„Was? DAS Foto hast du mit der iPhone Kamera geschossen?“

Solche Sätze höre ich interessanterweise des Öfteren und Sie waren nun auch mit ein Grund dafür, einmal etwas dazu zu schreiben. Die Meinungen im Netz dazu sind mindestens genauso vielfältig wie merkwürdig. Viele haben etwas dazu zu sagen, aber nur wenige bleiben dabei objektiv. Da ich grundsätzlich immer völlig unvoreingenommen an so etwas herangehe, denke ich aber, dass ich durchaus relativ neutral ein paar Zeilen dazu schreiben kann, frei unter dem Motto:

 

Die iPhone Kamera als DSLR-Alternative auf Reisen – Sinn oder Unsinn ??

Warum ausgerechnet ein iPhone und nicht ein Samsung Galaxy, Huawei, Xiaomi oder was weiß ich nicht für ein Smartphone? Ganz einfach, ich nutze nun einmal seit dem iPhone 3gs nur diese Apple-Dinger als Handy. Zwischenzeitlich hatte ich zwar immer wieder einmal auch andere Geräte zum Testen zu Hause, letzten Endes bin ich aber Apple treu geblieben – wohl wissend, dass auch andere Handys durchaus ihre Vorteile haben.

Ich komme aber halt schlicht und ergreifend mit dem Betriebssystem iOS besser zu Recht als mit Android, das ist es eigentlich auch schon. Aber das tut ja nichts zur Sache, hier soll es schlicht und ergreifend darum gehen, ob Deine iPhone Kamera im Zweifelsfall eine DSLR oder Systemkamera ersetzen kann.

Vorab aber ein paar nackte Tatsachen und Zahlen, damit man überhaupt ansatzweise weiß welche Eigenschaften solch eine kleine Smartphone-Kamera überhaupt hat. Als Beispiel dient in diesem Fall mein betuchtes iPhone 6 plus, das ich über zwei Jahre in Benutzung hatte bis Februar 2018.

Die winzige Optik kam seinerzeit mit einer Auflösung von „nur“ 8 MP und einer Brennweite von 4,15 Millimeter daher, was einem Kleinbildäquivalent von 29 mm entsprechen würde. Damit bewegt man sich also bereits ansatzweise sogar im Weitwinkelbereich.

Die Lichtstärke ist durchgängig f/2.2 und somit höher als bei vielen teuren Objektiven. Die Kamera des iPhone 6 Plus Models war seinerzeit erstmalig zusätzlich mit einem Bildstabilisator ausgestattet – dieser fehlte beim „normalen“ 6er Model. Soweit eine grobe Übersicht über die wichtigsten Fakten.

Schon seit einigen Jahren habe ich es mir angewöhnt, parallel zur Spiegelreflex-Kamera auch immer einige Bilder mit dem iPhone zu machen. Zu Beginn eher just 4 fun und weil es halt Situationen gegeben hat, wo ich schlicht und ergreifend zu faul war für den einen Schuss jetzt wieder das ganze Kameragerödel auszupacken. Womit wir auch direkt schon beim größten Pluspunkt sind: Es ist halt einfach ungemein praktisch und klein. Handy raus, Bild gemacht, fertig. Das alles erfolgt quasi mit einem Griff in die Hosentasche.

Tolles Beispiel ist hier ein Besucher in einer Eishöhle, der erst Minuten lang sein Stativ aufgebaut hat, an der Kamera seine Einstellungen vorgenommen hat etc. Für mich war es ein „Aufwand“ von wenigen Sekunden dieses Foto von ihm zu machen, wie er ein Foto macht.

Simpler Schuss mit der iPhone Kamera in der Lightroom Icecave

Simpler Schuss mit der iPhone Kamera in der Lightroom Icecave

 

Aufgrund dieser Tatsache bin ich nach und nach dazu über gegangen dieselben Perspektiven etc. eines Motivs sowohl mit der iPhone Kamera, als auch mit der DSLR zu fotografieren. Eine sehr gute Möglichkeit, um einen identischen Blickwinkel hinterher zu erhalten, bieten sogenannte Blitzschuhadapter.

Im Prinzip sehen diese ähnlich aus wie eine Halterung wie man sie sich vorne an die Windschutzscheibe im Auto packt. Bloß das hier am unteren Ende ein kleiner Kugelkopf sitzt und sich darunter einen Adapter für den Blitzschuh der Kamera befindet. Das ist natürlich nichts wirklich Hochwertiges, es ist aber immer noch besser als freihändig auszulösen.

