6.Tag (29.Mai 2006) Arches N.P
Heute stand also ein voller Tag im Arches National Park auf dem Programm ... bereits um kurz nach 7h waren wir am Parkeingang, da dieser sich nur 3 Meilen von Moab entfernt befindet. Ausserdem hatte ich im Vorfeld gelesen, das man möglichst früh im Park sein soll um den Besucherströmen wenigstens für kurze Zeit ein Schnippchen zu schlagen. Dazu soll man am besten ganz hinten im Park anfangen und sich nach vorne durcharbeiten. Genau SO wollten wir es dann auch machen und haben uns, bis auf einen kurzen Stopp bei der Park Avenue ...
... und beim Balanced Rock, nicht großartig lange irgendwo aufgehalten. Beides lag noch nicht wirklich in einem vernünftigen Licht, so daß wir später nochmal hier vorbeischauen wollten. Liegt ja eh genau auf dem Rückweg, ist also kein Problem. Viele Fotostopps liegen ausserdem quasi am Strassenrand, so daß man nicht großartig viel laufen muss.
Grosse Teile des Weges und der umgebenen Felsen liegen noch im Schatten, so daß es teilweise recht frisch ist. Wir haben aber beide kurze Hosen an und gehen deshalb einen Schritt schneller ... irgendwie wird uns schon warm werden. Wir sind einige hundert Meter gelaufen, als wir uns umdrehen und den ersten grossen Reisebus auf den Parkplatz fahren sehen. Ich werfe nochmal einen Blick auf die Uhr, da ich einfach nicht glauben kann, so früh bereits einen Bus hier zu sehen - aber es hilft alles nichts, anscheinend starten auch DIE immer früher. Der Tipp, von wegen "früh hier sein um den Menschenmassen zu entgehen", schien also goldrichtig zu sein. Unsere Gangart zog dann ein wenig an, schließlich wollten wir wenigstens einen kleinen Vorsprung auf die Massen haben die gleich das Feld hier entern würden. Nach knapp 15 Minuten gab es für uns dann den ersten erhabenen Moment - wir standen vor dem Landscape Arch.
Dieser Arch ist mit 92 Metern Spannweite einer der größten Bögen der Welt. Am 1. September 1991 brach ein rund 18m langes und etwas über 1m dickes Stück Felsen aus der Unterseite des Bogens heraus. Seitdem ist er an seiner dünnsten Stelle weniger als drei Meter dick . Deshalb darf man den Arch auch nicht mehr umwandern, weil es einfach zu gefährlich wäre. Er wirkt auf einen so zerbrechlich in seiner Art das man versucht ist, jedes laute Geräusch zu vermeiden um keine Vibration zu erzeugen.
Er ist nicht besonders gross, dafür eröffnet sich einem aber ein unvergesslicher Ausblick auf die La Sal Mountains wenn man oben hinter ihm steht und hindurch blickt. Ausserdem lässt sich von dort aus ein grosser Bereich des gesamten Nationalparks überblicken. Den zurückgelegten Trail, welcher zum Parkplatz führt, kann man ebenfalls von hier aus gut erkennen. Den Bogen halte ich für einen der interessantesten im gesamten Park und die Wanderung hierher zählt für mich persönlich zum absoluten Must-Do wenn man einen Besuch im Arches plant !
Wir verweilen ein wenig und freuen uns darüber, daß wir hier oben ganz alleine sind. Die Ruhe ist einfach unbeschreiblich!! Weit unten sehen wir die Leute die am Landscape Arch stehen und ihn betrachten. Von dort kann man aber auch auf den Partiton Arch schauen, also können sie uns beide jetzt oben IM Arch stehen sehen. Irgendwie ein ziemlich guter Gedanke, denn nur wenige von den Leuten dort unten werden hier oben hinkommen.
Nach gut zwanzig Minuten und vielen Fotos machen wir uns wieder auf den Weg. Als nächstes steht der Navajo Arch auf dem Plan, welcher nur knapp 0.3 Meilen Fussmarsch entfernt liegt. Ich hatte noch nirgendwo im Vorfeld ein Bild davon gesehen. Mir wurde schnell klar, warum. Er ist schlicht und ergreifend unspektakulär. Schade für ihn ...
Wenn man durch ihn hindurchgeht steht man fast in einer Art Höhle, die allerdings nach oben hin offen ist. Schwer zu beschreiben, aber es ist irgendwie ein komisches Gefühl an diesem Ort. Deshalb bleiben wir auch nicht lange und setzen unseren Marsch fort. Laut Holzschild ist es jetzt noch etwas über eine Meile bis zum Double O Arch. Dabei kam uns die zurückgelegte Strecke bis hier hin bereits viel länger vor. Das liegt aber wohl auch eindeutig am Schwierigkeitsgrad des Trails, den ich für einen der gehobeneren Sorte halte. Ständig muss man klettern und auf Felsspalten aufpassen, das ein oder andere Mal haben wir uns sogar überlegt wieder umzudrehen, weil es uns schlicht und ergreifend zu haarsträubend wurde. Aber so kurz vorm Ziel aufgeben will man ja auch nicht, also sind wir weitergegangen. Zwischendrin wird man dafür ja auch immer wieder mit einer fantastischen Natur belohnt ... wie zum Beispiel einen Blick nach Fiery Furnace.
