5.Tag (31.Mai 2008)
Kowloon (Tempel - Tour) - Rückflug nach FRA
Da ist er also wieder, der letzte Tag ! Unser Flug geht
aber erst Abends um 23 Uhr, es ist also noch genügend Zeit um sich einige
Sachen anzusehen. Eigentlich wußte wir bis gestern Abend gar nicht genau,
WAS wir uns heute noch genau ansehen wollten. An der MTR-Station vorm Hotel
ist uns allerdings noch ein Bildchen von einem Kloster aufgefallen, was in
der gleichen Fahrtrichtung wie der Wong Tai Sin – Tempel liegt. Und da wir
den eh besuchen wollten ist das quasi ein Abwasch.
Als wir in die MTR steigen bietet sich uns ein Bild, bei dem wir uns - wie in den letzten Tagen schon öfters - ein schmunzeln nicht verkneifen können. Entweder man liest die morgendliche Zeitung (die man übrigens an fast jeder Straßenecke GRATIS in die Hand gedrückt bekommt - auch als Tourist) oder man hat irgend eine Art elektronisches Gerät der Hand, was anderes geht anscheinend gar nicht!
Es ist ein kurioses Bild und als Nicht-Hongkonger kommt man sich fast schon blöd vor irgendwie. Naja, muss man halt ein bischen am Fotoapparat rumspielen und dabei aus Versehen ein Bild machen, dann gehört man bestimmt dazu 
|
|
Wir fahren bis zur Station Wong Tai Sin (der Name wurde also gleich übernommen), wo als erstes ein kurzer Besuch der angrenzenden Shopping Mall auf dem Programm steht. Haben wir vor kurzem noch eine Eislaufbahn hier mitten in einer Mall gesehen, so finden wir dieses Mal mehrere komplette Volleyball-Spielfelder !! Also Sachen gibt's ...

Nach einem kurzen Besuch der Keramikabteilung gehen wir weiter zum bekanntesten Tempel Hong
Kongs ... Wong Tai Sin.
Der Legende nach war Wong Tai Sin ein Hirtenjunge, der von einem der daoistischen Unsterblichen lernte, wie man alle Krankheiten mit mineralischem Zinnober heilen und ausserdem die Zukunft voraussagen konnte. Noch heute findet man deshalb zahlreiche Wahrsager hier vor, die natürlich alles wissen und für jeden in die Zukunft schauen ... räusper ... "Ich hätte dann gerne einmal die Lottozahlen von nächsten Samstag bitte !" ;-)

Wieder einmal liegt der Geruch von Weihrauch und
Räucherstäbchen in der Luft als wir die Anlage betreten. Mittlerweile sind
wir das ja gewohnt. Viele Gläubige sehen wir hier und schauen ein wenig
Ihren Riten und Gebräuchen zu.
Zurück in der MTR-Station fahren wir eine Station weiter
nach Diamond Hill, hier ist das Kloster, dessen Bild wir gestern Abend noch auf
einem MTR-Plan gesehen haben. Außerdem befindet sich hier noch der Nan Lian Garden, der
erst seit 2006 existiert und für uns beide zu den persönlichen Überraschungsmomenten des Tages zählt. Nur
selten haben wir so etwas faszinierendes gesehen, man kommt sich vor wie in einem der alten
Shogun-Filme ... und die haben ja bekanntermaßen in Japan gespielt. Baulich wurde sich hier aber an die Tang-Dynastie angelehnt. Schon
seltsam!

Alles ist supersauber und gepflegt hier, ein Gärtner spricht
uns an und meint, das wir das genau richtig gemacht haben so früh hierher
zu kommen. Natürlich, war ja auch genauso geplant *rofl* ... vor allem weil
wir nicht einmal wußten was uns hier genau erwartet. Was wieder auffällt:
Inmitten von vielbefahrenen Strassen herrscht hier – genau wie im
Kowloon-Park - absolute Ruhe. Keine Ahnung wie das funktioniert, aber
irgendwie kriegen die das anscheinend hin. Nicht durch Zufall hat der Ort hier den Beinamen Oase der Ruhe. Das Hauptaugenmerk im ersten Parkabschnitt richtet sich ganz klar auf den Pavillon of absolute Perfection ...