Durch solch einen Adapter entsteht wirklich annähernd derselbe Blickwinkel. Ein großer Vorteil hierbei ist natürlich auch, das das Handy nahezu verwacklungsfrei die Aufnahme machen kann. Wenn man es in der Hand hält kann man sich NOCH so anstrengen. Es wird niemals völlig ohne Wackler klappen.

Zwar schaut es im ersten Moment auf dem kleinen Display des Handys so aus, später am heimischen Monitor kommt aber oftmals schnell die Ernüchterung, weil eine deutliche Unschärfe auszumachen ist – und zwar eine, die nicht gewollt ist.

Diverse Apps, wie zum Beispiel Camera+ , bieten hier aber einen recht gute Lösung. Sie lösen nämlich ein Foto erst in DEM Moment aus wo das Handy gerade ruhig gehalten wird. Knackscharfe Ergebnisse sind somit kein Problem mehr.

 

 

Iphone 13 Kamera

Inzwischen hat sich einiges getan im Kamerabereich der Smartphones, so natürlich auch beim aktuellen iPhone 13. Die Pro und Pro Max Varianten dieser Serie haben komplett neue Kameras verbaut bekommen, was einem alleine schon aufgrund der deutlich größeren Linsen sofort ins Auge fällt. In den normalen iPhone 13 – Modellen hingegen steckt nun die Technik des iPhone 12 Pro und Max.

Der neue Makro-Modus über die Ultraweitlinse weiß zu begeistern und schaltet sich automatisch ein, sobald die Kamera näher als 14 cm an ein Motiv herangeführt wird.

Wichtigste Änderungen sind wohl, das der Sensor der Hauptkamera über eine größere Blende verfügt. Statt vorher f/1.6 sind es nun f/1.5. Beides ist allerdings schon enorm gut und lichtstark in meinen Augen.

Außerdem hat die Ultraweitwinkel-Kamera nun einen Autofokus spendiert bekommen. Des Weiteren ist der Zoombereich der Telekamera nun etwas größer, da der Vergrößerungsfaktor nun 3-fach beträgt (statt vorher 2,5-fach im iPhone 12 Pro Max).

Um einen kurze Übersicht zu bekommen folgen hier ein paar technische Daten der Max-Modelle vom iPhone 12 und 13. Die Unterschiede sind jeweils fett geschrieben.

iPhone 12 Pro Max:

  • Hauptkamera: 12 MP, f/1.6, 26mm, 1.7µm, dual pixel PDAF, sensor-shift OIS
  • Zoom: 12 MP, f/2.2, 65mm, 1/3.4″, 1.0µm, PDAF, OIS, 2.5x optischer Zoom
  • Ultraweitwinkel: 12 MP, f/2.4, 13mm, 120˚, 1/3.6″
  • Selfie: 12 MP, f/2.2, 23mm, 1/3.6″

iPhone 13 Pro Max:

  • Hauptkamera: 12 MP, f/1.5, 26mm, 1.9µm, dual pixel PDAF, sensor-shift OIS
  • Zoom: 12 MP, f/2.8, 77mm, PDAF, OIS, 3x optischer Zoom
  • Ultraweitwinkel: 12 MP, f/1.8, 13mm, 120˚, PDAF Autofokus
  • Selfie: 12 MP, f/2.2, 23mm, 1/3.6″

 

 

Bokeh, oh je !?

Ein beliebtes Thema was oft zu Diskussionen führt, ist immer das Bokeh, also die Qualität der Hintergrundunschärfe, wenn man etwas freistellt. Das kann entweder eine Person im Porträtmodus sein oder beispielsweise auch eine Blume auf einer Wiese.

Zwar haben die neuesten Smartphone-Generationen schon aufgeholt was die Darstellung der Unschärfe angeht, aber so wirklich „schön“ sieht das im Vergleich zu einer richtigen Kamera samt geeigneter Festbrennweite natürlich trotzdem nicht aus.

Wer nachträglich noch Hand anlegen und das Bokeh verändern möchte, der kann das mittlerweile ebenfalls machen. Die App Slør bietet die Möglichkeit, ein Foto vom Bokeh-Effekt zu lösen und diesen manuell zu manipulieren – sprich, zu verstärken oder zu verringern. Was es heutzutage nicht alles gibt *g*

Anhand dieses Beispiel-Fotos einer Sonnenblume auf einem Feld kann man glaube ich ansatzweise erahnen, was ich meine.

