Reisebericht Russland

 

 

 

Auf meiner Reise durch Russland saß ich schon über zwei Tage im Zug, auf dem Weg nach Wladiwostok. Es sind nicht mehr die alten Schienen, sondern neue, über die ich näher an mein Ziel gelange. In Ulan-Ude begann der neue Weg und von da aus zweigen die Eisenbahnschienen nach Peking und in die Mongolei ab, die man mit dem bekannten Moskau-Peking-Express befahren kann.
Bisher hatte sich an der Landschaft so gut wie nichts geändert - die einzigen Pflanzen, die ab und zu in weiter Ferne erschienen, waren Laubbäume, wie es sie auch in Deutschland gibt. Entweder das, oder die weite, trockene Steppe. Besonders ins Auge gefallen ist mir, dass die Landschaft von Stunde zu Stunde dünner besiedelt war. Ganz extrem war es, als ich über 60 Minuten weit und breit kein Haus erspähen konnte. Bis auf das transsibirische Eisenbahnnetz war auch keine Spur von Infrastruktur - ich war irgendwo im Nirgendwo.
Inzwischen schien das Land unendlich, weder mein Auge, noch meine Kamera konnten diese gewaltigen Weiten erfassen. Es schien so friedlich, denn nirgendwo war auch nur ein Mensch zu sehen. Immer noch keine Zivilisation und bis zum Horizont nur Wald und Steppenlandschaft. Nichts anderes. Für mich als Deutsche war das ein Anblick, den ich so vorher noch nie genießen konnte. In solchen Momenten bemerkt man erst, wie riesig die Welt und vor allem Russland eigentlich ist. Wie gern hätte ich an so einem Ort Fuß gefasst und ein Leben begonnen. Ich hatte mich vorher schon im Internet auf russland-visum.eu über Möglichkeiten informiert, um in diesem wunderschönen Land zu Hause sein zu können, denn diese Website war schlichtweg informativ und interessant. Ich lernte auch einige Dinge über die russische Kultur, die mir bis zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt waren. So stellte sich heraus, dass das Internet mich vor meiner Reise noch eines besseren über mein Traumland Belehren konnte.

Hier im südlichen Teil von Sibirien gab es vor allem Permafrost-Böden, die nie so gut wie niemals vollkommen auftauen. In der Region von Mogotscha, ungefähr 7000km entfernt von Russlands Hauptstadt Moskau, durchläuft das Eisenbahnnetz das klimatisch härteste Gebiet. Im kältesten Monat sinken die Temperaturen hier bis auf -55° Celsius. Eine der kältesten Temperaturen, die jemals durch natürliches Vorkommen auf der Erde gemessen wurden.

Irgendwie schien es so, als sei die Eisenbahn mit der Zeit langsamer geworden. Nicht nur das, sondern auch das unbequeme Reisen mit der transsibirischen Eisenbahn machte mir langsam aber sicher zu schaffen. Jedes mal, wenn der Zug seine Geschwindigkeit verändert, ruckelt jedes Abteil unheimlich stark, was mit der Zeit unangenehm wurde.
Von Stadt zu Stadt wurden außerdem die Bahnhöfe unansehnlicher, teilweise war nicht einmal ein ordnungsgemäßer Bahnsteig vorhanden. Mit der Zivilisation europäischen Standards verschwand außerdem die Auswahl an Nahrungsmitteln. Je tiefer der Zug ins Land fuhr, umso kleiner wurde das Angebot, was vermutlich mit der geringen Nachfrage zusammenhängt.
Mein Magen knurrte immer häufiger, bis wir uns endlich der Stadt Chabarowsk näherten. Die Eisenbahn begann wieder, zu beschleunigen, und generell schien das Streckennetz neuer zu sein, denn die Fahrt wurde deutlich ruhiger. Die Landschaft blieb allerdings die selbe: Karg und relativ unspektakulär.
Mittlerweile war der Zeitunterschied zwischen meinen Freunden in Deutschland und mir enorm: Neun ganze Stunden trennten uns voneinander.

Als wir nicht mehr weit von Chabarowsk entfernt waren, überquerte der Zug über eine der längsten Brücken Russlands den Fluss Armur. Die Brücke ist unabdingbar für den Eisenbahnverkehr in Russland, weshalb sie sehr gut bewacht wird. Neben der Brücke gab es scheinbar auch einen Tunnel, durch den wir allerdings nicht fuhren. Von hier aus war auch China nicht mehr weit entfernt, und das Fernweh packte mich erneut.
Am Bahnhof von Chabarowsk sah ich endlich wieder einige unbekannte Gesichter und der Zug füllte sich nach und nach immer mehr mit Menschen. Auch in meinem Abteil war es nun nicht mehr so ruhig, wie zuvor, denn ein paar junge Russinnen gesellten sich zu mir.
Endlich erreichte der Zug wieder seine Höchstgeschwindigkeit und ich war voller Zuversicht im Bezug auf den weiteren Verlauf der Fahrt. Ich kam schnell mit meinen neuen Mitfahrerinnen ins Gespräch und wir verstanden uns sehr gut - die russische Mentalität eben.