2.Tag / Thingvellir – Elliðaárdalur – Reykjavik Area

Da es ab 7 Uhr Frühstück gibt und ich heute zeitig los möchte (obwohl eigtl.nur der Thingvellir NP und danach Reykjavik auf der to-do-Liste steht) bin ich als einer der ersten im Frühstücksraum. Es gibt so ziemlich alles was das Herz begehrt, da könnte sich so manch ein Hotel mal eine Scheibe (Wurst) von abschneiden. Gut gesättigt und mit einer Handvoll Obst in den Taschen mache ich mich also auf den Weg zum ältesten Nationalpark Islands … dem Thingsvellir NP oder auf Pingvellir NP. Die Fahrt dorthin dauert keine Stunde und dank Navigon finde ich auch problemlos aus Reykjavik heraus … man liest des Öfteren in Berichten das es da mangels Beschilderung wohl einige Probleme geben soll. Nachvollziehen kann ich es ehrlich gesagt nicht wirklich, selbst ohne Navi wäre ich wohl fehlerfrei am Ziel angekommen. Was einem sofort auffällt wenn man sich ihn Reykjavik mit dem Auto fortbewegt … der Begriff Kreisverkehr muss hier neu erfunden werden, nirgendwo habe ich sie bisher so geballt zu Gesicht bekommen wie hier. Ich persönlich finde das gut, schade das in Deutschland das ganze eher schleppend vorrangeht wenn eine unfallgefährdete Kreuzung zu einem Kreisverkehr umfunktioniert werden soll. Aber ich schweife ab. Die Fahrt bis hin zum National Park geht recht zügig, keine Stunde später bin ich bereits vor Ort und komme erst einmal an einem Art Steinmännchensammelareal vorbei, jeder der öfters mal wandern geht kennt die von Hand gestapelten Steinhäufchen … meistens dienen sie dazu die Orientierung nicht zu verlieren und markieren einen Trail, warum hier eine ganze Großfamilie von ihnen mitten im Nirgendwo steht … ich weiss es ehrlich gesagt nicht *grübel*

 

Steinmännchenansammlung bei Pingvellir

 

Bereits jetzt bekomme ich einen ersten Eindruck davon wie schnell sich die äußeren Gegebenheiten hier ändern können, denn noch während ich hier umherschwofe und versuche einige brauchbare Fotos zu knipsen ändert sich das Wetter schlagartig …

 

Steinmaennchen Nähe Thingvellir

 

Nur wenige Kilometer hinter diesem Fleckchen hier erreicht man schließlich das Visitor Center des National Parks Thingvellir … oftmals ist die Schreibweise in Reiseberichten aber auch Þingvellir. Sofort muss man sich umgewöhnen, denn im Vergleich zu den sonstigen Urlauben zum Beispiel in den USA wird hier niemals Eintritt für irgendwelche Sehenswürdigkeiten in der Natur verlangt. Glaubt man zwar nicht, ist aber so. Obwohl es noch relativ früh ist meinem Empfinden nach tummeln sich hier bereits die ersten Reisebusse … wunderbar, genau DAS wollte ich eigentlich vermeiden. Nützt aber nun nichts, ich stürze mich also ins Gewühl und sauge die ersten Eindrücke auf. Wow!

 

Scenic Point am Visitor Center Thingvellir

 

Unten kann man mit etwas Augenknibbelei die Kirche sehen, da will ich als nächstes hin.

 

Kirche in einiger Entfernung

 

Um dorthin zu kommen muss ich quasi zwischen den Kontinenten wandeln, den hier im Park treffen die amerikanische und die eurasische tektonische Platte aufeinander. Auf deutsch heißt das, ab und an rumpelt es hier schon mal … nichts Ungewöhnliches, zumal rund um den See Þingvallavatn (welcher sich ebenfalls im National Park befindet) vier mehr oder weniger aktive Vulkansysteme liegen. Aber wir sind ja hier auf Island, da ist das nichts Besonderes. 1 bis 2 cm pro Jahr entfernen sich die Platten voneinander, das würde also heißen in 5 Millionen Jahren ist hier ein Loch – oder so ähnlich, nichts genaues weiß man nicht und solange warten will ich auch nicht. So wandele ich andächtig durch die Allmännerschlucht und wundere mich wieso hier alleine bin … oben standen mindestens drei Reisebusse. Naja, es könnte schlimmer sein.

