Nationalpark Plitwitzer Seen 2011

Freiflüge … ein Wort, was sich noch nicht so oft in unser Leben verirrt hat. Kroatien … ein Land, was sich auch nicht wirklich in die Urlaubsplanung geschlichen hatte bisher. Ich war zwar irgendwann schon einmal dort, das war aber noch während meiner Ausbildung früher. Poreč (an der Westküste von Istrien) hiess damals das Kaff in dem wir eine Woche verbracht haben … oder besser gesagt, verbringen MUSSTEN. Für die Schönheit der Natur hatte ich seinerzeit noch nicht wirklich etwas übrig. Mittlerweile hat sich diesbezüglich ja einiges geändert und Kroatien steht schon seit längerem auf meiner ganz persönlichen Wunschliste. Hauptsächlich wegen dem Nationalpark Plitwitzer Seen, oder auch Nacionalni park Plitvička jezera wie es in Landessprache heisst. Seitdem ich irgendwann einmal Bilder davon entdeckt hatte war ich fasziniert von diesem Ort! Dabei kennt ihn vermutlich fast jeder – ohne es eigentlich zu wissen. Viele Karl May-Verfilmungen spielen nämlich hier, so zum Beispiel Winnetou und der Schatz am Silbersee.

Als nun zum Jahresende 2010 einige Meilen bei AirBerlin zu verfallen drohten und der Kreis der Reiseziele durch die vorgegeben Entfernung recht eingeschränkt gewesen ist war schnell klar, wofür die Flüge genutzt werden würden. Eine Unterkunft war auch rasch gefunden, diese befindet sich 4km vom Parkeingang 1 mitten im Örtchen Seliste Dreznicko. So kommt es also, das wir dieses Jahr erneut einige Tage mit Wasserfällen verbracht haben.

Zur Einstimmung gibt es – wie inzwischen üblich – einem kurzen Trailer …

Solltest du Firefox benutzen und aus irgendeinem Grund das Video nicht sichtbar sein klickst du einfach hier.

Anreise
Wie kommt man eigentlich hin zu diesem Natur-Juwel in Europa? Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Anreise erfolgte in unserem Fall vom Flughafen Köln/Bonn mit Air Berlin. Drei Flughäfen werden von dort angeflogen, wir haben uns für Rijeka im Nordwesten Kroatiens entschieden. Einfacher Grund: Die Flugzeit dorthin beträgt gerade einmal 70 Minuten und von dort aus ist es kilometermässig am kürzesten mit dem Auto zu den Seen. Bei der Anreise mit dem Auto aus Deutschland findet man auf der Seite von Isa einen ganz guten Richtwert für die Reisedauer – von Wien aus sollen es noch rund 500km sein.

Der Flughafen Rijeka ist recht abenteuerlich, er ist recht klein und schwenkbare Zubringer welche an die Maschine andocken gibt es nicht. Ein – und Ausstieg erfolgen jeweils zu Fuß quer über das Rollfeld. Es gibt sage und schreiben EINEN einzigen Schalter zur Passkontrolle bei der Einreise und auch nur EIN EINZIGES Gepäckband. Gesamtlänge inkl.Kurve: geschätze 8 Meter. Es ist also alles recht überschaubar hier, denn auch Check-In Schalter gibt es ganze vier Stück an der Zahl.

Auch die Anzahl der Autovermietungen ist recht überschaubar … Europcar, Sixt und Avis – hab ich wen vergessen? Nö! Wobei nur Europcar und Sixt ein Büro hier haben. Wir hatten über billiger-mietwagen.de gebucht und als Vermieter Avis zugewiesen bekommen … und standen somit erst einmal ratlos im Raum, denn eine Avis-Filiale sucht man hier vergebens. Auf Nachfrage beim Infoschalter wurde mir dann gesagt das für Avis nur ein Kerl im weissen Hemd zuständig sei „der hier irgendwo rumschwirren muss“. Na super! Irgendwann haben wir ihn dann aber ausfindig gemacht, der Mietvertrag wurde irgendwo zwischen Tür und Angel unterschrieben, die Einweisung am Auto hat ausführliche zwei Sekunden gedauert und der Kerl war genauso schnell verschwunden wie er aufgetaucht ist. Vielleicht war es ein Jeanny? Puff, da bin ich wenn du an der Flasche reibst, schwupps … bin ich wieder weg.

Die Weiterfahrt mit dem Auto von Rijeka ist relativ problemlos, teilweise zieht sich der Weg allerdings da man sich über altertümliche und kurvige Gebirgsstrassen fortbewegt. Zwei Varianten gibt es, entweder „unten rum“ die Küste entlang via Senj und Brinje (dieser Weg besteht fast komplett aus Landstrassen), oder aber über die Autobahnen A6 und A1 und weiter über Land via Plaski und Saborsko. Beide Varianten sind kilometermässig fast gleich lang, wir haben uns sowohl bei der Anreise als auch bei der Abreise für Möglichkeit 2 entschieden und die Interstate … äh, sry … die Autobahn benutzt. Bedenken sollte man hierbei das dafür eine Maut fällig wird, in Kroatien funktioniert dies allerdings etwas anders als beispielsweise in den USA. Fährt man AUF die Autobahn drückt man eine Knopf und zieht sich ein Ticket. Verlässt man die Autobahn später wieder zeigt man dieses Ticket vor und bezahlt für die zurückgelegte Strecke. Für den Teilabschnitt auf der A6/A1 den wir gefahren sind wurden somit 42 KUNA fällig, dass sind umgerechnet etwas unter 6 EURO. Merken kann man sich hier bei der Umrechnung in etwa 1:7, also 7 KUNA sind ungefähr 1 EURO.

Anfahrt von Rijeka

Bei der oben dargestellten Anreise fährt man teilweise noch an Ortschaften vorbei die einen um Jahre zurück zu Zeiten des Bosnischen Krieges versetzen. Oft sieht man noch abbruchreife Häuser und Ruinen mit Einschusslöchern an der Häuserfront. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, mit dem Auto liegen bleiben möchte man an einigen Orten glaube ich trotzdem nicht wirklich.

