Reisebericht USA Westküste [Joshua Tree NP - Route 66 - Grand Canyon]

 

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5.Tag (10.September 2004)

Joshua Tree NP - Route 66 - Grand Canyon

 

 

Heute sollte es endlich zum Grand Canyon weitergehen. Wie lange haben wir beide davon geträumt. Die Schlucht aller Schluchten, DAS Naturwunder schlechthin.

Früh morgens sind wir allerdings kurz hinter Palm Springs erstmal an unzähligen Windrädern vorbeigefahren, die einen über zig Meilen den Highway entlang begleiten.

Windräder bei Palm Springs

Vorbei am Örtchen 29 Palms war unser erster Zwischenstop dann der Joshua Tree NP. Den Namen kannte ich vorher eigentlich nur von dem U2-Album, komisch das die einen Park danach benennen. Ach ne, natürlich war das andersrum. Am Parkeingang kauften wir erst einmal den (zur damaligen Zeit hiess er noch so) Golden Eagle Pass für 50$. Da wir ja eh noch ein paar National-Parks vor uns hatten lohnt sich das natürlich schon.

Im Nachhinein glaube ich, dieser Park ist ein guter Einstieg wenn man bis dahin noch keine Nationalparks kennengelernt hat. Man wird nicht gleich erschlagen von ZUVIEL unglaublichen Eindrücken, die man auf die Schnelle gar nicht so richtig verarbeiten kann. Dazu kommt das es - zumindest als wir dort waren - nicht wirklich voll war. Ab und zu mal ein Auto, überall Möglichkeiten um mal kurz anzuhalten ... was will man mehr. Man kann also alles ganz relaxed angehen lassen.

Im Joshua Tree National Park

Joshuas können angeblich bis zu 12m hoch weden und gehören eigentlich zur Gattung der Agavengewächse. Nun, ganz so hoch waren die, die wir gesehen haben zwar nicht, beeindruckend war es aber trotzdem.

Irgendwo hatte ich imVorfeld mal gelesen, das es hier auch Schlangen gibt und man deshalb beim rumwandern im Park und zwischen den Bäumen bei unbefestigtem Untergrund immer besser mit den Füssen feste auf den Boden aufstampfen soll beim auftreten. Das sah zwar total bescheuert aus, schien aber zu helfen. Schlangen haben wir zumindest keine erblickt. Kein Wunder, ich wär auch abgehauen wenn ich uns gesehen hätte.

Da wir noch ein ganzes Stück an Fahrt vor uns hatten und deswegen nicht einmal komplett durch den Park durchfahren wollten sondern wieder dort rausmussten, wo wir reingefahren sind, haben wir dann irgendwann kehrt gemacht und sind wieder Richtung Parkeingang gefahren.

So sehen also die amerikanischen Nationalparks aus ... ich glaube, wir haben ein wenig Blut geleckt und können es kaum erwarten mehr zu sehen!

Mel vor einem Joshua Tree

Was kurze Zeit später folgte, war meinem Empfinden nach die absolut langweiligste Strecke die ich - zumindest bis zu diesem Zeitpunkt - jemals gefahren bin ... es gab nur Steppe und Einöde, sonst nichts. Vorbei ging es am Amboy Crater, bis wir irgendwann an der Ortschaft Amboy selbst ankamen. Plötzlich waren wir beide wieder hellwach, das lag allerdings weniger am Ort selber, der mit inzwischen angeblich nur noch 7 Einwohnern ja auch nicht wirklich so spektakulär ist. Ich hatte so eine komische weisse Markierung auf der Strasse entdeckt! Moment mal, stand da nicht ... ja aber sicher doch! Unglaublich! Wir waren plötzlich auf der Route 66! Die Strasse war zwar vorhanden auf unserer ADAC - Karte, allerdings nicht als Route 66 gekennzeichnet. Die "Mother Road" , Strasse aller Strassen, Traum aller Harleyfahrer. Plötzlich konnten wir dem ganzen wieder etwas cooles abgewinnen.

