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4.Tag (21.September 2008)

Kalbarri National Park

 

 

 

 

Bereits um halb 6h sind wir schon wieder unterwegs, der frühe Vogel fängt ja bekanntlich den Wurm. Bis zum Örtchen Northampton, welches eine der ältesten Siedlungen von ganz Australien ist, passiert eigentlich nicht wirklich viel. Hier und da höppeln ein paar Kängurus am Straßenrand herum, zum Glück springen die aber nicht vor unser Auto. In Northampton biegen wir links ab, hier ist nämlich der Abzweig zur Port Gregory Road (im späteren Verlauf Georg Grey Road), welche an der Küste entlang direkt bis nach Kalbarri führt. Die Landschaft hier ist so früh am Morgen einmalig anzuschauen und wir sind fasziniert von den Farben der Natur ...

 

On the road ... kurz hinter Northampton

 

... ständig ist man fast schon gezwungen anzuhalten und Fotos zu knipsen. Oder man steigt einfach aus und genießt den Augenblick! Immer wieder fahren wir auch an kleineren und größeren Farmen vorbei, einige Weiden hier sind so groß wie ganze deutsche Bundesländer sagt man - eigentlich unvorstellbar wenn man es nicht selbst sieht!

 

Windrad bei Northampton
Windrad bei Northampton

 

Überhaupt ist die unglaubliche Weite hier absolut beeindruckend. Wir sind zwar aus den USA bereits eine grandiose Natur und vor allem auch einsame Gegenden gewohnt, mehrere Stunden und hunderte von Kilometern unterwegs zu sein, ohne das einem auch nur ein einziges Auto begegnet - das ist schon unbeschreiblich! Da graut es mir fast schon wieder davor zurück nach Perth zu kommen ... aber bis dahin ist ja noch ein langer Weg!

 

Jetzt sind wir erst einmal hier ... am Abzweig nach Port Gregory. Der Ort selber bietet nicht viel, Hauptattraktion ist eigentlich der Pink Lake, an dem man aber auch vorbeifährt wenn man vor Port Gregory rechts abbiegt und auf den Georg Grey Drive fährt. Vernünftige Aussichtspunkte auf den See gibt es aber anscheinend doch nur auf der Stichstraße zum Ort hin, auf dem gesamten Teilstück nach Kalbarri haben wir zumindest keine einzige vernünftige Gelegenheit gefunden mal etwas näher an den See heranzukommen. Mal abgesehen davon das er zu der Zeit als wir dort waren nicht wirklich pink ausgesehen hat. Kommt vermutlich auf den Stand der Sonne und dem damit verbundenen Lichteinfall an !?

 

Pink Lake ... heute gar nicht so pink

 

Leicht enttäuscht über den heute blauen Pink Lake fahren wir flugs weiter und kommen nach wenigen Kilometern an den Abzweig zur Hutt River Provinz ... ein Unikum, vermutlich nicht nur in Australien sondern weltweit. 1970 gründete ein gewisser Leonard Georg Casley aus Wut über den australischen Staat eine von ihm selbstverwaltete Regierung. Möglich wurde dies durch eine Gesetzeslücke in der damaligen Zeit. Und noch heute existiert diese unabhängige Enklave, in der man sich für 250 Au$ die Staatsbürgerschaft erkaufen kann. Sogar einen Stempel kann man sich als Tourist in seinen Reisepass geben lassen. Sehr skuril das ganze.

 

Kurze Zeit später erreichen wir dann Kalbarri. Erste sehenswerte Punkte an der Küste sind der Island Rock und die Natural Bridge. Von letzterem Aussichtspunkt soll man angeblich sogar Wale im Meer vorbeiziehen sehen können. Leider haben wir aber kein Glück was das angeht und wir machen uns wieder auf den Weg ...