Lage

Die Seen liegen im Prinzip unmitelbar an der Verbindungsstraße N1 von Zagreb nach Split, genau zwischen dem Mala Kapela Massiv und dem Pljesevica Gebirge. Geographisch gesehen und durch die „merkwürdige“ Grenzstruktur Kroatiens könnte man auch sagen sie liegen UNGEFÄHR in der Mitte des Landes. Durch diese recht zentrale Lage werden die Seen jedes Jahr von mehr als 1 Millionen Besuchern – man muss es leider fast so ausdrücken – heimgesucht.
Lage der Plitwitzer Seen
Was die Besucher bzw.Nationalitäten im Park angeht ist so ziemlich alles vertreten was wir auch auf vielen anderen Reisen fürchten und lieben gelernt haben. Anscheinend hat es sich inzwischen selbst bis nach Asien herumgesprochen das es sich im Urlaub lohnt hierher einen Abstecher zu machen wenn man noch 2 Stunden Zeit übrig hat auf der „Europa-in-7-Tagen-Rundreise“. So hat man im Park dann mit allerlei Reisegruppen aus zahlreichen Bussen zu „kämpfen“ die man bereits oben auf den Parkplätzen stehen sieht. Immer hübsch angeführt von einem Reiseleiter der ein Schirmchen in die Höhe hält damit er nicht verloren geht. Führt man sich vor Augen, das es im Park selber über weite Strecken nur enge Holzstege von etwas über einem Meter Breite zum Fortbewegen gibt, kann man sich leicht vorstellen dass es nicht immer wirklich Spaß macht hier herum zu wandern.

An Land sind die Stege noch recht "ungefährlich" ...

... aber es geht auch über's Wasser!

Bevor man überhaupt in den Park hinein geht heisst es aber erst einmal an einem der zwei bekannten Parkplätze zu parken und sich Eintrittskarten zu besorgen. 110 KUNA p.Person werden dafür fällig, besorgt man sich – wie wir – Karten für zwei aufeinanderfolgende Tage bezahlt man dafür 180 KUNA. Wohnt man in einem der drei Hotels IM Nationalpark (Hotels Jezero, Plitvice oder Bellevue) kann man sich die Eintrittskarte für einen dritten Tag kostenlos abzeichnen lassen. Für’s parken selbst wird ebenfalls eine geringen Gebühr fällig, 7 KUNA/Std. werden dafür berechnet (od.maximal 70 KUNA am Tag). In der Nebensaison können die Preise niedriger sein.

Damit man weiss wo im Park sich überhaupt WAS befindet gibt es hier im Anschluss eine Übersichtskarte. Es ist die beste wie ich finde und auch überall im Park neben einigen Infotafeln zu finden … Zugegeben, die Orientierung fällt am Anfang nicht ganz leicht und ich selber habe – trotz ausgiebiger Recherche vorher – irgendwie keine richtige Vorstellung gehabt was man wie am besten machen sollte. Ist man dann vor Ort bekommt man aber recht schnell einen guten Überblick. Es gibt insgesamt drei Parkplätze und Eingänge, auf der Karte sind allerdings nur zwei davon eingezeichnet (Ulaz 1 und Ulaz 2). Der dritte Eingang (Ulaz 3) samt kostenfreien (!) Parkplatz befindet sich genau auf der gegenüberliegenden Seite der Seen, mehr dazu aber später.

Am besten nimmt man sich für die Erkundung der Seen mindestens zwei Tage Zeit, bedenkt man die An – und Abreise sollte man also eigentlich vier Tage einkalkulieren für einen Abstecher hierher. Dann hat man am ersten Tag nach der Anreise die Möglichkeit die oberen Seen zu erkunden und am zweiten Tag kann man den unteren Bereich in Angriff nehmen. Selbstverständlich lassen sich auch beide Bereiche an nur einem Tag miteinander kombinieren, ob DAS allerdings sinnvoll ist sei mal dahin gestellt. Zu wenig Zeit bleibt dann einfach um die Schönheit dieses Ortes auf sich wirken zu lassen. Außerdem hat man bei Sonnenschein eigentlich nur am Vormittag perfekte Fotobedingungen da ab dem Mittag die meisten der Wasserfälle im Gegenlicht liegen … was das für Auswirkungen auf die Bilder hat sieht man hier unten ganz gut.

Oft kämpft man mit Gegenlicht

Auf der oben angesprochenen Karte habe ich unsere beiden Tage vor Ort farblich dargestellt, dabei kennzeichnen die roten Punkte den ersten Tag an den oberen Seen und die gelben Punkte den zweiten bzw.die Wanderung an den unteren Seen … *klick mich*

Die 12 oberen Seen (Gornja jezera) unterscheiden sich im übrigen ziemlich von den „nur“ vier unteren (Donja jezera). Während die oberen allesamt in einer Dolomitsenke liegen und umgeben von Wald sind, befinden sich die unteren in einer Art Canyon. Sie sind durch den Einsturz von Höhlen entstanden, durch die das Wasser der oberen Seen dann abgeflossen ist. Verbunden sind die 16 Seen durch insgesamt fast 90 Wasserfälle! Ihre Höhen sind völlig unterschiedlich, der kleinste ist gerade einmal 3m, der höchste 78m hoch! Die Zahl 78 bei der Höhenangabe des Veliki slap variiert dabei im übrigen hier und da je nachdem bei welchen Quellen man nachliest. Zwischen 72m und 78m hab ich alle möglichen Angaben gefunden, was vielleicht auch daran liegt das der Wasserfall in der Tat in den letzten Jahrzenten einfach „gewachsen“ ist !?

Die Namen der Wasserfälle leiten sich allesamt von unterschiedlichen Legenden und Sagen ab. So kommt der See Gavanovac jezero (oder auch Gavanovo jezero) zum Beispiel zu seinem Namen, weil einer Legende nach in diesem See der Schatz des Gavanovo verschwunden ist. Der See Kozjak jezero (Kozje jezero, auf Deutsch „Ziegensee“) erhielt seinen Namen, weil der Legende nach dreißig junge Ziegen auf der Flucht vor Wölfen im Winter im See ertranken, da das Eis nicht dick genug war sie zu tragen. Oder aber der See Ciganovac jezero (der Zigeunersee) … der Legende nach sind in diesem See einige Zigeuner beim angeln ertrunken. Namensgeber des Sees Kaluderovo jezero war hingegenkeine Legende sondern ein Mönch, der früher einmal in einer Grotte über einem der Seen lebte. Man sieht, die Namen sind allesamt recht merkwürdiger Herkunft ?!

Der Name der Plitwitzer Seen selbst variiert lustigerweise sehr häufig wenn man im Internet danach recherchiert. Sowohl auf Deutsch als auch in der Landessprache sind die merkwürdigsten Varianten im Umlauf. Von Plitzwitzer Seen (man beachte das Z vorne), über Plitvicer Seen und Plitvitka Lakes ist alles dabei. Noch abenteuerlicher wird es in der kroatischen Schreibweise …

Um jegliche Missverständnisse aus dem Weg zu räumen gibt es deshalb jetzt hier das offizielle Park-Schild. Damit sollte klar sein WIE der Ort nun eigentlich korrekt heisst …

Der einzig echte Name in Landessprache lautet also Nacionalni parkovi Hrvatske Plitvička jezera. Klar soweit? Alles ganz einfach also, vor allen Dingen auszusprechen.