Bokeh bei einer Sonnenblume, aufgenommen mit der iPhone-Kamera

Bokeh bei einer Sonnenblume, aufgenommen mit der iPhone-Kamera

 

Expliziter Bokeh-Versuch mit dem iPhone 12 Pro Max an der Zeche Consol. Man sieht schön die unscharfen Lampen des Zechenturms im Hintergrund.

iPhone Bokeh Effekt

iPhone Bokeh Effekt am Diamond Beach in Island

 

 

Wenn einfach alles „passt“

Wenn ich allerdings jetzt eines festgestellt habe im Laufe der letzten Jahre, wo ich das iPhone mit auf Reisen gehabt habe, dann ist es das: WENN die Umgebungsbedingungen gut sind, reicht ein iPhone völlig aus. Dann sind auch Bildergebnisse, die man im Netz mit einer Auflösung von 1200px auf der längsten Seite durchaus präsentieren kann, keine Seltenheit mehr. Eine DSLR ist in solch „optimalen Situationen“ schlicht und ergreifend nicht zwingend nötig.

Das mögen einige vielleicht anders sehen, aber das ist nun einmal das, wovon ich inzwischen tatsächlich überzeugt bin. In solchen Momenten würde auch ein simples, blödes Smartphone reichen für die eine perfekte Aufnahme. Man kann solche Situationen nicht künstlich hervorrufen. Entweder sie geschehen einfach – oder eben nicht. Umso dankbarer lernt man dafür zu sein, wenn es einfach passiert. Zumindest geht es mir so.

Damit man weiß, wovon ich überhaupt rede, zeige ich das gerne einmal anhand eines Beispiels. Das Foto hier unten wurde mit der iPhone Kamera vom inzwischen eher betuchten Model 6+ Mitte September 2016 am Reynisdrangar in Vik gemacht. An jenem Abend gab es zur Golden Hour eine Lichtstimmung wie im Bilderbuch. Das Foto wurde freihändig, ohne Stativ und somit auch ohne Blitzschuhadapter gemacht.

Einer dieser Abende am Reynisfjara Beach, wo durch das ganz besondere Licht einfach alles passt

Einer dieser Abende am Reynisfjara Beach, wo durch das ganz besondere Licht einfach alles passt

 

Die Unterschiede zu einem DSLR-Foto sind – subjektiv betrachtet – nur marginal. Das ein paar Details verwaschen, wenn man in das Foto hinein zoomt, ja meine Güte. Das finde ich persönlich nicht weiter tragisch. Tolle Fotos müssen nicht immer perfekt sein.

Ein halbwegs hübsches Foto ist – bei den richtigen Bedingungen – also nicht wirklich Zauberei, sondern passiert fast „von alleine“. Betrachtet man sich nun den Zeitaufwand, den viele Fotografen betreiben für DIE EINE Aufnahme von einem Ort, relativieren sich meiner Meinung nach ziemlich schnell wieder einige Aaah’s und Ooooh’s, die man bei manchen Fotos leise von sich gibt, weil man sie so beeindruckend findet.

Manch einer verbringt Stunden, Tage und vielleicht sogar Jahre damit (indem er immer und immer an ein und denselben Spot zurückkehrt) in der Hoffnung auf „den perfekten Moment“ für eine Aufnahme von einer Location.

Doch wie aussagekräftig ist so ein Bild dann? Ich finde, in Prozenten ausgedrückt, sind es genau NULL! In 99,99 % aller Fälle werden endlos viele Menschen, welche dann voller Enthusiasmus zu derselben Location fahren, um dann eben solch ein geniales Foto zu machen, nämlich völlig enttäuscht sein, wenn Sie vor Ort ankommen.

Und warum? Logisch, weil die Umgebungsbedingungen eben nicht einmal annähernd so sind wie bei dem einen „perfekten“ Bild welches Sie gesehen haben. Dass der Fotograf dafür vielleicht Jahre gebraucht hat und nicht nur einen einzigen Besuch, das sehen viele nicht.

Ich erinnere mich da gerne an einen Fotografen aus Los Angeles, den ich zum Sonnenaufgang am Monument Valley an dem berühmten toten Baum getroffen habe. Ich bin mit ihm damals ins Gespräch gekommen und er erzählte mir, dass er seit 15 Jahren jedes Jahr mindestens einmal zu exakt diesem Baum kommt, um den Sonnenaufgang zu fotografieren. Immer in der Hoffnung, dass er mal einen für ihn perfekten Moment ablichten kann.

