtert (der Tag scheint ja doch noch eine unerwartete Wendung zu nehmen) fahren wir zunächst zurück zum Hotel um uns ein wenig frisch zu machen und etwas zu essen - nur um kurze Zeit später schon wieder erneut in Richtung South Rim aufzubrechen. Eine Wanderung bis hin zum Hopi Point steht an, hier ist es wenigstens asphaltiert und man kann zur Not bei einsetzendem Regen in das Bus-Shuttle flüchten was regelmäßig hin - und herpendelt. Bereits nach wenigen gelaufenen Metern bekommen wir wieder völlig neue Eindrücke vom Canyon, bisher waren wir ja hier in dieser Ecke noch gar nicht. Und auch wenn es ja doch irgendwie immer alles so halbwegs gleich aussieht, der Auslöser der Kamera glüht förmlich ob der vermeidlich neuen Motive ... Das Schauspiel aus teilweise wolkigem und sonnigem Himmel ist jedoch leider nur von kurzer Dauer, bereits nach zwei Stunden ziehen wieder dunkle Wolken auf und ein dumpfes grollen ist zu hören - ein Gewitter ist in Anmarsch. Irgendwie weiss das Wetter heute nicht so wirklich was es will.
Laut Park Ranger soll der beste Platz um den Sonnenuntergang zu beobachten ja Hopi Point sein, da wir ja eh hier in der Ecke sind warten wir dementsprechend auch bis es soweit ist. Leider warten mit uns auch die Wolken, einen echten Bilderbuchsonnenuntergang hat es deshalb nicht wirklich gegeben ... trotzdem ist selbst solch ein relativ normaler Abend hier immer wieder unbeschreiblich!
Morgen verlassen wir dann den South Rim wieder, es geht weiter Richtung Tuba City ... Neuland für uns. Gute Nacht!
Aktuelles Wetter am Grand Canyon
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© HOH |