 

Kirche in einiger Entfernung

 

Wer zu bequem ist hier durch die Gegend zu stromern der kann sich auch einfach in sein Auto setzen und zur Kirche fahren. Dort, genau wie am Wasserfall Öxarárfoss, befinden sich gut ausgebaute Parkplätze. Da ich aber nicht in Eile bin mache ich logischerweise alles zu Fuß und bewege mich nun langsam in Richtung Kirche … oder auch Kirkja, wie man es hier immer wieder bei Kirchen auf den Schildern lesen kann. Das war übrigens mit eines der ersten Wörter für mich welches ich in dieser recht haarsträubenden Sprache logisch zuordnen konnte. Kirkja = Kirche. Genauso wie „Foss“ immer für einen Wasserfall steht. Handelt es sich um mehrere Wasserfälle wird daraus einfach „Fossar“. Aber das nur am Rande. Ich bewege mich also gemütlich in Richtung Kirkja …

 

Thingvellir Kirche

 

Eigentlicher Grund für mich war aber nicht die Kirche sondern der Friedhof, von dem ich im Vorfeld einige Bilder gesehen hatte. Ich hab es bisher immer vermieden von solchen Orten Fotos zu machen, ich hätte mir nicht im Traum jemals ausgemalt das ich nach diesem Urlaub fast schon zu einem Friedhofs-Fan mutiere. Sachen gibt’s …

 

Thingvellir Friedhof

 

Inzwischen hat es leicht angefangen zu tröpfeln … dabei sah es vorhin noch so aus als wenn die Sonne rauskommen würde, Pustekuchen. Stattdessen schauert es schön vor sich hin und ich nutze die Kirche um mich unterzustellen.

 

Die Kirche von innen

 

Da stehe ich also nun … und sitze die Situation aus. Nicht wirklich spannend für einen Reisebericht, deswegen gibt es jetzt noch ein bisschen Wiki-Wissensvermittlung damit du auch was gelernt hast am Ende des Berichtes. Der National Park hat eine große historische Bedeutung für Island, denn hier wurde bereits um das Jahr 930 von den damaligen Wikingern (Erinnerungsflash an meine Kindheit … Hey, hey Wicki) immer an zwei Wochen im Juni die traditionelle gesetzgebende Versammlung Alþing abgehalten. Sie hatte sowohl gesetzgeberische als auch Gerichtsbarkeits-Funktionen. Es handelt sich um eines der ältesten Parlamente der Welt – nach denen in Griechenland und im Römischen Reich der Antike. Es bestand bis ins Jahr 1798, als die Dänen das Alþing auflösten.

 

Das war’s, der Regen hat aufgehört. Nachdem nun also jeder was gelernt hat geht es rüber zum Öxarárfoss. Wer eben aufgepasst hat weiß, dass es sich dabei nur um einen Wasserfall handeln kann … es sollte der erste einer wahren Wasserfallorgie werden hier in Island.

 

Öxarárfoss

 

Öxarárfoss

 

Hübsch anzusehen, allerdings hat in der Zwischenzeit wieder ein fieser Nieselregen eingesetzt … nichts starkes, nur mistig nieselig halt. Ständig hat man somit ganz feine Tropfen auf der Linse, was mir nach einer Zeit gewaltig auf die Nüss….huch…den Keks geht. Was gibt’s sonst noch hier zu sehen? Silfra! Großspurig beschrieben als klarstes Wasser des Planeten und somit ein Paradies für Tauchnasen aus aller Welt. Da ich damit nichts am Hut habe bestaune ich das wirklich extrem klare Wasser nur von außen. Wer auch mal rein hüpfen möchte, der findet hier alles wissenswerte inklusiver einiger wirklich beeindruckender Unterwasserbilder.

 

Silfra

 

Silfra

 

Im Prinzip hat man danach alles sehenswerte abgearbeitet und kann sich im angrenzenden Cafe noch etwas aufwärmen und ein Käffchen trinken gehen. Oder man schaut sich im Visitor Center die dort laufenden Informationsfilme zum National Park an. Oder man lässt es einfach sein und fährt weiter.

Ich habe mich im Vorfeld gefragt wieviel Zeit ich für den Park einplanen muss und da ich wirklich nirgendwo brauchbare Angaben darüber im Internet gefunden habe freue ich mich quasi der erste zu sein der etwas dazu schreibt. Ohne Tauchaufenthalt, mit Wasserfall, Kirche, Silfra, Pipipause und noch etwas umherlaufen in der Almannagja-Schlucht (hier gibt es vereinzelt noch Trampelpfade zu entdecken) würde ich mal circa 2.5 Stunden einplanen. Das sollte mehr als ausreichend sein. Eine kurze Karte gibt es auch noch, damit man mal eine Vorstellung davon hat wovon hier überhaupt die Rede ist.