Nun, auch an diesem Morgen sollte es eher unspektakulär werden. Es gab so gut wie keine Wolken. Trotz toller Kulisse war er also wieder einmal nicht zufrieden.

Und genau DAS ist es was ich meine. Vermutlich hat auch er irgendwann einmal ein tolles Foto von einem Sonnenaufgang hier gesehen und hofft seitdem auf ein identisches Erlebnis. Nur leider scheint sich dieser Wunsch nicht so einfach zu erfüllen.

 

Im folgenden einmal ein Vergleichsfoto, aufgenommen mit einer EOS 6D und der iPhone-Kamera vom Model 6 Plus. Der Standpunkt war bei beiden identisch. Auf dem oberen Canon-Foto ist der Bildausschnitt lediglich größer, weil er mit den vollen 15 mm Weitwinkel meines Tamron 15-30 mm aufgenommen wurde. Das iPhone habe ich mittels Blitzschuhadapter auf der 6D befestigt, um so denselben Blickwinkel zu erhalten.

Arnarstapi mit der 6D

Arnarstapi mit der 6D

 

Arnarstapi ... ein schlichter iphone-Schuss

Arnarstapi … ein schlichter iPhone-Schuss

Ich finde, auch hier halten sich die Unterschiede in Grenzen. Sicherlich gibt es immer jemanden, der solch ein iPhone-Bild zerlegen, analysieren und dann über Vor- und Nachteile philosophieren kann. Ich finde, man muss allerdings auch mal die Kirche im Dorf lassen. Schaut man sich an, welchen jahrelangen Vorsprung und welche Erfahrung die großen Kamera-Hersteller haben, ist es schon erstaunlich nach welch kurzer Zeit die Smartphones überhaupt schon so weit sind brauchbare Fotos abzuliefern.

Das erste iPhone kam erst 2007 auf dem Markt und war lange davon entfernt fototechnisch auch nur ansatzweise interessant zu sein. Das ist nun gerade einmal knapp 14 Jahre her (Stand: 05/2021). Hält man sich dann noch vor Augen, wie klein die Optik eigentlich ist an solch einem Smartphone, ist das umso beeindruckender. Man kann nur ansatzweise erahnen, wo in ein paar Jahren die Reise hingehen könnte.

 

 

Langzeitbelichtungen

Ab dem iPhone 6s und iOS 11 ist es durch die Funktion „Live-Fotos“ möglich, problemlos Langzeitbelichtungen durchzuführen. Der beliebte Fließwassereffekt bei Wasserfällen ist somit ebenfalls kein Problem mehr. Solltest Du kein iOS 11 installieren möchten, erfüllen Apps wie OSnap oder Slow Shutter Cam denselben Zweck. Ein Stativ ist natürlich auch hier von Vorteil, zwingend nötig ist es aber nicht.

Der Bildausschnitt des finalen Fotos wird nämlich beschnitten und ist somit kleiner als der des sichtbaren Bildes zum Zeitpunkt der Aufnahme. Somit erzielt man auch ohne Stativ und mit lediglich einer halbwegs ruhigen Hand ganz gute Ergebnisse.

Hier unten an dem Beispiel vom Skogafoss im Süden Islands kann man gut erkennen, was ich meine glaube ich. Oben das normale, im Live-Modus aufgenommene Foto. Darunter das Ganze mit dem Effekt der Langzeitbelichtung.

Skogafoss ohne Langzeitbelichtung der iPhone Kamera

Skogafoss ohne Langzeitbelichtung der iPhone Kamera

 

Skogafoss mit Langzeit-Effekt der iPhone Kamera

Skogafoss mit Langzeit-Effekt der iPhone Kamera

 

Wie funktioniert dieser Effekt mit der Langzeitbelichtung aber nun genau?

Im Prinzip ist das ganz einfach!

  1. Das Foto muss zwingend im Live-Modus aufgenommen sein.
  2. Drei Sekunden BEVOR und 3 Sekunden NACHDEM Du den Auslöser betätigst, musst Du das iPhone in exakt derselben Position halten
  3. Nachdem Du damit fertig bist, wischst Du mit dem Finger auf dem Display von unten nach oben
  4. Es wird eine neue Zeile sichtbar, die „Effekte“ heißt. Dort kann das Foto mit drei Zusatzeffekten versehen werden: Endlosschleife, Abpraller und Langzeitbelichtung
  5. Hier wählst Du jetzt einfach die dritte Option aus und speicherst das Foto neu.
  6. Fertig!