Und irgendwie war unsere Reise damit wieder um ein Highlight reicher geworden. Denn damit hatten wir beide schließlich nicht gerechnet. Es war zwar trotzdem ein langweiliger Streckenabschnitt, aber dafür bewegten wir uns auf einer lebenden Legende fort. Jedes entgegenkommende Auto war ab sofort cool, jeder Harleyfahrer bekam plötzlich eine ganz neue Bedeutung für uns. Das einzige, was mir ab und zu übel aufstossen sollte, waren die ganzen kaputten und am Strssenrand liegen gelassenen Autoreifen *schluck*

Zum Glück ist aber plattentechnisch alles gut gegangen ... diesmal wenigstens (doch dazu kommen wir noch). Irgendwann kamen wir dann an einen Bahnübergang. Man konnte ihn schon ewig lange vorher sehen und die Fahrt dorthin kam uns beiden unendlich vor. Irgendwie kamen wir einfach nicht näher. Just in dem Moment als wir dann doch endlich dort waren, fing plötzlich das Schrankensignal an zu bimmeln. Ich dacht erst, ich hätte beim überqueren was kaputt gemacht. Das die Bahnstrecke hier am Ende der Welt wirklich in Betrieb war, konnte ja keine ahnen. Naja, wir hielten dann kurz an, weil wir uns doch mal den Zug ansehen wollten, der uns solch einen Schrecken eingejagt hat.

Bahnübergang auf der Route 66
Am Strassenrand

Weiter ging es, die Strecke wurde allerdings nicht wirklich abwechslungsreicher. Ab und zu kam uns eine Gruppe Motorradfahrer entgegen, die wohl gerade alle Ihren Traum "leben". Irgendwann erreichen wir dann endlich die Interstate 40, leider war die Auffahrt in unsere Richtung jedoch wegen Asphaltarbeiten gesperrt. Ich hätte beinahe ins Lenkrad gebissen vor Enttäuschung ... bis mir die zündende Idee kam: Wieso fahren wir nicht einfach in die andere Richtung auf und drehen ganz einfach dann irgendwo? Wird schon irgendwann mal eine Möglichkeit dazu kommen ... und in der Tat kam dann plötzlich eine Art Schotterwendekreis, den ich natürlich eiskalt - trotz Verbotsschild - benutzt habe. Ich hab keine Cops gesehen, also haben die mich auch nicht gesehen ... so fuhren wir letztendlich doch noch in die richtige Richtung. Die Landschaft wurde plötzlich grüner und der Verkehr nahm natürlich auch wieder zu. Und dann hatten wir es endlich geschafft. Grand Canyon Village war erreicht , wo wir im Best Western Grand Squire Inn vorgebucht hatten. Noch beim einchecken fiel uns in der Lobby ein Tisch mit einer Frau von Papillon Helikopter auf , wo wir dann auch für den nächsten Morgen um 8 Uhr einen Rundflug über den Canyon buchten.

Cool, das wollten wir zwar EVENTUELL machen, aber das wir uns so spontan dazu entscheiden und es auch klappen würde war uns beiden vorher glaube ich nicht wirklich klar.

Jetzt aber erstmal flott auf's Zimmer und so schnell wie möglich zum South Rim fahren, wo wir dann auch bis zum Sonnenuntergang geblieben sind und uns einige Aussichtspunkte angesehen haben.

Schon ganz schön beeindruckend, wenn man am Canyonrand steht und sich das Ganze einfach nur mal genüßlich ansieht und durch den Kopf gehen lässt, WO man sich eigentlich gerade befindet. Es mögen ja Schluchten auf unserer Welt existieren, die tiefer und/oder enger sind - so grandios wie der Grand Canyon, so ehrfurchtgebietend und so berühmt ist garantiert keine zweite. Einfach unglaublich. Man selbst kommt sich irgendwie ziemlich ... unbedeutend und klein vor, wenn man hier steht.

Und irgendwie sieht es hier bei Sonnenuntergang alle paar Minuten anders aus, besonders wenn der Canyonrand im Abendrot zu glühen anfängt ist das ein beeindruckendes Schauspiel ...

Grand Canyon Sonnenuntergang

Es ist auch ganz egal, wieviel Bilder oder Fotos man sich vom Grand Canyon ansehen wird. Die Wirkung, die der Canyon auf einen selber ausübt wenn man davor steht , kann KEIN Bild der Welt wirklich wiedergeben. Es ist einfach unbeschreiblich. Irgendwann ist die Sonne dan verschwunden ... dafür kommt die Kälte. Und innerhalb weniger Minuten sinken die Temperaturen um mehrer Grad in den einstelligen Bereich.

Ein wunderschöner Abend neigt sich dem Ende. Nicht umsonst kommen über 5 Mio. Menschen jährlich hierher. Die merkt man zwar auch irgendwie wenn man hier herumläuft, sobald man die normalen Standard Scenic Views verlässt, bewegt man sich allerdings auch von der breiten Masse der Leute weg. Anscheinend ist ein Grossteil der 5 Mio.Leute auch fusskrank. Uns stört es nicht, so kann man wenigstens dem Trubel etwas entgehen.

Morgen früh ist dann der Heliflug dran, wir sind beide schon mächtig aufgeregt ...

 

Aktuelles Wetter am Grand Canyon

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