Unterkunft

Bei der Wahl für die Unterkunft vor Ort die ist die Wahl auf die Pension Vucovic in Seliste Dreznicko gefallen. Grund dafür waren die durchweg guten Bewertungen auf booking.com und das Preis/Leistungsverhältnis. Zudem gibt es gratis WLAN! Frühstück ist zwar hier nicht inklusive, in Laufweite ist aber ein kleiner Supermarkt wo man alles nötige besorgen kann. Nebenan befindet sich das Restaurant Winnetou (der Name ist sicherlich nur Zufall an diesem Ort), Abendessen lässt sich problemlos von dort mit rüber in die eigene Pension nehmen oder (so haben wir es gemacht) einfach im Garten essen. Die Preise für eine proppevollen Hauptgang bewegen sich dabei um die 10€ …

 

Pension Vucovic, N.14 Seleste Dreznicko

 

Pension Vucovic, N.14 Seleste Dreznicko

 

An gastfreundlichkeit sind die Eigentümer auch kaum zu überbieten, jeder Wunsch wurde einem quasi von den Lippen abgelesen bevor er ausgesprochen gewesen ist und zum abendlichen selbstgebrannten Schlummertrunk wird man auch immer eingeladen *burps* Eine gute Ausgangslage für scharfe Fotos also … *grins*

 

Im weiteren Verlauf habe ich mich bei diesem Bericht wieder für die Variante der Non-Chronologie entschieden (welche tolle Wortkreation), da es vermutlich einfacher sein dürfte einen Gesamteindruck zu vermitteln als zweieinhalb Tage vor Ort so niederzuschreiben wie sie stattgefunden haben. Der Bericht unterteilt sich deshalb einmal in die oberen und einmal in die unteren Seen, gefolgt von ein paar nützlichen Links und einer 3D-Bildergalerie.

Die oberen Seen (Gornja jezera)

Im folgenden beschreibe ich dann als erstes einen Rundgang um die oberen Seen, angefangen bei der Fahrt mit dem Pendelbus von der Haltestelle SP2 (dazu parkt man bei Parkplatz 2) zur letztmöglichen Haltestelle SP3. Interessanterweise wurden wir zu keinem Zeitpunkt kontrolliert ob wir überhaupt eine Eintrittskarte gelöst hatten. Theoretisch hätten wir also parken und in den Pendelbus steigen können ohne überhaupt bezahlt zu haben. Entgegen einiger Meinungen, das es am schönsten sei die Seen von unten nach oben zu laufen (weil man dann immer auf die Wasserfälle zu läuft) entscheiden wir uns für die genau entgegen gesetzte Variante. Wir fangen also oben an und arbeiten uns nach unten vor. Der für mich persönlich ausschlaggebende Grund dafür war ganz einfach: Man läuft immer bergab! Ob ich die Wasserfälle bereits von weitem sehe oder nicht ist mir ehrlich gesagt auch egal, oftmals finde ich es wesentlich schöner und spannender gar nicht zu sehen wo ich drauf zu laufe. Der Überraschungseffekt ist dann nämlich ungleich größer!

Auf der Grafik unten kann man ganz gut erkennen welchen Höhenunterschied man hier auf einer Wanderung bewältigt …

Gefälle der Seen

Auf einer Gesamtlänge von 7.2km legt man gut erkennbar circa 150 Höhenmeter zurück. Zugegeben, das klingt erst einmal nicht viel und von etlichen Wanderungen ist man sicherlich auch ganz andere Strapazen gewohnt, man darf sich allerdings nicht täuschen lassen von den relativ kleinen Zahlen. Wir waren ehrlich gesagt recht froh NICHT bergauf laufen zu müssen die ganze Zeit!

Unser Rundgang beginnt dementsprechend am Proscansko jezero, dem größten aller Seen hier. Da man diesen allerdings nur umrunden kann ohne irgendwelche Wasserfälle zu sehen schnäbeln wir diesen nur an und wandern auf den engen Holzplanken zum Okrugljak-See hinab.

Glasklares Wasser

Okrugljak-See

Bereits auf den ersten Metern staunen wir immer wieder über das glasklare Wasser in welchem sich auch zahlreiche Fische beobachten lassen, ich kann mich nicht erinnern irgendwo auf der Welt so etwas schon einmal gesehen zu haben. Die blaugrünen bis türkisen Farben kommen nicht von ungefähr, sie entstehen durch Seekreide am Wassergrund welche bei Sonnenschein das Licht bricht und somit die unglaublichsten Farben entstehen lässt. Das ganze ist sehr vereinfacht ausgedrückt, aber wozu sollte man das jetzt hier verkomplizieren !? Jeder würde wissen das ich das eh irgendwo nachlesen musste *flöt*… WAS auf jeden Fall sehr interessant ist: Durch das sehr kalkhaltige Wasser hier „wachsen“ sozusagen die Felsen. Bis zu 3cm pro Jahr können die Wasserfälle somit „größer werden“. Der Kalk sorgt nämlich für die Kalksinter-Ablagerungen und Kalktuff-Bildungen welche sich in mehreren Tausend Jahren hier gebildet haben. Das Wasser sucht sich dann an einer weichen Stelle eine neue Stelle zum abfliessen, somit variiert auch die Form der Wasserfälle immer wieder mal.

Bereits nach einigen Minuten gelangt man an die ersten Wasserfälle … einige davon liegen leider noch im Gegenlicht, andere haben die optimalen Fotobedingungen bereits hinter sich. Keine ganz leichte Aufgabe also wenn man auf der Suche nach dem optimalen Foto ist.

Im Hintergrund der erste Wasserfall am Okrugljak See ... leider noch im Gegenlicht

Kleiner Wasserfall am Okrugljak See ...