 

Island Rock
Natural Bridge

 

Die nächsten sehenswerten Punkte, Eagle George, Pot Alley, Rainbow Valley, Mushroom Rock und vor allen Dingen Red Bluff heben wir uns für später auf, jetzt wollen wir erst einmal sehen das wir rechtzeitig bei der Pelikanfütterung sind. Ein paar Minuten zu früh sind wir dann vor Ort, verfehlen kann man die Stelle eigentlich nicht, sie befindet sich unweit des Visitor Centers und man braucht eigentlich nur zu schauen wo sich so ganz allmählich die Leute versammeln. Wer es genauer haben möchte: Der Punkt heißt Pelikan Point und ist direkt gegenüber der Wood Street!

 

Pelikanfütterung in Kalbarri

 

Während der Fütterung erfährt man allerhand über diese "Ruderfüßer", die zu den größten und schwersten flugfähigen Vögeln überhaupt gehören. Bei der Gattung hier in Australien und speziell in Kalbarri handelt es sich um einen Brillenpelikan. Der Name kommt daher, weil die Tiere einen gelben Ring um das Auge bekommen sobald sie erwachsen sind ... das wirkt dann eben wie eine Brille. Naja, Interpretation ist alles.

 

Pelikane

Die Tiere können bis zu 160cm groß werden und eine Flügelspannweite von sage und schreibe an die 3m erreichen. Der Pelikan steht übrigens in der roten Liste gefährdeter Arten der IUCN ...

 

Gute Chancen selbst die Pelikane zu füttern haben Familien mit kleinen Kindern. Am besten einfach in der ersten Reihe hinter der Absperrung hinstellen, dann sind die Chancen recht groß ausgewählt zu werden. Mel hat sich zwar gaaaaaanz klein zusammengerollt und sich den Daumen in den Mund gesteckt, leider ist sie aber nicht als Kleinkind durchgegangen ... versteh ich gar nicht *duck*

 

Was könnte man sonst noch über Pelikane schreiben damit der Textbereich hier neben dem Bild schön bündig unten mit dem Foto abschließt? Hmmm, keine Ahnung - ich kann stattdessen ein wenig übers Wetter berichten wenn es recht ist?

 

Das ist nämlich irgendwie nicht mehr so doll inzwischen ... es hat sich zugezogen und windig isses auch.

 

Wir gehen deshalb erstmal in Visitor Center (geöffnet täglich von 9 - 17h) und besorgen uns ein paar Prospekte, Karten und Infos. Außerdem frühstücken wir jetzt erst einmal in Ruhe ... bevor wir uns aufmachen in Richtung Hawk’s Head Lookout und Ross Graham Lookout. Auf unserem Weg die Ajana Kalbarri Road entlang springen uns mehrmals Kängurus knapp vors Auto, hier muss man echt höllisch aufpassen da einem die Sicht zur Seite durch 2 - 4 Meter hohe Büsche und Gestrüpp verdeckt wird. Zum Glück passiert aber wieder nichts, beide Parteien (also die Roos und wir) reagieren schnell genug und kommen mit dem Schrecken davon.

 

Nach knapp 35km erreichen wir den Abzweig und biegen links in den Nationalpark ein. Dank dem Holiday Park Pass brauchen wir nichts zu bezahlen, hier gibt es aber eh nur eine Self Registration und somit können wir einfach durchfahren. Als erstes fahren wir zum Ross Graham Lookout, von wo aus man auf einem halbwegs guten Trampelpfad den Flusslauf erreichen kann. Wir wandern kurz runter und verschaffen und einen ersten Überblick, da wir evtl. morgen hier ein wenig wandern gehen wollen.

 

Murchison River

 

Der erste Eindruck ist vielversprechend, große Felsbrocken säumen das Flussett und im Zusammenspiel mit den braunen Felswänden entsteht eine beeindruckende Atmosphäre! Hinzu kommt: Es sind kaum Leute unterwegs und wir sind somit fast ganz allein. Totenstille ist die Folge, die nur hier und da vom krächzen der Raben gestört wird.

 

Der Murchison River hat sich hier im 1830 qkm großen National Park im Laufe der Jahre auf einer Länge von knapp 80km auf beeindruckende Weise durch die verschiedenen Gesteinsschichten gegraben.

 

Flußufer des Murchison River am Ross Graham Point

 

Anhand der verschiedenen Farben, Ablagerungen, Aushöhlungen und Spuren am Felsen lassen sich unschwer die Einflüsse von Wind und Wetter erkennen.