Der Trail führt uns weiter über ein Felsplateau, welches zum Ende hin immer schmaler wird. Ein paar Stufen sind in den Stein gemeisselt worden, sonst wäre hier wahrscheinlich Ende unserer Reise gewesen. Wir klettern hinunter, vom Double O Arch ist aber immer noch weit und breit nichts zu sehen. Hätten wir beide gewußt, WAS das hier hoch für ein Trail ist, wir wären vermutlich unten geblieben. Aber was soll's, der Tag ist noch jung und wir sind es auch - also weiter geht's ... ... über Stock und Stein, bis wir letztendlich dann DOCH noch den Arch erreichen!
Ich hoffe, man kann die zwei übereinanderliegenden, O-förmigen Arches überhaupt halbwegs gut erkennen !? Bedauerlicherweise sind wir nicht die einzigen Gäste hier, aber das tut unserer Freude über das erreichen des Ziels keinen Abbruch. Knapp 2 Stunden haben wir jetzt bis hier hin gebraucht. Theoretisch könnten wir jetzt auch noch weiter gehen zum Private Arch, das liegt aber nicht in unserer Absicht.
Beim Landscape Arch machen wir nocheinmal kurz Halt, dieser Naturbogen ist ganz einfach ZU beeindruckend um einfach so daran vorbeizugehen. Mittlerweile ist es deutlich voller geworden, ganze Horden Touristen bevölkern den Wanderweg zum ihm ... trotzdem wäre eine freie Sicht auf den Bogen und ein menschenfreies Foto jederzeit möglich. Zurück am Trailanfang sind wir erst einmal froh über das dortige Plumpsklo. Der Parkplatz ist inzwischen rappelvoll und wir verlassen Devils Garden und machen uns auf den Weg zum Delicate Arch Viewpoint. Dieser befindet sich knapp 2 Kilometer Luftlinie vom eigentlichen Arch entfernt. Der Parkplatz samt Viewpoint wurde vermutlich extra für DIE ganzen Touristen angelegt, welche den Trail ZUM Arch nicht in Kauf nehmen wollen. Von hier aus hat man (vorausgesetzt man hat ein Fernglas oder einen starken Zoom an seiner Kamera) einen erstaunlicherweise recht guten Blick auf den wohl schönsten Arch des gesamten Parks. Das Besondere an ihm ist nicht nur seine Grösse und die ästhetische Form, sondern auch das er völlig frei im Raum steht!
Leider hatte ich das Stativ im Auto gelassen. Da ich es heute morgen über 4 Stunden auf der Wanderung zum Double O Arch auf den Rücken geschnallt hatte, war ich eigentlich froh es mal für kurze Zeit los zu sein. Deshalb sind die Bilder auch nicht ganz so scharf wie sie sein könnten. Der traumhafte Zoom der Lumix konnte mich trotzdem mal wieder absolut begeistern. Leider sind die Bilder aber ZU verwackelt, da hilft auch der Verwacklungsschutz der Kamera nicht wirklich. Nur nochmal zur Erinnerung: Das Teil liegt 2 Kilometer weit weg !! Den eigentlichen Aufstieg zum Delicate Arch haben wir aber erst für den späten Nachmittag geplant, jetzt wollen wir erst einmal kurz zurück nach Moab und etwas vernünftiges essen gehen. Gut gestärkt machen wir uns also wenig später wieder auf den Weg in den Park, da die Sonne inzwischen höher steht und vielerorts ein besseres Licht herrscht nehmen wir uns dieses Mal auch genügend Zeit für die restlichen Sehenswürdigkeiten. Vorbei an den Three Gossips halten wir als erstes am Park Avenue Trailhead, inzwischen wird hier alles schön von der Sonne angestrahlt und es eröffnet sich ein toller Blick ...
Wir fahren weiter und erreichen wieder den Balanced Rock, der mittlerweile ebenfalls von der Sonne angestrahlt wird und majestätisch auf seinem Thron zu wackeln scheint. Um den Felsen verläuft ein 0.5 Meilen langer Trail auf welchen man ihn komplett umrunden kann.
Nach einem kurzen Aufenthalt machen wir uns auf zur Windows Section. Vorbei am Ham Rock und dem Cove Arch (fotografisch nicht auf Speicherkarte festgehalten) geht es weiter zur Parade of Elephants ... Ein Stück weiter sind uns ein paar wagemutige Kletterer aufgefallen, die einen namenlosen Felsen erklommen haben.
Am Parkplatz der Windows Section angekommen haben wir das erste Mal das Gefühl das es falsch gewesen ist morgens hinten im Park anzufangen. Es war hier dermassen voll, das es mir persönlich echt keinen Spass gemacht hat hier herum zu laufen. Das ist relativ schade, denn die beiden Windows sind schon recht beeindruckend und werden, je näher man kommt, zunehmend schöner.