Hinweis: Das Foto ist von nun an als Langzeitbelichtung gespeichert auf Deinem iPhone. Die ursprüngliche Aufnahme bleibt aber trotzdem im Hintergrund erhalten, ist allerdings nicht mehr sichtbar für Dich. Dieser Schritt kann aber jederzeit unter dem Punkt „Bearbeiten“ wieder rückgängig gemacht werden.

 

 

HDR-Modus

Bereits seit längerem gibt es die Möglichkeit automatisch im HDR-Modus zu fotografieren mit der original Kamera-App. Das bietet sich bei schwierigen Lichtverhältnissen geradezu an. Die Software errechnet dann automatisch aus drei Aufnahmen das bestmögliche Ergebnis, ohne das man auch nur ansatzweise Arbeit damit hätte. Während man bei DSLR & Co. meisten manuell alles einstellen muss ich solchen Situationen, nimmt einem das Smartphone also hier die Arbeit ab.

Im Gegensatz zu gängigen HDR-Aufnahmen von DSLRs wie man sie kennt, beschränkt sich das Ergebnis beim iPhone lediglich auf ein optimales Bildergebnis … und nicht auf ein künstliches Verfremden des Bildes.

Bei dem Sonnenuntergang hier habe ich einfach frontal in die untergehende Sonne fotografiert, die HDR-Automatik hat den Rest erledigt. Leider ist es nicht möglich mit dem iPhone eine Art Sonnenstern zu kreieren, dazu fehlen einfach die Lamellen eines normalen Objektivs. Aber auch diesen könnte man nachträglich natürlich noch einfügen.

Update: Seit dem iPhone 12 gelingt mit der Ultraweitwinkellinse sogar ein halbwegs brauchbarer Sonnenstern / Blendenstern. Natürlich nicht vergleichbar zu dem Ergebnis mit einem normalen Objektiv, aber immerhin ist es jetzt tatsächlich möglich.

Sonnenuntergang mit HDR Funktion des iPhone aufgenommen

Sonnenuntergang mit HDR Funktion des iPhone aufgenommen

 

 

ProRAW – Die Zukunft?

Bereits beim iPhone 7 ist im Gespräch gewesen, dass die Kamera Bilder im RAW-Format aufnehmen kann. Dies wurde dann aber vorerst wieder auf Eis gelegt. Seit iOS 14.3 liefert Apple aber nun für das iPhone 12 Pro und iPhone 12 Pro Max nicht nur RAW, sondern die Möglichkeit, Fotos in ProRAW aufzunehmen.

Bei ProRAW werden mehrere RAW-Fotos hintereinander gemacht, helle und dunkle Bereiche im Bild bereits ausgewogen bearbeitet und zu einem optimierten RAW-Foto im bekannten Rohformat DNG zusammengesetzt. Dieses lässt sich dann, wie alle bisherigen DNG-Fotos auch, beispielsweise in Lightroom bearbeiten. Die Qualität dieser ProRAW-Fotos ist gigantisch gut.

Das ProRAW-Format kombiniert quasi die Rohdaten eines Fotos mit Apples Software-Routinen, wie zB Deep Fusion oder SmartHDR. Es bietet also eine bessere Grundlage für die Bildbearbeitung. Interessant: Auch in Googles Pixel 3 wird mit Computational RAWs ein ähnlicher Ansatz verfolgt.

Mehr zu ProRAW, die Möglichkeiten und Meinungen dazu gibt es auch hier im Video.


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Lowlight-Fotos

Bisher waren die Ergebnisse im Lowlight-Bereich bei Smartphones eher suboptimal, weil sie recht pixelig wurden und starkes Rauschverhalten aufgetreten ist. Dies wurde hier inzwischen weiter verbessert.

Bereits die Lowlight-Kamera des iPhone 7+ war bereits eine klare Weiterentwicklung. Vorhandenes Rauschen wird durch die Software einfach rausgerechnet. Der eingebaute Bildstabilisator und die 1.8er Blende (welche laut Apple angeblich bis zu 50% mehr Licht einfallen lässt) sorgen zudem bereits seit längerem für wirklich gute Ergebnisse. Und durch das oben ernannte ProRAW sind die Unterschiede inzwischen wirklich enorm.

Lowlight Bildergebnis des iPhone 7 Plus

Lowlight Bildergebnis des iPhone 7 Plus

 

… zumindest so lange man nicht in das Bild hinein zoomt später mit Lightroom. Hier werden deutliche Schwächen sichtbar. Hier habe ich einfach mal in die obere linke Ecke gezoomt.