Nachdem man Teile des Okrugljak-Sees entlang gegangen ist kommt man zu einer Stelle wo sich zum ersten Mal die Besucher knubbeln und die geradezu einlädt länger hier zu verweilen. Es ist der Übergang vom Okrugljak-See zum darunter liegenden Batinovac-See. Ein Holzsteg wurde hier über ein paar Kaskaden angelegt wo das Wasser über mit Moos bewachsenen Steinen nach unten fliesst. Durch das Sonnenlicht welches sich heute durch die Baumwipfel bricht und Teile der Kaskaden aufhellt wirkt die Stimmung fast schon märchenhaft

Moos-Kaskaden

Entlang des Batinovac-Sees läuft man wieder auf Holzstegen, bis man schließlich am Ende in ein Waldstück gelangt. Viele Besucher nutzen diese Stelle um an umgekippten Baumstämmen eine erste Rast einzulegen. FAST wären wir auch in die Versuchung gekommen, haben uns aber mangels Sitzgelegenheiten entschlossen noch das Stück durch den Wald nach unten zu gehen und erst am nächsten See zu pausieren. Eine gute Wahl wie sich später herausstellen sollte, denn der schattige Wald verschafft am heutigen Tag (das Thermometer zeigt Werte von 36°C an) zum einen etwas Abkühlung, zum anderen sind ein paar Holzbänke vorhanden wenn man am Ende des Waldstückes angelangt. Ganz nebenbei ist dort die für mich persönlich fotogenste Stelle der bisherigen Wanderung … dicke Baumwurzeln ragen über wunderschöne Kaskaden, gefolgt von einem Abschnitt der fast schon anmutet wie in einem tropischen Regenwald.

WAS für eine Baumwurzel

Traumhafte Kaskaden

Das Regenwald-ähnliche Flair kommt nicht von ungefähr, die oberen Seen sind nämlich in der Tat vom letzten Urwald Europas, Čorcola Uvala, umgeben. Hätte mir das jemand vorher gesagt, ich hätte es nicht geglaubt! Er ist knapp 80ha groß und beheimatet noch echte Urwaldriesen, wie zum Beispiel 50m hohe Fichten oder Tannen mit einem Stammdurchmesser von über 1.40m. Da wir den eigentlichen Urwald nicht besucht haben gibt es brauchbarere Informationen dazu auf der Seite von Urwaldfotograf Markus Mauthe … er zählt zu den besten Naturfotografen Europas.

Urwald-Flair

Urwald-Flair

Hier an dieser Stelle machen wir eine gute Stunde Pause, viel Zeit geht dabei leider einfach für’s warten drauf. Warten auf DIE Momente wo einem mal nicht irgendein Schlumpf durch’s Bild hampelt oder meint er sei fotogener als ein Wasserfall oder Baumstumpf. Manchmal könnte ich da einfach nur k*tzen. Auch, weil zwar überall Hinweisschilder stehen das man die markierten Pfade nicht verlassen soll, sich aber sehr oft gar nicht daran gehalten wird. Ich erinnere mich noch dunkel an die Diskussion um den Blue Canyon bei Tuba City damals, das man solche Locations nicht preisgeben sollte damit nicht zuviele fotowütige Touristen den fragilen (oder heiligen) Boden dort berühren und etliche tausend Jahre Entstehung zu Nichte machen. Hier in Kroatien scheint das niemanden zu interessieren, anscheinend schwebt hier eh jeder über den Boden sobald er die markierten Wege benutzt !?

Urwald !?

Wenn ich es recht in Erinnerung habe befinden wir uns jetzt hier unten am Ende des Waldes am Galovac-See. Auch hier gibt es wieder vereinzelt ein paar Wasserfälle zu sehen … wobei viele leider einfach Jahreszeitenbedingt nur noch schmale Rinnsale sind und vor sich hin plätschern. Zur Info: Reisezeitraum war Ende August, also mitten im Sommer. Durch die wenigen stärkeren Niederschläge in den letzten Wochen/Monaten muss man das zu dieser Jahreszeit wohl leider in Kauf nehmen. Laut unserer Vermieterin in der Pension vor Ort (wie haben in Seleste Drezniko in der Persion Vucovic gewohnt) sind die besten Reisemonate aber eh Mai oder Oktober! Wäre also zu überlegen ob wir nicht DANN noch einmal … aber DAS wäre ja eine andere Geschichte *zwinker*

Wasserfall am Galovac See

Vir See

Vorbei am kleinen Vir-See (nur 5m tief) gelangt man schließlich zum Wasserfall Galovački buk, welcher sich seinen Weg nach hier vom gleichnamigen See weiter oben gebahnt hat. Der Weg führt zu erst an einem U-Turn an seiner Abbruchkante vorbei, hier knubbeln sich leider SO viele Besucher das an vernünftige Fotos nicht zu denken ist – somit entsteht folgendes Bild, geknipst mit Links (obwohl ich Rechtshänder bin) und mit ausgestrecktem Arm über die Köpfe der Leute hinweg fotografiert … es könnte schlimmer sein.

Abruchkante des Galovački buk

Der Weg führt dann im weiteren Verlauf die Felswand nach unten, kurze Zeit später sieht man den Wasserfall dann vor vorne. Leider hat die Sonne kein Einsehen und der Wasserfall liegt bereits im Schatten. Leichter Unmut mach sich in mir breit, immerhin ist gerade DAS hier einer der Wasserfälle die man ganz oft auf Bilder zu sehen bekommt wenn man Berichte von hier liest oder im TV schaut.

Galovacki buk

Nun ja, leider lässt sich das jetzt heute nicht mehr ändern und jegliche Versuche ein halbwegs brauchbares Bild zu machen scheitern zum einen – logischerweise – am Licht und zum anderen an den Menschentrauben, die sich überall so geschickt platzieren das an vernünftige Fotos kaum zu denken ist. Deshalb gibt es nicht ohne Grund hier nur eine verkleinerte Version des Wasserfalles. Wer viel bessere Bilder davon sehen möchte findet sie zu Hauf im Netz, einfach mal googeln.

Kleiner Wutausbruch zu den Menschenmassen: Wenn man sich ständig nur aufregt hier wie voll es ist, wie langweilig und das man eh ausser Wasser nichts zu sehen bekommt frage ich mich, WOZU man eigentlich hierher kommt !? Gruß an die beiden Motzschlümpfe hinter uns, die genau an DER Stelle hier meinten sich über uns auslassen zu müssen.

Ein Stückchen weiter gelangt man schließlich zum Mali Prtavac, dieser liegt zwar nicht im Gegenlicht, leider lassen sich die Besucher aber nicht so einfach wegteleportieren und somit wird auch hier jedes Foto zur Geduldsprobe. Bedenkt man, das es ungefähr Mittag war als wir hier angekommen sind und die Temperaturen jenseits der 35°C gelegen haben kann man sich also wahrlich besser Bedingungen vorstellen. Trotzdem, es macht irgendwie Spaß hier einfach nur herum zu laufen!