Nett anzusehen ist auch noch die Rockerie, in der man viele merkwürdige anmutende Steinfindlinge betrachten kann ... leider nur von aussen - da wir noch zu früh dran sind hat das Gebäude nämlich noch geschlossen.
Viele Fotos später gehen wir dann über eine Verbindungsbrücke auf die andere Straßenseite
zum Chi Lin Nonnen-Kloster, wegen dem sind wir ja eigentlich hierher gekommen. Und in der
Tat schaut das genauso aus wie auf dem Bild was wir gestern gesehen haben, nur das mal wieder keine Sonne
scheint – aber das wäre am letzten Tag wohl auch zuviel des guten gewesen.
Einige Fotografen schleichen hier herum und scheinen irgendwie
mehr zu sehen als wir, zumindest lässt sich manchmal nicht so ganz
nachvollziehen was eigentlich gerade fotografiert wird. Wir begnügen uns
auf jeden Fall mit dem für das menschliche Auge Sichtbare ... selbst das
ist ziemlich fotogen hier.

Eine Karte hab ich vorsichtshalber auch mal fotografiert, man weiss ja nie wozu sowas gut ist ...

Ins eigentliche Kloster kommt man als Tourist übrigens
nicht, dazu müßte man schon Nonne oder Mönch werden ... und das war für
heute nicht geplant. Also gehen wir wieder zurück zur MTR und fahren wieder eine Station zurück zur Lok Fu Station, wo wir uns noch in der Nähe den Kowloon Walled City Park ansehen wollen. Auf dem
Weg dorthin kommt man am kleinen, 1737 erbauten, Hau Wong - Tempel vorbei, von wo aus man auf
der gegenüberliegenden Seite auf den Schulhof einer Grundschule blicken
kann. Lustig und ganz interessant anzusehen.
Knappe 10 Minuten später sind wir dann am City Park, die alte
Außenmauer lassen wir hinter uns und wandern ein wenig umher.
Der Park hat eine einmalige Hintergrundgeschichte, die heutzutage fast schon einem Mythos gleicht. Genau hier hat nämlich eine kleine chinesische Enklave der britischen Besetzung getrotzt und ausgeharrt - auf gerade einmal einer Fläche von 100 x 200 Metern! Als die gute Beziehung der beiden Länder zueinander daran zu zerbrechen drohte, wurde diese "Kolonie" jedoch (mehr oder weniger) in beiderseitigem Einverständnis aufgegeben. Der Ort verfiel im Laufe der Jahrhunderte - übrig blieb die Grundmauer, welche den von vielen Stararchitekten entworfenen, neu entstandenen Park einrahmt.
Wer wissen will, wie dieser Ort 1989 noch ausgesehen hat, der findet hier ein Bild davon ... (Quelle: Wikipedia). Und hier gibt es eine Fotostrecke des Parks wie er heute aussieht.
Heute kommen viele hierher um Dame oder Mühle zu spielen, andere gehen Ihren Tai Chi –
Übungen nach, was jedesmal wieder ein ziemlich faszinierender Anblick ist ...
|
|
An den zehn Grundprinzipien im Tai Chi ist übrigens ein gewisser Yang Chengfu schuld, der 1936 das zeitliche gesegnet hat. Folgendes soll man also beachten:
- Halte den Kopf aufrecht, um Deinen Geist zu entfalten
- Lockere die Ellenbogen, damit die Schultern sinken
- Brust und Rücken sollen entspannt sein
- Lockere Deine Taille
- Verteile das Gewicht richtig (Fülle <-> Leere)
- Bringe Ober- und Unterkörper in Einklang
- Deine Bewegungen sollen fließen
- Verbinde den Geist mit dem Körper
- Gebrauche Yi (Intention bzw.Absicht), nicht rohe Kraft (also Muskelkraft)
- Suche die Ruhe in der Bewegung und die Bewegung in der Ruhe