 

Karte vom Thingvellir NP

 

Die Rückfahrt nach Reykjavik verläuft eher unspektakulär, der Regen macht mir einen Strich durch irgendwelche tollen Landschaftsaufnahmen unterwegs. Dazu gibt es stellenweise keine 50m Sicht, wenn ich eines ja hasse ist es definitiv Nebel. Wozu ist der eigentlich gut ?? Bestellt hab ich den auch nicht, also geh bloß wech!!

 

Erster Stopp sollte Elliðaárdalur sein, diese grüne Oase mitten in Reykjavik habe ich durch puren Zufall zwei Tage vor der Reise noch im Internet entdeckt, es scheint kaum ein normaler Tourist zu kennen und dient in erster Linie den Einheimischen zum joggen, walken und relaxen. Mein Interesse gilt dem Kermóafoss am östlichen Ende des Naherholungsgebietes. Auf dem Weg zu Fuß dorthin zum Parkplatz öffnet der Himmel wieder mal seine Schleusen, was soll man davon heute eigentlich halten !? Am Wasserfall angekommen ist dafür absolut gar nichts los, kaum jemanden hat es heute bei diesem bescheidenen Wetter hierher verschlagen … mit Ausnahme einiger Jogger, aber die trifft man ja bei Wind und Wetter hier anscheinend. Ein erstes Bild von oben …

 

Kermoafoss im Elliðaardalur

 

Wow, das schaut ja schon mal recht vielversprechend aus. Auf dem Foto was ich im Netz vorher gefunden habe war hier alles voller Lupinen, leider bin ich dafür aber etwas spät dran im Jahr und so finde ich davon nur verblühte Überreste. Dafür entdecke ich einen recht hübschen Pilz …

 

Pilz im Elliðaardalur

 

Aber ich bin ja nicht zum Pilze suchen hier sondern um den Wasserfall abzulichten, das mache ich dann auch. Ganz nett ist eine kleine Höhle im unteren Bereich des Wasserfalls, hier ist eine kleine Grillecke eingerichtet. Das ist bestimmt ein 1A Fleckchen zum picknicken hier. Außerdem kann man links am Wasserfall noch nach oben klettern, auf etwa halber Höhe drehe ich aber um weil es mir zu rutschig wird. Ein Foto von unten muss daher genügen …

 

Elliðaardalur Kermoafoss

 

Irgendwann nervt mich das Getröpfel von oben auf die Linse und das damit verbundene ständige säubern, so das ich mich nach einiger Zeit wieder auf den Rückweg zum Auto mache. Genaue GPS-Daten vom Wasserfall sowie zum Parkplatz gibt es auf einer separaten Unterseite am Ende des Berichtes, genauso wie zu jeder anderen Location wo ich gewesen bin. Ich habe immer schön fleißig mitgeschrieben dieses Mal bzw.wusste ich diese eigentlich durch ausgiebige googlemaps-Recherche schon vorher – sonst hätte ich einiges ja gar nicht erst gefunden.

 

Nächster Stopp ist der Nauthólsvík Geothermal Beach, auch davon hatte ich im Vorfeld coole Bilder gesehen … allerdings bei strahlendem Sonnenschein *hust* Der künstlich aufgeschüttete Strand dient den Einheimischen im „Sommer“ als Treffpunkt zum gemeinsamen relaxen und baden gehen. Dem Meer wird hier nämlich warmes Wasser zugeleitet, so das man gefahrlos darin baden kann ohne Erfrierungen zu bekommen. Ein großer Hot Pot und ein Spielplatz sind ebenfalls vorhanden. Heute ist hier aber erwartungsgemäß tote Hose. Der Wind bläst zudem was das Zeug hält und macht fotografieren zu einer echten Herausforderung. So wirklich gelingen will mir daher auch nicht wirklich was.

 

Nautholsvik Geothermal Beach

 

So richtig willkommen fühle ich mich jedenfalls nicht hier, ein guter Grund schnell das Weite zu suchen und die nächsten Punkte abzuarbeiten auf der to-do-Liste. Unter anderem auch Perlan, davon gibt es allerdings nur ein einziges Bild von der Aussichtsterrasse. Im Perlan war ich als erstes oben etwas essen und habe versucht einen Überblick von oben über die Stadt zu bekommen. Recht bescheiden was man heute so sehen kann … dafür war das Baguette ganz nett und ich hab mich in den Joghurt „Skyr“ verliebt *mjammy*

 

Blick vom Perlan

Im Hintergrund kann man halbwegs gut die Hallgrimmskirkja erkennen, da will ich als nächstes hin. Parken ist dort kostenlos, man glaubt es kaum. Es ist das größte Kirchengebäude Islands und das zweithöchste Gebäude des Landes nach dem Smáratorg-Turm. Kürzlich stand sie erst noch zur Wahl des merkwürdigsten Gebäudes der Welt. Ich glaube das Voting-Team war bisher noch nicht in den Emiraten, dort ist alles weitaus merkwürdiger. Aber das ist ein anderes Thema.