Mali Prtavac

Mali Prtavac

Der Mali Prtavac ist – soweit ich das beurteilen kann – DER Wasserfall der bei Isabell so toll aussieht, leider bin ich irgendwie zu blond dafür um ein ähnliche schönes Foto hinzubekommen. Jedenfalls ist es bei unserem Besuch der breiteste Wasserfall mit den meisten Einzelstrahlen (sagt man das so?) und viele Besucher versammeln sich hier genau an dieser Stelle auf dem nur wenige Meter breiten Holzsteg. Das saftige grün um diesen Wasserfall herum schaut im Winter übrigens so aus …

Wenige Meter weiter, nachdem man den Wasserfall hinter sich gelassen hat, gelangt man zu einem See der farbenmässig finde ich ganz weit vorne liegt. Ich glaube es handelt sich dabei um den Milinovo jezero, ganz sicher bin ich mir da aber nicht mehr wirklich. Er ist nur 1m tief, einige umgestürzte Bäume „verzieren“ ihn und die Farben des Wassers sind in Wirklichkeit schöner als sie auf den beiden Fotos unten aussehen *hüstel*

Kleiner Wasserfall am Milinovo jezero

Milinovo jezero

Hat man den See hinter sich gelassen gelangt man am Ende wieder zu einem fotogenen Wasserfall, auch hier scheint es für einige wieder fast schon eine Art „Sport“ zu sein den Brettersteg zu verlassen und in der Pampa herumzutrampeln um eine geeignete Position für’s Foto hinzubekommen. Anders als auf den Bildern unten sieht es aber vermutlich eh nicht … und diese sind vom Weg aus gemacht.

Da dieser Wasserfall heute ausnahmsweise einmal perfekt von den Rahmenbedingungen her ist (es herrscht zwar strahlender Sonnenschein, er selbst liegt aber gerade im Schatten) lässt sich sehr gut an einem Vergleichsfoto der Unterschied zwischen kurzer und längerer Belichtung demonstrieren … einfach mit dem Mauszeiger unten das Foto berühren.

Das Problem der längeren Belichtungszeiten wird auf einigen anderen Seiten die sich mit den Örtlichkeiten hier beschäftigen ja bereits behandelt. Die Hauptproblematik besteht ganz einfach aus den Menschenmengen die hier herumschwirren und dem damit verbundenen schwanken der Bretterstege. Auch wenn man dieses selber gar nicht wahrnimmt während des Laufens, das Stativ der Kamera verzeiht da leider kein wackeln und kein noch so kleines schwanken. Ich hatte – eigentlich auf Grund der Rückentrage – an beiden Tagen erst gar kein Stativ mitgenommen. Trotzdem habe ich natürlich versucht teilweise mit ND-Filter zu fotografieren … die Ergebnisse frei Hand sind allerdings sehr, öhm … ernüchternd. Vermutlich wäre ein Einbein eine gute Idee gewesen, evtl.probiere ich das dann beim nächsten Mal aus.

Wer übrigens noch gar keinen Plan hat WIE solche Fliesswasser-Effekte bei den Bildern entstehen, für den ist vielleicht diese Anleitung ganz brauchbar !?

Vergleichsfoto

Hat man diesen Bereich hinter sich gelassen hat man es auch FAST geschafft bis zum Bootsanleger. Vorher kommt man aber erneut an eine Stelle die an Schönheit kaum zu überbieten ist. Mehrere schmale Wasserstrahlen suchen sich ihren Weg von herabhängenden Zweigen und Ästen, teilweise tröpfelt es hier nur noch ohne das wirklich ein Wasserfall sichtbar ist – der Nachteil wenn man zur Sommersaison hierher kommt. Die Farbenpracht des Wassers entschädigt uns aber etwas.

Mit einer der schönsten Stellen der oberen Seen ...

Kristallklares und türkisfarbenes Wasser ...

... ein wunderschöner Anblick

Wäre das baden seit einigen Jahren hier nicht verboten, man käme definitiv öfter als einmal in Versuchung sich sofort die Klamotten vom Leib zu reissen und hinein zu springen. Selbst in der Karibik hab ich persönlich selten schöneres Wasser gesehen als hier bei den oberen Seen. Es ist sogar schwierig zu sagen welcher See oder welche Stelle hier am beeindruckendsten ist, irgendwie kommt immer wieder ein neues Highlight wenn man um die nächste Ecke biegt.

Auf den letzten paar Metern zum Bootsanleger am Jezero Kozjac kommt man noch an ein paar sehenswerten Kaskaden vorbei, bevor es dann auf dem Brettersteg noch einmal leicht bergab geht um man hoffentlich keine allzu lange Warteschlange hat um auf eines der Boote zu kommen.

Traumhafte Wasserkaskaden säumen den Weg

Bretterweg hinunter zum Bootsanleger

Am Bootsanleger angekommen kann man sich nun entscheiden. Entweder man fährt zurück zum Anleger P1 (von dort geht es zurück zum Parkplatz), oder aber man fährt hinüber zu P3. Dort wäre dann ein Rastplatz mit Essensmöglichkeiten und man kann weiter zu den unteren Seen gehen. Wir entscheiden uns für ersteres, denn die unteren Seen wollen wir ja erst Morgen besuchen und auch an P1 hat man die Möglichkeit etwas zu Essen.

Ein Steg wie aus dem Bilderbuch

Schlange stehen für die Überfahrt

Für alle die Spaß daran haben selber einmal mit einem Boot über den See zu fahren … man kann hier auch Ruderboote mieten.

Ruderboote

Die Preise für Essen und Getränke im Park sind alle auf einem erfreulich erschwinglichem Niveau, für zwischendurch sollte man sich aber trotzdem ausreichend Flüssigkeit mitnehmen … außer an den beiden Rastplätzen gibt es keine Verpflegung im gesamten Park – zumindest haben wir keine gesehen, obwohl uns am Eingang gesagt wurde das an diversen Stellen noch die Möglichkeit besteht Würstchen und Getränke zu kaufen. Genauso verhält es sich im übrigen mit stillen Örtchen. Still ist es hier zwar oft genug, Toiletten sind aber unterwegs ebenfalls NICHT vorhanden – bei den oberen Seen ebenso wenig wie bei den unteren … und genau DAHIN geht es jetzt auf der nächsten Seite.

Die unteren Seen (Donja jezera)

Für die unteren Seen gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen wie man sie am besten erkundet. Entweder man parkt wieder an Eingang 2 und geht hinunter zum Pendelboot. Dort setzt man dann von P1 nach P2 über, wechselt das Boot und fährt dann rüber von P2 nach P3. Von dort kann man dann wählen: Entweder man geht die unteren Seen oben herum und landet schließlich am Vidikovac Sightseeing Point (der schönste Aussichtspunkt im gesamten Park). Von dort geht es serpentinenmässig nach unten zum Fuße des höchsten Wasserfalls, dem 78m hohen veliki Slap. Jeder der früher Winnetou geschaut hat kennt die Szenerie, hier hat der Endkampf stattgefunden!