Pixelig und verwaschen beim herein zoomen

Pixelig und verwaschen beim hereinzoomen

 

Man merkt hier eindeutig noch die Schwachstelle der kleinen Optik, die für solche Situationen damals schlicht nicht ausgelegt ist,

Fun Fact: In einigen Island Urlauben habe ich häufig mitbekommen, dass Leute versuchen mit Handy oder Tablet Aufnahmen von Polarlichtern zu machen. So etwas kann natürlich nicht funktionieren – auch wenn viele vor Ort noch anderer Meinung sind.

Für ein brauchbares Foto der Aurora muss man in aller Regel zwischen 8 und 10 Sekunden belichten. Der ISO-Wert befindet sich dabei irgendwo zwischen 800 und 1600. Wie soll ein Smartphone so etwas bewerkstelligen? Dazu noch so rauscharm, das man das Bildergebnis hinterher auch wirklich gebrauchen kann? Es geht schlicht und ergreifend nicht, diese extreme Lowlight-Situation kann aktuell noch kein Handy der Welt meistern.

In meinem Artikel über Polarlichter fotografieren erkläre ich Dir, wie Du vernünftige Aufnahmen der Aurora hinbekommst.

Seit dem iPhone 11 und 12 sieht das allerdings schon wieder etwas anders aus und gerade Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen oder auch Nachtaufnahmen sind inzwischen Lichtjahre von denen mit dem iPhone 7 entfernt.

Das Foto hier unten wurde freihändig mit dem iPhone 12 Pro Max aufgenommen, knapp 30 Minuten nach Sonnenaufgang.

Das iPhone 12 Pro Max zaubert freihändig wirklich beeindruckende Fotos im Lowlight-Modus

Das iPhone 12 Pro Max zaubert freihändig wirklich beeindruckende Fotos im Lowlight-Modus

 

 

Panoramabilder

So gut wie alle Smartphones machen inzwischen hervorragende Panorama-Aufnahmen. Der Vorgang ist dabei immer identisch. Man hält das Handy waagerecht und bewegt sich dann dabei langsam im Kreis. Dabei schaut man, das man im Display innerhalb einer oberen und unteren Markierung bleibt. Alles, was darunter und darüber ist, wird automatisch beschnitten.

Das Ergebnis ist ein fertiges Panorama, welches automatisiert und bereits richtig zusammengesetzt ist. Einfacher geht es nicht, umständliches zusammenfügen der Einzelbilder am Rechner später zu Hause, wie es bei normalen Aufnahmen mit DSLRs der Fall ist, entfällt somit komplett.

Ein gutes Beispiel (Bild 1 hier unten) ist der Berg Vestrahorn im Südosten Islands. Selbst bei 15mm an Vollformat braucht es ein Panorama aus drei Einzelbildern, um ihn vernünftig abzulichten. Mit dem Smartphone ist es nur eine kleine Drehung nach rechts, fertig ist das Panorama.

Panorama mit der iPhone Kamera vom Berg Vestrahorn bei Stokksnes

Panorama mit der iPhone Kamera vom Berg Vestrahorn bei Stokksnes

 

Die ganze Schönheit des Fimmvörðuháls-Trails auf nur einem einzigen Panoramafoto

Die ganze Schönheit des Fimmvörðuháls-Trails auf nur einem einzigen Panoramafoto

 

 

Interessantes Zubehör

Mit Pictar, einem Kickstarter-Projekt, soll demnächst eine Art Griff kommen, welcher das iPhone zur Kamera umfunktioniert. Infos dazu gibt es hier. Durch eine Art Einschub kann das Telefon dann quasi wie eine normale Kamera in der Hand gehalten werden. Die Idee scheint ganz gut zu sein, ob es letzten Endes dann auch brauchbar ist und Käufer findet, bleibt abzuwarten.

 

 

Apps & Co.

Was die iPhone Kamera selbst nicht schafft, kann man mittlerweile durch einige Apps bewerkstelligen. So lässt sich beispielsweise mit der App camera+ ein Bild im mächtigen tiff-Format aufnehmen. Mit der App „Lapse It“ lassen sich Timelapse-Aufnahmen machen. Mit „MuseMage“ oder „ProCamera“ lässt sich Verschlusszeit und ISO-Wert manuell beeinflussen.

