7.Tag / Deildartunguhver – Hraunfossar – Barnafoss – Glanni

So, heute ist also Lückenfüllertag. Das mir so etwas hier in diesem Urlaub passieren würde damit hatte ich eigentlich nicht wirklich gerechnet. ZU voll waren die Tage meiner Meinung nach gepackt. Aber anscheinend habe ich ganz relaxed alles schneller geschafft als ich es mir gedacht hatte. Okay, ein bisschen war das unvorhersehbare Wetter ja jetzt auch Schuld das ich einen Tag früher hier in der Ecke bin, aber was willste machen. Am liebsten würde ich eigentlich zu den Hraunfossar, ich weiss nur noch nicht wo ich die genau einbauen soll. Drei oder vier oder fünf oder evtl.auch sechs Orte hatte ich für heute nämlich auf der Liste, abhängig davon wie ich zeitlich so durchkommen würde.

Als erste fahre ich die mir bereits bekannte Strecke zum Thingvellir National Park. Hier teilt sich der Weg, und ich wollte eigentlich die Straße #550 nehmen, eine Schotterpiste welche mich vorbei an den Gerduberg Basalt Colums über die #50 und 52# zu den Hraunfossar bringen sollte. Die Betonung liegt hier auf „sollte“, die Strecke war nämlich auf Grund einer stattfindenden Ralley gesperrt. Hä? Was soll das denn jetzt? Ein kurzer Blick ins Navi klärt mich dahingehend auf das ich jetzt nur zwei Alternativen habe – beide bedeuten einen Umweg von knapp 30km. Ich entscheide mich für die Ringstraße, wir wollen ja den Titel des Reiseberichtes nicht außer Acht lassen und außerdem komme ich so an diversen Regenbögen vorbei *hust*

 

Rainbow

 

Zum Glück hab ich ja heute alle Zeit der Welt und so fahre ich in aller Ruhe und ganz gemütlich den Ring bis ich wieder zu DEM Abzweig gelange wo ich quasi herausgekommen wäre wenn heute fahrtechnisch alles nach Plan gelaufen wäre. Auch hier steht noch ein großes Schild das die Strecke gesperrt ist wegen einer Ralley.

Kurz vor den Hraunfossar komme ich an den Deildartunguhver vorbei, dabei handelt es sich um eine Ansammlung heißer Quellen. Es sind die wasserreichsten heißen Quellen von Island. Sie haben einen Ausstoß von 180 Liter/Sek. an 100 Grad heißem Wasser. Pipelines führen das Wasser bis ins etwa 60 km entfernte Akranes und in das 30 km entfernte Borgarnes. Außerdem werden zahlreiche Weiler und Höfe damit versorgt.

 

Deildartunguhver

 

Der Schwefelgeruch des heißen Wasserdampfes ist fast schon richtig unangenehm, aber das gehört wohl einfach mit dazu. So wirklich lange einatmen möchte man das jedenfalls nicht wirklich auf Dauer glaube ich … eventuell geht es auch nur mir so, ich weiss es nicht genau. Durch die strategisch günstige geografische Lage scheinen auch sämtliche Reisebusse hier zu halten, ich bin allerdings heilfroh das ich im Moment der einzige Besucher bin … okay, mal abgesehen vom Wachhund der keine Anstalten macht mich zu verjagen, sondern mir anscheinend lieber eine Wurst aus den Rippen leiern möchte.

 

Deildartunguhver

 

Viel Zeit benötigt man hier nicht, kaum 15 Minuten später bin ich schon wieder auf dem Weg zum nächsten Ziel … den Hraunfossar.

Weiter vorne im Bericht haben wir gelernt das „fossar“ mehrere Wasserfälle sind, „Hrauna“ bedeutet soviel wie Lava … wer jetzt früher viel Nick Knatterton im Fernsehen gesehen hat kann kombinieren was das für Wasserfälle hier genau sind wo wir uns befinden.

 

Hraunfossar

 

Hraunfossar

 

Die Hraunfossar sind eigentlich keine Wasserfälle im eigentlichen Sinne wie man sich jetzt einen Wasserfall vorstellt. Hier passiert etwas völlig anderes: Der Fluss Hvíta versickert weiter oberhalb in einem relativ porösen Lavafeld und tritt dann als extrem geklärtes Wasser weiter unterhalb wieder aus dem Lavagestein auf einer Länge von mehr als 700m aus. Das Wasser soll durch diesen Prozess SO klar sein das es in einem wunderschönen türkis schimmert im Sonnenschein … da DIE aber heute anscheinend Urlaub macht, gibt es statt einem türkisblau nur einen lustigen Milchton mit leicht bläulichen Touch.

 

Hraunfossar

 

Hraunfossar

 

Hraunfossar

 

Nur wenige Meter rechts von den Hraunfossar befindet sich ein weiterer Wasserfall. Der Barnafoss. Den Wasserfall umgibt eine recht traurige Geschichte die man so ziemlich in jedem Reisebericht lesen kann – also auch hier. Zwei Kinder sollen hier beim Überqueren des Flusses über eine natürliche Steinbrücke in diesen herabgestürzt und ertrunken sein. Nach diesem tragischen Ereignis hat die Mutter die Steinbrücke zerstören lassen. Viel genützt hat es Ihr nicht, heute ist eine künstliche Brücke an der Stelle errichtet worden um ans andere Ufer zu gelangen, andere Einblicke gibt es von dort drüben aus allerdings auch nicht. Wie man unschwer erkennen kann fließt in dem Fluss kein Wasser sondern Milch …

 

Barnafoss

 

Zeitaufwand für die Hraunfossar und Barnafoss: Circa 45-60 Minuten, je nachdem ob man auch noch nach unten und damit näher ran möchte. Ich hab mir das verkniffen, es war nämlich fast die ganze Zeit leicht am pieseln.