 

Hallgrímskirkja

 

Anschließend wandere ich schön gemütlich durch’s Zentrum der Stadt, das Auto steht ja erst einmal lange gut auf dem Parkplatz bei der Kirche. Natürlich gehe ich auch zur Sun Voyager Statue …

 

Sun Voyager

 

… und zur Harpa, quasi dem neuen Wahrzeichen Reykjaviks. Bei der Harpa handelt es sich um ein noch recht neues Oper – und Konzerthaus, Konferenzen finden dort ebenfalls statt. Der Name wurde übrigens 2009 in einem Wettbewerb gemeinsam ausgewählt … es ist ein Frauenname und bedeutet soviel wie „Harfe“. Eigentlicher Star des Gebäudes ist aber die Fassade, entwickelt wurde sie von Olafur Eliasson – wer kennt ihn nicht !? Die Fassade besteht aus einer wabenartigen Struktur aus dichroitischem Glas, das je nach Wetter auf die wechselnden Tageslichtfarben reagiert. Dieses Farbeffektglas lässt bestimmte Wellenbereiche des Lichtes durch, andere werden reflektiert, so dass sich je nach Witterung und Blickwinkel die Farbe des Glases ändert. Da heute kaum Licht einfällt weil es so düster ist gibt es auch nicht wirklich viele Effekte zu sehen … schade eigentlich.

 

Harpa voon außen

 

In der Harpa

 

Letzter Punkt für mich heute war der Friedhof Hólavallagarður, auf diese Location habe ich mich irgendwie ganz besonders gefreut. Ich hatte wieder mal durch puren Zufall Bilder im Netz gefunden von diesem Ort mit vollkommen verwilderten und bemoosten Gräbern … das schaute echt klasse aus (sofern man das von einem Friedhof überhaupt behaupten kann). Aber was rede ich lange, schaut einfach selbst …

 

Hólavallagarður

 

Hólavallagarður

 

Hólavallagarður

 

Für diesen Ort war das Wetter fast perfekt, Sonne hätte nur einen Strich durch die fast schon märchenhafte Stimmung gemacht hier. Ich habe so etwas mit eigenen Augen noch nicht gesehen bisher … vielleicht mal in Filmen, das war’s aber dann auch schon. Petition an deutsche Friedhöfe: Lasst doch einfach mal alles verwildern, den Toten dürfte es ziemlich egal sein.

 

Hólavallagarður

 

Hólavallagarður

 

Hólavallagarður

 

Ich bin danach zwar noch zum Leuchtturm nach Nordurströnd gefahren, hier bin ich aber gar nicht erst ausgestiegen. Gefühlte Windstärke drölfundsiebzig, Regen dabei vom Feinsten … komm, geh wech. Also habe ich mich als nächstes auf die Suche nach meiner Unterkunft gemacht, und zum allerersten Mal überhaupt seit ich es benutze findet Navigon die Adresse nicht. Sie ist zwar vorhanden im System, ich stehe aber de fakto vor einer vollkommen anderen Hausnummer als ich eigentlich sollte … nämlich rund 280 Hausnummern weiter. Nach ein bisschen Sucherei und einem Telefonat mit dem Vermieter war aber schnell klar wo ich hin musste.

 

Die Location war wieder mal fast perfekt, quasi um die Ecke von der Kringlan Mall und direkt neben einem Supermarkt … was will man mehr. Der Rest des Tages ist vom geneigten Leser vermutlich daher schnell zusammengereimt. Frühstück gab es hier nicht in der AirBnB-Unterkunft, dafür hatte ich quasi eine komplette Souterrain Wohnung für mich allein und alles nötige für morgen früh habe ich im Supermarkt nebenan besorgt. Morgen geht es dann endlich „richtig“ los, alles bis jetzt war irgendwie nur zum anwärmen … ich will verdammt nochmal endlich auf den Ring! Gefahren bin ich heute im Übrigen im gesamten 198km – das kam mir ehrlich gesagt gar nicht soviel vor.

 

Wir lesen uns … *wink*

 

 

 

Karte Reykjavik

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