Das sind aber nur ein paar kleine Beispiele und über eines muss man sich dabei im Klaren sein: Es handelt sich lediglich um eine softwareseitige Manipulation des Bildes, die niemals qualitativ an eine echte Aufnahme herankommt. Das merkt man aber in aller Regel erst, wenn man sich die Fotos auf einem großen Monitor ansehen würde. Am Display des Handys schaut das erst einmal immer alles relativ „nett“ aus.

 

 

Beispielbilder der iPhone Kamera

Zum Abschluss kommen hier einfach mal ein paar Aufnahmen, die ich im Laufe der Zeit mit der iPhone Kamera aufgenommen habe. Ich denke, so kann man sich am besten ein Bild davon machen, wozu diese kleine Optik fähig ist. Die Fotos wurden mit Lightroom nachgeschärft und die Klarheit leicht erhöht. Das ist das, was ich mit den Aufnahmen der Alpha 7 II aber ebenfalls mache.

Solfatarenfeld Namaskard in Nordisland

Solfatarenfeld Namaskard in Nordisland

 

Erschwerte Fotobedingungen durch Sturm und Schnee

Erschwerte Fotobedingungen durch Sturm und Schnee

 

Sonnenuntergang bei Borganrnes. Im Hintergrund der Berg Hafnarfjall

Sonnenuntergang bei Borganrnes. Im Hintergrund der Berg Hafnarfjall

 

Und noch ein Sonnenuntergang in Borgarnes

Und noch ein Sonnenuntergang in Borgarnes

 

Am Diamond Beach in Island

Am Diamond Beach in Island

 

Der Eingang der Lightroom Eishöhle

Der Eingang der Lightroom Eishöhle

 

Gigantische Wolken bei Raudisandur in den Westfjorden

Gigantische Wolken bei Raudisandur in den Westfjorden

 

Sonnenblumen lassen sich mit dem iPhone besonders gut fotografieren

Sonnenblumen lassen sich mit dem iPhone besonders gut fotografieren

 

Und wieder einmal hatte ich bei diesem spontanen Sonnenuntergang nur mein iPhone dabei

Und wieder einmal hatte ich bei diesem spontanen Sonnenuntergang nur mein iPhone dabei

 

Ohne Kamera hätte ich mich hier ebenfalls geärgert

Ohne Kamera hätte ich mich hier ebenfalls geärgert

 

Ich hatte wirklich Glueck an diesem Morgen und einen tollen Sonnenaufgang bei fast voeliger Windstille erwischt

Ich hatte wirklich Glück an diesem Morgen und einen tollen Sonnenaufgang bei fast völliger Windstille erwischt

 

Ein Rapsfeld, ein Windrad, dunkle Wolken und ein Blitz ... fertig ist das Fotomotiv

Ein Rapsfeld, ein Windrad, dunkle Wolken und ein Blitz … fertig ist das Fotomotiv

 

Die wahre Schönheit liegt oftmals im Detail der Dinge, wie hier bei dieser kleinen Pusteblume

Die wahre Schönheit liegt oftmals im Detail der Dinge, wie hier bei dieser kleinen Pusteblume

 

Und hier eine etwas andere Aufnahme des Fotos hier drüber. Wenn's passt, dann passt's ... auch mit dem Handy gelingen tolle Aufnahmen

Und hier eine etwas andere Aufnahme des Fotos hier drüber. Wenn’s passt, dann passt’s … auch mit dem Handy gelingen tolle Aufnahmen

 

Ein Sonnenuntergang wie im Bilderbuch am Kap Dyrholaey in Island

Ein Sonnenuntergang wie im Bilderbuch am Kap Dyrholaey in Island

 

Mammatuswolken über dem Ruhrgebiet bei Recklinghausen sind ein recht seltener Anblick. Zum Glück ist das Handy immer dabei.

Mammatuswolken über dem Ruhrgebiet bei Recklinghausen sind ein recht seltener Anblick. Zum Glück ist das Handy immer dabei.

 

 

Persönliches Fazit zur iPhone Kamera

Um zur Eingangsfrage zurückzukommen … kann die iPhone-Kamera tatsächlich eine Alternative zur DSLR oder Systemkamera auf Reisen sein? Ich würde (Stand Januar 2021) immer noch sagen: JAIN, mit einer optimistischen Tendenz zum JA, zumindest in bestimmten Anwendungsbereichen. Die Technik schreitet schnell voran. Daher möchte ich für die Zukunft nicht komplett ausschließen, dass Smartphones „irgendwann“ einmal tatsächlich den normalen Kameras den Rang ablaufen.