Wir haben uns jedoch für Variante 2 entschieden. Hierbei parkt man am Parkplatz 1 und geht dementsprechend auch durch Eingang 1, unmittelbar dahinter eröffnet sich einem bereits ein Blick hinunter auf die unteren Seen und auf Veliki Slap. Die Runde läuft man dann im Prinzip entgegen gesetzt zur Variante 1, der anstrengendste Teil dabei ist der Aufstieg mit etlichen U-Turns. Doch beginnen wir am Anfang, der Aussichtspunkt hinter dem Eingangsbereich.

Ausblick vom Scenic Point am Eingang 1

Durch ausreichend Schatten im unteren Bereich lässt sich aber wenigstens das ein oder andere Motiv MIT Fließwasser heranzoomen … mehr schlecht als recht zumindest.

Zugegeben, die Lichtverhältnisse am frühen Morgen sind wirklich nicht die Besten und die recht dürftigen Wasserfälle hauen einen jetzt auch nicht gleich vom Hocker wenn man hier oben an dem Punkt steht, trotzdem ist es schon ein beeindruckender Anblick. Ich denke mal es ist genau DAS was diesen Ort aber auch ausmacht – selbst jetzt im Hochsommer ist es schön, obwohl es der ungünstigste Reisezeitpunkt zu sein scheint.

Die anschließende Wanderung hinunter zu den Seen ist anfangs recht entspannend, hier und da lassen sich durch Gebüsche und Bäume erste Blicke auf Slap Plitvice bzw.Veliki Slap erhaschen …

Blick auf Slap Plitvice

Der Weg führt uns in großzügig angelegten Serpentinen hinab zum ersten Brettersteg. Überquert man diesen kann bzw.muss man sich am Ende entscheiden wie es nun weitergeht. Entweder man geht nach links, dann würde man die unteren Seen quasi bis zum Pendelboot nach oben laufen. Oder aber man geht nach rechts, dann gelangt man zu Veliki Slap und dreht dort entweder wieder um oder aber geht die scharfen U-Turns steil nach oben zur anderen Tal-Seite. Genau DAS haben wir vor.

Von dem kurzen Stück wenn man rechts abbiegt bis zum höchsten Wasserfall hier vor Ort hatte ich im Vorfeld beängstigende Bilder gesehen mit regelrechten MenschenMASSEN. Heute sah das ganze jedoch völlig anders aus, solche leeren Stege machen die Wanderung hier zu einem richtigen Genuss!

Zum Glueck ohne Stau ... das Teilstueck zum Slap Plitvice

Sobald man hinten um die Ecke biegt eröffnet sich einem der Blick auf den 78m hohen Slap Plitvice. Wie schon von weitem heute morgen zu erkennen war besteht der Wasserfall im Moment aber leider nur aus ein paar dünnen Rinnsalen … kein Vergleich dazu wenn man sich Bilder oder Bericht aus dem Frühling oder Herbst ansieht. Trotzdem scheint diese Stelle hier Anlaufpunkt Nummer 1 im gesamten Nationalpark zu sein, nirgendwo sonst versammeln sich soviele Menschen gleichzeitig – mal abgesehen von den Rastplätzen oder der Höhle.

Slap Plitvice

Durch die ganzen Menschen ist es wieder einmal nicht so ganz leicht überhaupt brauchbare Fotos zu machen. Zwar sind hier keine störenden schwankenden Bretterstege, irgendeinen Kopf von einem mit Armen rumfuchtelnden Spasskeks hat man aber immer mit vor der Linse. Es gibt deshalb eigentlich nur eine Möglichkeit – man muss ganz nach vorne bis zur Absperrung gehen. Nachteil für viele Leute an dieser Stelle: Es wird ein Weitwinkel benötigt, je kleiner desto hui! 10mm sind optimal.

Nachdem wir uns sattgesehen haben kommt der anstrengendste Teil des heutigen Tages, die Switchbacks bzw. engen U-Turns hinauf zum Canyonrand. Ein bisschen erinnern sie an die Passage mit U-Turns auf der Wanderung im Zion NP nach Angels Landing … Vorteil hier in Plitvice ist aber eindeutig das man noch fitter ist als im Zion wenn sie beginnen, denn dort hat man bereits einige Kilometer bergauf hinter sich. Oben angekommen gelangt man dann zu einem hübschen Scenic Point von welchem man einen guten Blick auf den Wasserfall hat.

Switchbacks

Blick von oben auf Slap Plitvice

An dieser Stelle gabelt sich der Weg wieder. Würde man nach links gehen folgt man dem Rim Trail entlang des Canyons, geht man nach rechts gelangt man zum schönsten Aussichtspunkt im gesamten Park, dem Vidikovac – Sightseeing Point.

Früh Morgens hat man hier allerdings noch mit Gegenlicht zu kämpfen, es war deshalb klar das wir zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal hierher zurückkommen müssen. Irgendwo hatte ich gelesen das man den Vidikovac-Point auch mit dem Auto erreichen soll bzw.in der Nähe parken kann und dann nach wenigen Metern bereits dort ist … genau zu DIESEN Punkt fahren wir dann nachmittags noch einmal. Da offenbar bei einigen Leuten Unklarheit darüber herrscht WIE man überhaupt mit dem Auto dorthin kommt (viele wissen glaube ich gar nicht das dies überhaupt möglich ist) will ich mal versuchen etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Als erstes kommt hier deshalb eine kleine Karte, die blaue Anfahrt beginnt oben am Abzweig in Seliste Dreznicko auf die Route 42 und endet quasi am Parkplatz zum Trail …

Vom Örtchen Seleste Dresnicko kommend biegt man rechts ab und fährt immer die enge Serpentinenstrasse bergauf durch ein Waldgebiet bis man an folgende Stelle unten links auf dem Foto kommt. Hier, am House Katica Bicanic, teilt sich die Strasse und man biegt vor dem grünen Haus nach links ab. Im Prinzip fährt man dann immer weiter … bis sich die Straße teilt und in der Mitte ein großen und Schatten spendender Baum erscheint. Dort parkt man sein Auto. Man kann die Stelle ganz gut daran erkennen das unmittelbar DAHINTER links eine Art kleine Holzbrücke über die Strasse führt. Würde man hier noch weiter fahren gelangt man irgendwann zu Parkplatz 3, hier könnte man theoretisch kostebnlos den Wagen abstellen. Ob das so gewollt ist weiss ich nicht, es gab aber weder einen Kassenautomaten noch eine Schranke oder ähnliches.

Unter der oben genannten Brücke befindet sich der Zufluss vom Wasserfall. Mit etwas Glück versüßen zwei junge kroatische Gitarrenspieler unter dem Schatten spendenen Baum die paar Minuten hier vor Ort. Beim überqueren der Strasse markiert nun ein schlichtes Holzschild den Beginn des kurzen Trails hinunter zum Scenic Point … zum ERSTEN Scenic Point wohlgemerkt, Gerüchten zu Folge soll es weiter unten noch einen zweiten geben – das hab ich aber selber erst beim schreiben des Berichtes in Erfahrung bringen können.