 

Gesteinsschichten am Ross Graham Point

 

Wir laufen eine ganze zeitlang umher und überlegen, wohin wir hier morgen wandern wollen. Entscheiden werden wir das vermutlich spontan, lassen wir einfach das Wetter und unsere Laune entscheiden.

 

Hawk's Head Lookout heißt der nächste Stopp, wo uns eine neu gebaute Plattform eine hervorragende Aussicht auf dem Murchison River beschert. Auch der Parkplatz hier ist noch recht neu, sogar an Picknickplätze im Schatten wurde gedacht. Der bekannte Felsvorsprung den man immer wieder auf Postkarten sieht ist übrigens stark abbruchgefährdet, Verbotsschilder warnen deshalb vor dem Betreten. Das überall kursierende Bild wo man sich selbst vorne auf die Spitze des Felsvorsprunges stellen kann für ein dramatisches Foto gehört also der Vergangenheit an.

 

Hawks Head Lookout

 

Betrachtet man sich den Vorsprung aus der Nähe kann man leicht die Verbotsschilder nachvollziehen, das Teil hat so viele Risse das man glaubt es würde sofort abbrechen wenn man feste mit den Füßen auftritt. Ich hab trotzdem lange überlegt ob ich nicht vielleicht doch draufgehen soll ... zwischen Mut und Wahnsinn liegt ja bekanntlich nur ein schmaler Grat. Da ich aber kein Postkartenmotiv kaputtmachen wollte und ich Mel's Knie schon aus 10m Entfernung klappern gehört habe muss ein Oben-ohne-Foto reichen. Unser Aufenthalt hier wird jäh unterbrochen als es plötzlich ohne Vorwarnung wie aus Kübeln anfängt zu regnen ... und dabei wollten wir eigentlich erst abends duschen.

 

Da im Regen hier nicht wirklich mehr viel rauszuholen ist beschließen wir umzufahren, mehr als diese beiden Punkte gibt es in diesem Teil des Parks eh nicht. Auf dem Rückweg kommen wir am Abzweig zum Loop, Natures Window und Z-Bend vorbei. Die 20 Kilometer lange, sandige Schotterpiste bis zur nächsten T-Kreuzung ist zu Beginn noch in einem guten Zustand. Aber bereits wenige hundert Meter nach dem Rangerhäuschen wird sie zusehends schlechter und der Hinweis (oder war es eine Warnung) des Rangers am Eingang scheint nicht grundlos gewesen zu sein. Denn auch hier hat es vor kurzen noch geregnet, die Strecke ist matschig und für einen kleinen 2WD Wagen eigentlich nicht mehr fahrbar. Zum Glück stoppen wir rechtzeitig ... zähneknirschend müssend wir auch hier abbrechen und drehen wieder um. Das war das einzige Mal in diesem Urlaub das wir beide uns wohl einen richtig schönen 4WD-Wagen gewünscht haben !! Aber was soll's, morgen ist ja auch noch ein Tag, vielleicht sieht es dann besser aus.

 

Mittlerweile ist es auch spät genug das wir im Hotel einchecken können und machen von dieser Gelegenheit gebrauch. Ausserdem wollen wir schon mal wieder ein paar Dinge einkaufen, nicht das wir nachher plötzlich wieder 17h haben und alle Geschäfte und Supermärkte bereits wieder geschlossen sind. So vergeht etwas Zeit, erwähnenswert ist eigentlich erst wieder unser Stopp am Meanarra Hill ...

 

Meanarra Hill Lookout

 

Von hier aus hat man eine schöne Aussicht auf das Umland von Kalbarri. Bei guten Wetterbedingungen reicht der Blick von der gesamten Coastline bis weit rüber in die Z-Bend Gegend. Eine gute Karte (wenn nicht sogar die Beste) von dem gesamten Gebiet hier gibt es übrigens auch im pdf-Format, klick einfach auf das Symbol pdf

 

Als nächstes fahren wir zum Blue Holes Beach, im Vorbeifahren hat es uns dieser Lagunenartige Strandabschnitt mit seinen Wellenbrechern und mit Muscheln überlagerten kleineren Felsformationen angetan.