Beim iPhone 11(*) steckt in allen drei Modellen zusätzlich noch eine Ultra-Weitwinkel-Kamera mit einer Brennweite von 13 mm (Blende f/2,4). Dazu kommt das normale Weitwinkel von 26 mm (Blende f/1,8). In der Pro-Variante kommt zusätzlich noch ein Tele-Objektiv mit einer Brennweite von 52 mm (Blende f2) zum Einsatz. Wieder einmal ein enormer Fortschritt, im Vergleich zum Vorgängermodell.

Wenn Du ein paar Minuten Zeit hast, dann schau Dir mal in Ruhe das Video von Matti an. Es ist zwar in englischer Sprache, aber ich glaube, darin sieht man trotzdem relativ gut die Qualität der neuen iPhone 11 Kamera.


Hinweis: Zum Einbinden dieses Videos wird WP YouTube Lyte verwendet! Dadurch wird erst NACH dem Mausklick auf das statische Vorschaubild das eigentliche Video geladen. Mehr Infos, siehe Datenschutzerklärung.

 

Unterm Strich kann man glaube ich heute schon eines festhalten: Es kommt immer auf den Anwendungsbereich und natürlich Deinen persönlichen Verwendungszweck an! Sollen Deine Fotos zum Beispiel nur im Netz ihr Dasein fristen um – wie hier – in einem Artikel oder Reisebericht zu landen? Oder möchtest Du sie verwenden, um Bilder bei Instagram, Facebook & Co hochzuladen? Dann reicht Dein iPhone vermutlich vollkommen aus!

Wenn Du aber eventuell geplant hast, das Ganze auch großformatig auszudrucken oder entwickeln zu lassen – sei es nun als Poster, Leinwanddruck oder vielleicht auch nur als Kalender – dann solltest Du lieber auf Dein Smartphone verzichten und auf eine DSLR, Systemkamera etc.pp zurückgreifen. Ebenso bei einer professionellen Entwicklung, wie zB Ausstellungen etc. Aber ich denke, das versteht sich ja eh von selbst. Für professionelle Fotografen sind Smartphones keine wirkliche Alternative und werden es vermutlich auch niemals sein.

 

„Die beste Kamera ist DIE, welche man immer dabei hat!“

In diesem abgeranzten Zitat steckt im Falle der Smartphone-Kameras sehr viel Wahrheit drin. Denn wir alle haben unser Handy heutzutage ja so gut wie immer mit dabei.

Wenn man also per Zufall unterwegs einen tollen Sonnenuntergang, ein Blumenfeld, einen fotogenen Oldtimer oder was weiß ich nicht noch alles sieht und sich wieder einmal ein klein wenig ärgert, weil die große Kamera nicht mit im Auto ist, dann kann man bedenkenlos zum Smartphone greifen finde ich. In vielen Alltagssituationen machen Smartphones heute durchaus sehr gute Fotos.

Schwieriger wird es, wenn das Licht schlecht ist oder es in Richtung Langzeitfotografie geht. Wobei letzteres schon ganz ansehnlich gelöst wurde durch die LiveView Option beim iPhone finde ich.

Ganz klar benachteiligt sind Smartphones, wenn es darum geht zu zoomen. Ein Digitalzoom kann eben niemals den rein optischen Zoom eines Objektivs ersetzen. Alleine, wenn man beispielsweise nur wenige Meter in die gegenüber liegende Ecke des Raums zoomt, in welchem man sich gerade befindet, sind die Ergebnisse mit einem Smartphone ziemlich ernüchternd.

Aber es ist vermutlich nur noch eine Frage der Zeit, bis Smartphones auch beim Zoom einen weiteren Schritt nach vorne machen – wie auch immer das aussehen wird. Ob sie DANN unter Umständen für einige Leute auf Reisen tatsächlich eine echte Alternative sein werden bleibt abzuwarten und auch zukünftig wird es wohl IMMER eine Frage des Verwendungszweckes bleiben. Eines sind Smartphones allerdings jetzt bereits: Mehr als nur eine sinnvolle und hilfreiche Ergänzung!

Wenn die großen Kamerahersteller der Welt sich weiterhin vor den softwareseitigen Lösungen und Weiterentwicklungen verschließen und diese ignorieren, wird das langfristig sicherlich noch sehr interessant werden. Ich habe im letzten Island Urlaub über 2500 Aufnahmen nur mit dem iPhone gemacht. Im krassen Gegensatz dazu keine 750 mit der Alpha 7 III. Kann man ruhig einmal drüber nachdenken.

 

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