Vidikovac Scenic Point

Der eigentliche Aussichtspunkt hält jedenfalls das was man auch auf einigen Bildern im Internet so sieht … er ist einfach unbeschreiblich schön. Und obwohl so wenig Wasser vor dem untersten See den Sastavci-Hang hinunter tröpfelt, man keine Fernsicht von 30km oder mehr hat und man keinen gewaltigen Arch oder eine lustige Gruppe Hoodoos sieht fehlen einem fast die Worte. Es gibt glaube ich wenige Stellen die ähnlich Eindruck bisher auf den ganzen Reisen gemacht haben. Es ist einfach das „Gesamtpaket“ hier was stimmt, nicht nur an genau diesem Punkt sondern auch im gesamten Park! Beste Tageszeit für einen Abstecher hier zum Sightseeing Point scheint im übrigen – wie weiter oben bereits kurz angedeutet – der Nachmittag zu sein. Dann steht die Sonne so das weite Teile des Tals ausgeleuchtet sind. Bei unserem Besuch am frühen Vormitttag waren die Bedingungen bei weitem nicht so gut, größtenteils hat man mit Gegenlicht zu kämpfen und selbst trotz Sonnenblende hatte ich den ungewollten Lens Flare – Effekt auf der Linse!

Im Hintergrund kann man bei näherem hinsehen die Höhle im Fels erkennen welche bei Karl Mays‘ Schatz im Silbersee vorgekommen ist … Eine kurze Berührung mit der Maus bringt dich näher heran.
Höhle
Zu der Höhle kommen wir dann aber im weiteren Verlauf noch, jetzt gehen wir erst einmal weiter … weg vom Vidikovac Sightseeing Point und entlang des Rim Trails (zumindest nennen wir ihn einfach mal so). Menschenmassen sucht man hier oben vergeblich, anscheinend scheuen die meisten den anstrengenden Aufstieg und begnügen sich mit dem Blick von unten nach oben … wenn sie wüssten was sie verpassen

Rim Trail

Rim Trail

Rim Trail

Es ist nicht nur die fantastische Aussicht auf die unglaublichsten Farben des Wassers welche man immer wieder durch den Wald schimmern sieht, der naturbelassene Rim Trail bringt einen auch zu einem zweiten Aussichtspunkt der ebenfalls seines gleichen sucht. Ich habe keine Ahnung ob dieser Punkt überhaupt einen Namen hat, meine mich aber erinnern zu können das ich nirgendwo ein Schild oder dergleichen gesehen habe. Trotzdem muss es ein offizieller Aussichtspunkt sein da es eine kleine asphaltierte Plattform gibt und ein Gitter vor dem Abgrund schützt.

Scenic Point mit Blick auf Jezero Anovac

Scenic Point mit Blick auf Jezero Anovac

Wäre mehr Wasser vorhanden würde man vermutlich auch noch kräftigere Wasserfälle des Lanovacki Slap unten am Rand des Jezero Anovac sehen, so aber sind diese wieder recht spärlich. Bei dem großen See im Hintergrund handelt es sich übrigens wieder um den Jezero Kozjac … das ist DER See den man im Zweifelsfalle mit dem Pendelboot überquert. Nachdem wir uns hier an diesem Punkt wieder an den unglaublichen Farben der Natur sattgesehen haben, dadurch aber nicht wirklich gesättigt sind, machen wir uns wieder auf den Weg. Dieser geht im weiteren Verlauf leicht bergab, ein Anzeichen dafür das der Rastplatz bald erreicht sein muss. Wenige Minuten später sind wir dann bereits dort, es ist noch recht leer und wir suchen und ein schattiges Plätzchen unter einem der riesigen Sonnenschirme und holen uns erst einmal Kuchen und Snacks im Restaurant.

Der Rastplatz am Jezero Kozjac

Während wir hier sitzen und es uns gemütlich machen kann man quasi dabei zugucken wie es voller wird. Noch ist es zwar nicht allzu spät, trotzdem setzen immer mehr Besucher mit dem Pendelboot zu uns herüber. Trotzdem bleiben wir gut eine Stunde hier, wer weiss wann es das nächste Mal etwas zu essen gibt *hüstel*

Als wir aufbrechen ist der Rastplatz gut gefüllt, aaaaaber man würde auch jetzt noch freie Tische bekommen. Der idyllische Blick auf den vermeintlich leeren Jezero Kozjak täuscht trotzdem ein wenig …

Jezero Kozjak

… und langsam werde ich wibbelig das wir später nicht noch irgendwo im „Brettersteg-Stau“ stecken bleiben. Verlässt man den Rastplatz überquert man als erstes den See auf einem der Bretterstege und gelangt so wieder auf die gegenüber liegende Seite – eigentlich ein Glück, denn dies ist die Schattenseite. In Anbetracht der heutigen Temperaturen von wieder einmal knapp 38°C kann man darüber fast schon froh sein! Kurz bevor wir die andere Seite erreichen werfen wir noch einen Blick zurück übers Schilf zum Jezero Kozjak.

Steg mit Blick auf Jezero Kozjak

Drüben angekommen läuft man im Prinzip wieder die ganze Zeit leicht bergab, ich bin auch heute am zweiten Tag der Meinung das dies die bessere Variante ist – wobei das natürlich jeder für sich selbst entscheiden muss. Erster Anlaufpunkt ist der Bereich am Lanovacki Slap beim Jezero Anovac. Hier kann man wieder sehr gut den Leichtsinn einiger Besucher beobachten welche auf den rutschigen und mit Moos bewachsenen Steinen der Wasserkaskaden rum turnen um irgendwelche hirnrissigen Krampfbilder zu verwirklichen. Trotzdem gelingt mir aus der Hüfte heraus ein paar Fotos ohne Irre drauf zu schießen.

Lanovacki Slap

Am Lanovacki Slap

Der eigentliche kleine Wasserfall am Übergang zu Kozjak See hat zum Glück einen „unverbaubaren Blick“ wie es im Wohnungsjargon so schön heisst.

Am Lanovacki Slap

Am Lanovacki Slap

Wieder einmal beeindruckend finde ich die Farben des Wassers. Oben am Aussichtspunkt meint man noch das es hier unten unmöglich genauso aussehen kann … und dann steht man hier und es ist tatsächlich so. Und auch wenn ich mich vielleicht wiederhole – ich habe selten schöneres Wass…okay, lassen wir das *grins*

Der Weg, welcher hier auf dieser Seite die meiste Zeit bis zur Höhle ausnahmsweise mal NICHT aus Bretterstegen besteht, führt uns weiter zum nächst tiefergelegenen See … dem Jezero Novac. Hier befinden sich die kleineren Veliki-Kaskaden, die allerdings nicht minder fotogen daherkommen.