Leider haben sich in der Zwischenzeit leichte Schleierwolken vor die Sonne gesetzt. Zu schade, denn so kommen die Bögen bei weitem nicht so schön rüber wie sie in Wirklichkeit sind. Wir wandern über alle möglichen der kurzen Trails, durchsteigen noch den Turret Arch und gehen dann rüber auf die andere Seite des Parkplatzes, von wo aus man zum Double Arch laufen kann.
Es wäre glaube ich wirklich besser gewesen, diesen Teil des Parks direkt am Anfang heute morgen zu machen. Denn unter dem Double Arch tummeln sich so viele Leute, das 1) an ein vernünftiges Foto gar nicht zu denken ist und 2) ich mich wirklich frage, WAS jedermann daran findet, bis ans äußerste Ende des Arches und sogar bis fast unter die Decke zu klettern. Total bekloppt! Wir haben es trotzdem geschafft, ein halbwegs menschenleeres Foto zu schiessen ...
Nachdem wir hier ausgiebig das Terrain erkundet haben machen wir uns wieder auf den Weg zum Auto. Unser letztes Etappenziel für heute stand auf dem Plan: Die Wanderung zum Delicate Arch. Der knapp 3 Meilen lange Trail (Hin - und zurück) beginnt bei der Wolfe Ranch und dauert im Schnitt gute 1 - 1,5 Stunden. Dazu kommt dann noch die Zeit, die man oben angekommen verweilt. Also 3 Stunden sollte man für diesen Abstecher schon einplanen! Da es ZUM Arch ständig nur bergauf geht, dauert der Hinweg auch etwas länger als der Rückweg. Zudem gibt es wirklich NULL Schatten, weshalb also unbedingt ausreichend Wasser und eventuell eine Kopfbedeckung mitgenommen werden sollten! Der Trail bietet zwischendurch immer wieder schöne Ausblicke in die Natur ...
Das kuriose ist, das man den Delicate Arch selbst die ganze Zeit über kein einziges Mal auch nur ansatzweise sehen kann. Erst im wirklich letzten Moment, wenn man oben angekommen ist und um die Ecke blickt, gibt er seine unglaubliche Schönheit preis.
In diesem Moment möchte man am liebsten die Zeit anhalten damit er ewig dauert. Die Anstrengung, der ganze Weg hierher - all das gerät sofort in Vergessenheit. Oft kann man lesen, dieser Anblick sei der schönste der gesamten USA ... das ist nicht übertrieben wie ich finde. Der Weg hier hoch ist ein absolutes MUSS für jeden Besucher des Parks. Wer sich nur mit dem Viewpoint in 2km Entfernung zufrieden gibt ist es selber Schuld. Den Viewpoint kann man von hier oben übrigens sehen. Genauso wie die Zufahrtstrasse zum Trailparkplatz. Theoretisch kann man den Arch also schon während der Anfahrt sehen, seine 90 Grad - Stellung zur Strasse und die Lage VOR einem Fels in dieser Blickrichtung verhindern das jedoch ganz geschickt! Vor kurzem hat es zum ersten Mal jemand riskiert, den Arch zu besteigen. Die Idioten sterben halt nicht aus! Seitdem sind die Bestimmungen verschärft worden. Zum Glück kann man trotzdem weiter ungehindert durch den Arch hindurch und an ihn herantreten. Das ist übrigens auch nicht ganz ungefährlich wie ich finde. Auf der einen Seite befindet sich ein Art "Kessel", in den es recht steil hinunter geht, auf der anderen Seite hinter dem Arch geht es ebenfalls nicht minder steil nach unten. Hier ist also Vorsicht geboten und wir müssen uns wieder einmal wundern das hier nicht öfter mal ein Unfall passiert.
Seine Maße: Spannweite 10,0 m; Lichte Höhe 13,7 m. Die kleinen Punkte unter dem Bogen sind übrigens Mel und ich ... Man kann des öfteren nachlesen, das die günstigste Zeit für Fotos der Sonnenuntergang hier oben am Arch in 1400m Höhe sei. Das ist Blödsinn meiner Meinung nach. Die Sonne ist vorher schon lange hinter einem höher gelegenen Felsen verschwunden. Ich würde zwar auch sagen das der späte Nachmittag am besten geeignet ist, allerdings wirklich auch NUR der späte Nachmittag. So zwei bis drei Stunden VOR Sonnenuntergang erscheint mir optimal. Die Bilder hier sind alle zwischen 15h und 16h entstanden, solange waren wir dort oben. Sollte man sich dennoch entschließen bis zur Dunkelheit zu bleiben darf man auch den Rückweg nicht ausser acht lassen. Hier ist es dann nämlich stockdunkel, Beleuchtung gibt es nicht. Ein Taschenlampe ist also absolute Pflicht ! Damit hatten wir Nachmittags zum Glück keine Probleme, in einer knappen Stunde waren wir zurück am Auto und haben den Park langsam aber sicher wieder verlassen. Abends gab es dann noch bei Dennys ein schön saftiges Steak zu essen, bevor wir unsere müden Füsse hochgelegt haben und beide wie ein Baby eingeschlafen sind.
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