Allgemein gefällt uns dieser Park hier mit am besten
und ein Besuch gehört für mich unbedingt dazu wenn man in Hong Kong ist. Hier kann man eine Karte vom Park finden.
Unmittelbar gegenüber dem Park befinden sich einige
Shops, in denen man Früchte, Fleisch und sonstige Zeug kaufen kann. Wer
hier mal drüberschlendert weiß, was eklige Gerüche sind. Fleisch hängt hier
bei 30°C draußen an großen Haken in der Sonne, auf der Laderampe von LKWs
kann man gerade ausblutende Schweine sehen, frischer Fisch dünstet vor sich hin und schrumpelige
Früchte finden genauso Ihre Käufer wie irgendwelche lustigen Gemüsesorten
die wir noch nie gesehen haben. Wer bis jetzt noch Hunger hatte, dem kann
also geholfen werden.
Überwältigt von solchen Gaumenfreuden fahren wir
langsam aber sicher zurück zum Hotel, schließlich müssen wir uns so ganz
allmählich auf die Abfahrt vorbereiten. Unser Zimmer haben wir heute zusätzlich
noch bis 16 Uhr bekommen, eigentlich hätten wir ja bereits um 12 Uhr raus
gemusst. Die letzten zwei Stunden verbringen wir dann auch hier, bevor wir
unser Gepäck unten dem Concierge übergeben und für die nächsten vier
Stunden sicher verstauen lassen.
Die letzten Momente hier verbringen wir dann dort, wo
wir auch die ersten verbracht haben – an der Hafenpromenade. Noch einmal
lassen wir die Skyline auf uns wirken, sie wird uns noch lange in
Erinnerung bleiben und nur schwer durch eine andere zu toppen sein!
Um 20 Uhr werden wir schließlich abgeholt, der Bus
braucht durch den abendlichen Verkehr fast 45 Minuten bis zum Flughafen.
Schweigend sitzen wir da und gucken noch einmal hinaus auf die Stadt der
Lichter. Eine Stadt, die sicherlich in ihrer Art einmalig ist auf der Welt
... hochmodern und doch zutiefst traditionell. Eine Stadt, in der man
einmal im Leben gewesen sein MUSS. Eine Stadt, die von Hektik und Lärm beherrscht
wird und in der man doch die absolute Ruhe finden kann. Eine Stadt, die uns
in nur 5 Tagen gezeigt hat, das wir bis zu dem Zeitpunkt in keiner wirklich
großen Stadt auf der Welt gewesen sind. Eine Stadt, die man lieben oder
hassen kann – wir tun ersteres!
Am Flughafen angekommen können wir - dank unserer
Sitzplatzreservierung im Internet zwei Tage zuvor - den Online-Check-In-Schalter
benutzen. Alles hat hervorragend funktioniert und unsere ausgewählten
Plätze sind wirklich reserviert. Dem Rückflug steht nun also nichts mehr im
Wege. Auf die Minute pünktlich um 23 Uhr heben wir tatsächlich ab ... und
unter uns verabschiedet sich „unser“ Hong Kong in einem Lichtermeer wie es
im Buche steht.
Good Bye Starbucks-City, wir waren bestimmt nicht zum letzten Mal hier !!
Die fast auf die Minute genau 11 Stunden Flugzeit
vergehen eigentlich relativ schnell ... dank des Entertainment-Systems und
weil wir beide außergewöhnlich gut geschlafen haben.
Netter Gimmick am Rande: Fast während des gesamten Fluges ist Sonnenaufgang
– bedingt durch die Zeitverschiebung, der relativen Mondfeuchtigkeit, Adam
Riese und was weiss ich wieso !? So was haben wir auch noch nie erlebt.

Als wir morgens um 5h in Frankfurt ankommen sind wir
auf jeden Fall nicht so zerknautscht wie wir erwartet hätten. Für den von
uns bereits zu Hause ausgedruckten ICE nach Wuppertal sind wir sogar über
eine Stunde zu früh dran, weil der Pilot aus irgendeinem Grund diese Zeit
während des Fluges herausgeholt hat. Wir fahren deshalb mit einem anderen
ICE nach Köln, wo wir in den Regionalzug nach Wuppertal umsteigen. 12
Stunden nachdem wir in Hong Kong abgehoben sind wir schließlich wieder zu Hause,
wo wir uns nun auf den nächsten Urlaub freuen.
Wir immer möchte ich mich an dieser Stelle recht
herzlich bedanken, dass Ihr uns wieder auf dieser Reise begleitet habt. Für
Fragen, bei Kritik, Hinweise oder Anregungen stehen wir selbstverständlich immer gerne zur
Verfügung. Rechtschreibefehler unterliegen dem Copyright und sind natürlich
lediglich zur Belustigung eingebeut *g*
PS: Einiges werde ich bei Gelegenheit noch nachtragen, so zum Beispiel einige eingescannte Eintritts - und Umgebungskarten.
Gehabt Euch wohl ... und bis zum nächsten Mal 
|