 

Beach bei Blue Holes

 

Die nächste Stunde verbringen wir auf dem Mushroom Rock Trail ... der Loop ist mit knapp 2 Stunden Wegezeit angegeben und ist eine lockere Wanderung über Stock und Stein bis hinunter zum Wasser und vorbei an einigen sehr skurrilen Fels - und Sandsteinformationen. Der Mushroom darf natürlich nicht fehlen, erkennen kann man ihn aber erst kurz vorher. Da die Sonne sich während der Wanderung fast vollständig irgendwo hinter den Wolken verkrümelt gehen wir nur den halben Loop und drehen wieder um, auch hier wollen wir morgen noch einmal bei besserem Licht unser Glück versuchen. Der Trail gefällt uns auf jeden Fall recht gut und hat bestimmt noch einiges zu bieten ... mehr und bessere Fotos gibt es davon deshalb erst am morgigen Tag.

 

Auf dem Mushroom Rock Trail
Auf dem Mushroom Rock Trail

 

Nächster Stopp: Der Strand/Küstenabschnitt bei Pot Alley. Ich hatte im Vorfeld ein einziges Foto im Netz von einem angeblich vorhandenem Arch direkt am Meer gefunden ... allerdings war nirgends auszumachen wo der sich nun genau befinden soll. Auf geht's also zur fröhlichen Arch-Suche. Pot Alley hat auf den ersten Blick nicht viel zu bieten, der Parkplatz knapp 100m über dem Meer sieht recht überschaubar und öde aus, klettert man den kleinen Hügel hinauf erreicht man ein kleines Window durch welches man einen schönen Blick auf die Küste Richtung Ort hat. Gegenüber führt eine Art versteinerter Wash hinunter zum Meer ...

 

Pot Alley Window
Pot Alley ... der Weg zum Strand

 

Da die Sonne bereits zu tief steht liegt der "Stonewash" leider schon im Schatten, trotzdem wirkt das ganze sehr Endzeitmässig und man kommt sich kurzzeitig vor als wenn man sich auf einem anderen Planeten befindet. So ähnlich könnte man sich vermutlich den Mars vorstellen. Biegt man am Ende des Weges um die Ecke eröffnet sich einen der Blick über eine kleine sandige von Felsen gesäumte Bucht.

 

Bucht bei Pot Alley

 

Auch hier gibt es wieder zahlreiche Fotomotive, den Arch hab ich aber leider nirgends ausmachen können. Naja, wir wollen ja morgen eh noch einmal hier hin, dann wird die Suche ein wenig intensiviert.

 

Zum Abschluss des Tages wollen wir noch zur Sunset-Spot No.1 hier nach Red Bluff. Zumindest ist es für UNS der absolut beste Ort dafür, nirgends sonst leuchten die Felsen zum Sonnenuntergang roter und sind die Farben schöner als hier! Bereits auf dem Parkplatz, der sich auf riesigen Felsplatten direkt am Meer befindet, verzaubert uns diese Location hier ganz still und heimlich. Ob DAS der Zauber von Oz ist? Vielleicht kann das jeder für sich selbst entscheiden ... und da Bilder mehr als tausend Worte sagen halte ich jetzt mal meinen Mund und schiebe ein paar Fotos aus der separaten Kalbarri-Coast-Bildergalerie hier rein ... der Link dazu kommt allerdings erst Morgen.

 

Red Bluff

 

Red Bluff

 

Red Bluff

 

Red Bluff Sunset

 

Nach einiger Zeit ist das Schauspiel vorbei, die zum Abend hin doch noch einmal aufgetauchte Sonne hat uns ein wenig für den ziemlich durcheinander gewürfelten Tag entschädigt.

 

Zurück im Hotel beratschlagen wir noch kurz den morgigen Tagesablauf und schlafen - während es draußen wieder einmal regnet - wie die Babys ein ... gute Nacht.

 

 

 

 

Aktuelles Wetter in Karlbarri

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