Jezero Novac

Jezero Novac

Jezero Novac

Passiert man diese Kaskaden läuft man noch einige hundert Meter entlang einer Felswand mit schönem „Spiegel“-Blick auf den See …

Spiegel-Bild

… bevor es sich langsam anfängt zu stauen – sicheres Indiz dafür das man sich langsam der Höhle nähert. Noch ein letzter leerer Blick auf die unteren Seen …

Untere Seen

… dann geht man eine enge Holztreppe hinab und befindet sich fortan wieder auf einem Brettersteg. Linke Hand würde es weiter gehen auf die andere Seite in Richtung restliche unterer Seen, rechte Hand steht man quasi erst einmal Schlange. Es geht hinauf in die Höhle Supljara pecina, der legendären Höhle vom Schatz am Silbersee. Erst aber ist einmal warten angesagt, auf den – für mein Empfinden – sehr engen Bretterstegen hier ist an ein vorankommen kaum zu denken. Erst nach ein paar Minuten lichtet sich der Andrang etwas.

Der Steg zur Höhle Supljara pecina/

Grotte Modra Pecina, die blaue Grotte

Die blaue Grotte, Modra Oecina, konnte man früher mit dem Boot befahren. Set einigen Jahren ist dies aber wohl nicht mehr möglich. Schade! Der Aufstieg in die Höhle gestaltet sich schließlich abenteuerlich, immer wieder muss man anhalten um Leute vorbei zu lassen die uns entgegenkommen.

Supljara Pecina
Irgendwie merkwürdig das es auf den Bildern immer recht leer aussieht, ich glaube der Fotograf *hust* hat immer günstige Momente erwischt … denn DAS täuscht wahrhaftig!!

Die Aussicht entschädigt aber für die lästige Kraxelei …

Die Höhle vom Schatz am Silbersee ... Supljara Pecina

Die meisten Leute kehren an dieser Stelle wieder um, auch hier verpassen sie eigentlich das Beste. Wenn man nämlich weiter nach oben geht kommt man am Rim Trail dieser Seite an (auch hier ist der Name eine Erfindung meinerseits, ich habe keine Ahnung ob der Pfad hier oben überhaupt einen Namen hat) und hat eine grandiose Aussicht auf die unteren Seen samt Holzstege! Den etwas lästige Aufstieg vergisst man ganz schnell wieder …

Aussicht auf die unteren Seen samt Holzstege

Aussicht auf die unteren Seen samt Holzstege

Man erkennt glaube ich ganz gut den leichten Andrang am Abzweig zur Höhle auf dem Bild unten …

Aussicht auf die unteren Seen samt Holzstege

Von hier aus könnte man jetzt oben nach rechts gehen in Richtung Eingang 1, man wäre dann recht schnell wieder am Parkplatz. Wir gehen aber zurück nach unten und wollen auch noch den Rest erkunden. Zurück auf dem Brettersteg kommt man erstmals wieder in die Sonne, mittlerweile ist es nach Mittag und diese brennt erbarmungslos von einem wolkenlosen Himmel herab. Kleine Kaskaden plätschern links von uns hinab in den untersten der Seen …

Kaskaden

Der untere See

… bevor man wieder auf der anderen Seite den rettenden Schatten erreicht. Entlang des Sees entschließen wir uns noch für eine kurze Rast auf einer der zahlreich vorhandenen Holzbänke, vermutlich stehen diese nicht umsonst hier an der Stelle. Da wir ja die kleine wasserdichte Kamera mit haben versuche ich mal mein Glück mit ein paar Unterwasserfotos, vielleicht kommt man ja so dem Geheimnis der tollen Farben auf die Schliche *lach* … Die Ergebnisse sind aber eher mittelprächtiger Natur.

Unterwasserbild Plitvicer Seen

Unterwasserbild Plitvicer Seen

Anscheinend sind wasserdichte Kameras in Kroatien aber noch nicht angekommen, sämtliche Touristen die an mir vorbeigehen gucken mich ungläubig an als wenn ich Schnitzel an beiden Ohren hängen habe und fragen sich vermutlich warum ich meine Kamera denn da ins Wasser halte und gerade freiwillig schrotte. Ein gewisser Schmunzeleffekt bleibt da nicht aus *grins*

Am frühen Nachmittag und nach einer letzten kurzen Rast verlassen wir schließlich den Park wieder auf die gleiche Art und Weise wie wir heute Morgen gekommen sind … über den serpentinenartig angelegten Aufstieg nach Eingang 1. Hinunter ging das irgendwie noch leichter, aber da war es ja auch noch ein paar Grad kühler. Theoretisch könnte man BEVOR man sich an den Aufstieg macht noch abbiegen und ein paar Meter in Richtung Korana Fluss laufen. Dieser Weg ist aber gesperrt, die Stege sind brüchig und zerfallen. Evtl.werden sie irgendwann wieder aufbereitet, unsere Vermieter wussten darüber aber leider nicht wirklich Bescheid. Die Ecke dort unten jenseits der Touristenpfade sieht jedenfalls recht interessant aus …

Jenseits von ...

… und WENN irgendwann die Möglichkeit besteht auch hier unten wieder weiter zu laufen könnte man theoretisch am Fluß entlang bis in den Ort zurück wandern!

Was bleibt abschließend zu sagen? Im großen und ganzen haben mir persönlich die oberen Seen besser gefallen als die unteren, obwohl letztere von den ganzen Bustouren angesteuert werden – vermutlich aber auch nur wegen der Höhle und dem großen Wasserfall. Eigentlich ist das auch gut so, denn so hat man im oberen Teil wenigstens noch ETWAS mehr Luft zwischen den Besucherströmen … wobei sich das vermutlich einfach nur besser verteilt weil die Wanderwege im gesamten länger sind.

Es war ein lohnenswerter Ausflug hierher und die Freiflüge hätten meiner Meinung nach nicht besser „investiert“ werden können. Der Nationalpark braucht sich vor keinem Park in den USA zu verstecken und ich wüsste nicht WO man in Europa überhaupt noch vergleichbare – oder zumindest ähnlich schöne – Natur vorfindet … man muss schon lange suchen glaube ich. Spontan fällt mir die niedersächsische Schweiz ein, evtl.könnte man DA ja auch mal hinfah…*ups* Aber das ist dann eine andere Geschichte 😉

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