5.Tag (23.Mai 2007) Moab - Canyonlands NP
Als der Wecker dann mitten in der Nacht wieder klingelt torkel ich schlaftrunken zum Fenster um erst einmal die Wetterlage zu checken. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge kriech ich zurück ins Bett, es ist nämlich leicht am regnen ... also wird es auch heute wieder nichts mit dem erhofften Sonnenaufgang. Tja, soll wohl anscheinend nicht sein dieses Mal. So schlafen wir noch ein wenig weiter und gehen um 7 Uhr erst frühstücken. Wir beratschlagen kurz was wir machen sollen und entschließen uns, trotzdem zum Canyonlands National Park zu fahren. Den haben wir zwar letztes Jahr ebenfalls bei schlechtem Wetter schon besucht, aber man kann ja nie wissen ... vielleicht klart es ja wirklich noch auf hinterher. Den Abzweig zum Dead Horse Point lassen wir erstmal links liegen; da wir ja evtl. noch auf ein wenig Sonne hoffen wollen wir den dann lieber auf dem Rückweg mitnehmen. Wir fahren deshalb weiter bis zum Shafer Trail Overlook ...
... und danach zum Mesa Arch, der nur von ein paar wenigen Leuten besucht wird als wir dort eintreffen.
Eine russische Familie muss anscheinend wieder zeigen wie toll sie sind und einer von ihnen klettert oben fast bis in die Mitte des Archs ... Mut und Irrsinn liegen eben dicht beinander. Gut heissen muss man sowas auf jeden Fall nicht, ich werfe ihm ein paar böse Blicke zu und wünsche mir eigentlich eine Windhose herbei in dem Moment. Dann denke ich: Vorsicht, manchmal werden Wünsche ja wahr.
Über diesen knapp 360m tiefen Krater existieren unterschiedliche Theorien über seine Entstehung; die einen sagen, er wäre durch einen Meteoriteneinschlag entstanden, die anderen sprechen von einem eingestürzten Salzstollen. Nun, wir wissen letztendlich nicht, was da vor uns liegt, einen Meteoritenkrater könnte ich mir aber durchaus in dieser Form vorstellen. Zwar etwas unsymmetrisch, aber müssen solche Einschläge immer wie mit dem Zirkel gezogen aussehen?
Man kann hier zwei Trails laufen, wir entscheiden uns nur für den kürzeren zum unteren View Point. Das der obere eine bedeutend bessere Aussicht auf diesen eigentlich recht trostlosen Flecken Erde hergibt wage ich zu bezweifeln ... ich lasse mich aber natürlich gerne auch vom Gegenteil überzeugen! Zurück am Parkplatz testet Mel erstmal wieder den Zustand der dortigen Pit Toilet. Ihrem Gesicht nach zu urteilen als sie zurückkommt ist dieses Erlebnis auch wieder zieeeemlich toll gewesen - wie immer auf solchen Toiletten Wir fahren die Stichstrasse wieder zurück ... und werden mittlerweile mit einer ziemlich bedrohlich aussehenden Wolkenfront in Richtung Grand View Point konfrontiert. Na hoffentlich bleibt es wenigstens trocken!
Wir stoppen unterwegs aber erstmal am Green River Overlook, der auch dieses Mal wieder ziemlich beeindruckend aussieht! Ausser uns sind nur noch 3 andere Leute am Scenic Point. Es ist eine kleine Gruppe Harley-Fahrer, die augenscheinlich sehr überwältigt von der Aussicht sind. Okay, bei schönem Wetter ist das hier bestimmt NOCH überwältigender, aber auch SO wirkt man als einzelner hier oben schon ziemlich klein.
Ich würd trotzdem AUCH gerne irgendwann endlich mal bei Sonnenschein vor Ort sein, aber heute ist nicht aller Tage. Schließlich erreichen wir den letzten und südlichsten Punkt in dieser Sektion des Nationalparks, den Grand View Point. Hier ist es - wie erwartet - auch am vollsten, trotzdem erwische ich noch eine Parklücke nicht allzu weit weg.
Wir gehen ein bisschen an der Abbruchkante auf und ab und suchen uns Stellen heraus, die nicht allzu überlaufen sind. Diese findet man, wenn man sich bereits auch nur ein kleines Stück vom Hauptaussichtspunkt entfernt. Dort steht gerade eine Rangering inmitten einer Menschentraube und erklärt den gespannt lauschenden Zuhörern die Entstehung dieses Canyons. In einiger Entfernung geht der Entstehungsprozess anscheinend gerade in diesem Moment weiter, dort können wir nämlich genau den Regen sehen, wie er in schönen Bindfäden gen Boden fällt. Anscheinend haben wir aber wenigstens hier an Ort und Stelle im Park Glück und es bleibt trocken heute.
Nach dem wir uns hier genug umgesehen haben machen wir uns auf den Rückweg, der Dead Horse Point State Park steht nämlich für uns noch auf dem Plan. Den haben wir letztes Mal ausgelassen, was ich damals bereits unheimlich bereut habe. Heute liegen wir aber gut in der Zeit und deshalb ist der Abstecher dorthin kein Problem. Am Visitor Center zahlen wir die 7$ Gebühr und können uns entscheiden, von hier aus zu Fuss zum Overlook zu gehen oder direkt mit dem Auto dorthin zu fahren. Da wir natürlich bequem sind fahren wir die kurze Strecke und zu unserer Freude sind wir wieder einmal fast alleine an einem Scenic Point ... zumindest waren wir das solange, bis ein Reisebus voller amerikanischer Touristen angekarrt wurde. Ab diesem Zeitpunkt war es erst einmal vorbei mit der Ruhe und wir sind immer dorthin geflüchtet wo gerade nicht so viel losgewesen ist. Hier soll ja angeblich auch die Anfangs-Sequenz von Mission Impossible 2 mit Tom Cruise gedreht worden sein. Die Suche nach der richtigen Location gestaltet sich allerdings als schwierig bis unmöglich. Da es glaube ich genügend 4:3 Bilder von dem Punkt gibt stell ich einfach mal ein Panorama hier rein ...
Ich war ja erst ein wenig skeptisch, ob der kleine Umweg und die 7$ Gebühr sich lohnen würden für (eigentlich) nur einen einzigen Aussichtspunkt. Im Nachhinein würde ich sagen JA. Wir haben es nicht bereut. Laut Reise Know-How gibt es hier im Park auch eine der schönsten Picnic-Areas des gesamten Südwestens ... das würde ich so zwar nur halb unterschreiben, die Aussicht ist aber definitiv nur schwer zu toppen - zumindest bei ein paar der Plätzen, die hier wirklich zahlreich vorhanden sind.
Morgen verlassen wir dann langsam das Gebiet der roten Steine und machen uns auf den Weg nach Denver ... Neuland für uns, dort in dieser Ecke waren wir schliesslich noch nicht. Für Corona Arch - Interessierte gibt es 2009 von uns hier etwas zu lesen ...
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