 

Es ist ein kommen und gehen hier wenn man auf dem Parkplatz im Auto sitzt und einfach mal nur beobachtet was um einen herum so passiert. Da ich eine kleine Zwischenmahlzeit verschnabuliere habe ich dafür nämlich ein bisschen Zeit. Als ich fertig bin gucke ich schnell noch wohin es als nächstes geht und mache mich auf die Socken. Einen Wasserfall in der Nähe habe ich noch herausgesucht, auf dem Weg dorthin komme ich rein zufällig an einer Szenerie vorbei die mich mal wieder in die Eisen steigen lässt. Die Wolken spiegeln sich hier im Fluß Norðurá das es fast schon fahrlässig wäre hier nicht anzuhalten!

 

Mirror Lake

 

Ich stehe keine 30 Sekunden dort und versuche das ganze vernünftig auf Speicherkarte zu bannen als fast gleichzeitig noch zwei andere Auto halten und fasziniert die Kamera rausholen. Das wäre mal eine Location für einen Timelapse-Clip, die spiegelnden Wolken welche im Wasser vorbeiziehen. Aber leider habe ich für solche Spielereien wirklich keine Zeit.

Mein Ziel, der Glanni Wasserfall in der Nähe von Bifröst, ist ebenfalls ein Werk des Norðurá Flusses und liegt direkt neben einem Golfplatz. Auch hier tröpfelt es vom Himmel und ich habe mehr damit zu tun die Linsen sauber zu halten als mit den eigentlichen Fotos. Unterm Strich ist daher auch nur ein einziges Bild wirklich zufriedenstellend geworden.

 

Glanni Waterfall bei Bifröst

 

Meinen ursprünglich gestern noch für heute ausgearbeiteten Plan auf die Halbinsel Snaefellssness hoch zu fahren werfe ich auf Grund des Wetters spontan über den Haufen. Einziger Grund für diesen adHoc-Abstecher heute für mich wäre eh der Kirkjufellsfoss gewesen und ein Treffen mit alljogi, den ich vom usa-stammtisch her kenne und der rein zufällig auch gerade auf Island ist. Unsere Kommunikation klappt aber irgendwie nicht so wirklich in den letzten Tagen und so weiss ich zwar wo er wohnt … nicht aber ob überhaupt jemand in der Pension wäre wenn ich ankomme. Das Wetter tut das übrigen dazu, ich breche quasi nach dem Glanni-Wasserfall ab und mache mich auf den Rückweg in Richtung Golden Circle. Ein Wasserfall mehr oder weniger macht den Braten jetzt auch nicht mehr fett – auch wenn der Kirkjufellsfoss wirklich ein absoluter Hingucker ist, und das obwohl er nichtmals groß ist. Der Berg Kirkjufell im Hintergrund macht ihn allerdings extrem fotogen.

Auf dem Rückweg zu meiner heutigen Pension komme ich erneut am Thingvellir NP vorbei. Der liegt quasi wieder auf dem Weg und ich kann noch einige nette Eindrücke von der Umgebung festhalten …

 

Impression

 

Impression

 

Impression

 

Impression

 

Als Unterkunft für heute hatte ich mich für das Guesthouse Fagrilundur entschieden, rein zufällig liegt es nur eine Straße weiter als das Guesthouse Husid wo ich gestern übernachtet habe. Reykholt kenn ich somit inzwischen auswendig, das ist aber auch nicht schwierig – der „Ort“ besteht aus einer Tanke, zwei Straßen und dem Riverjet-Touranbieter. Im Vorfeld hatte ich erst überlegt ob ich so eine Riverjet-Tour mal mitmache, bei besserem Wetter wäre das sicherlich eine Option gewesen. Aber bei Regen … öhm … nö danke.

Ich bekomme jedenfalls (rein subjektiv) das beste Zimmer im gesamten Haus, es ist ein Eckzimmer mit Blick in zwei Richtungen und Veranda vor der Türe. Von der habe ich nur leider nichts mehr, denn das für morgen angekündigte Orkantief kündigt sich bereits durch extremen Wind und Starkregen an. Zeit sich einzumummeln und den letzten Tag morgen noch halbwegs logisch durchzuplanen. Eigentlich bräuchte ich das gar nicht großartig tun, denn ursprünglich war ein Rundflug vom Inlandsflughafen Reykjavik nach Landmannalauger und – aus aktuellem Anlass natürlich – zum Vulkanausbruch geplant! Aber Halldor (so heißt mein Pilot für morgen) hat mir via Handy Bescheid gegeben das wir morgen auf Grund des Wetters leider nicht fliegen können. So ein Mist !!!

Was das Thema Rundflug angeht: Ich habe mich während der Planung ausgiebig mit Flugpreisen beschäftigt für solche Rundflüge, Halldor fliegt definitiv für fast die Hälfte des Preises als es alle anderen tun – dabei ist die Flugroute sogar noch frei wählbar! Ich bin durch einen Thread im Island-Forum auf ihn aufmerksam geworden (Danke dafür noch einmal an dieser Stelle) und sollte jemand Interesse haben so gebe ich die eMail-Adresse von ihm gerne weiter.

Gute Nacht … *wink*

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