19.Tag
Zion NP (Observation Point)
Heute ist also wandern angesagt, den langen steilen Weg zum Observation Point haben wir uns ausgesucht. Eigentlich wollten wir erst nach Angels Landing, das haben wir aber nun kurzerhand auf Morgen verschoben.
Zeitig stehen wir wieder auf und sind pünktlich vor Ort um uns mit einem der ersten Shuttle-Busse vom Visitor Center aus zur Haltestelle Weeping Rock bringen zu lassen. Im Bus sitzen gerade einmal eine handvoll Leute, nach knapp 15 Minuten erreichen wir die Haltestelle und es steigen neben uns nur noch zwei andere Wanderer aus, beide lassen wir bereits zu Beginn aber recht schnell hinter uns auf. Bereits am Anfang geht es recht ansprechend los, in steilen Serpentinen schraubt der Weg sich nach oben und man hat recht schnell eine Höhe erreicht von der man eine gute Aussicht auf das Tal hat. Dieser erste Teilabschnitt ist auch gleich recht anstrengend und manchmal hat man das Gefühl nicht vom Fleck und überhaupt gar nicht weiter zu kommen. Ungefähr nach zwei Dritteln des ersten Berges kommt rechts noch ein Abzweig zum Hidden Canyon, den klemmen wir uns aber und gehen schnurstracks weiter. Irgendwann ist man dann aber am höchsten Punkt dieses ersten Anstiegs angekommen und es geht in eine abwechslungsreiche Zauberlandschaft aus schroffen Felsen, Slotcanyons und Aussichten die ihresgleichen sucht.
Hat man den ersten Anstieg hinter sich gelassen gelangt man zum Echo Canyon, einen Bereich aus Slotcanyons und hohen Steilwänden. Hier hat man circa einen Drittel der gesamten Strecke hinter sich gelassen und man verlässt - sofern man früh losgegangen ist - den schattigen Bereich der insgesamt 8 Meilen langen Wanderung (Roundtrip). Kurioserweise ist der Observation Point viel höher als Angels Landing, trotzdem ist unterwegs nur extrem wenig los. Ob es die vielen steilen Passagen sind oder die Tatsache das man drei von vier Meilen nur bergauf läuft - man weiss es nicht so genau.


Uns ist es auf jeden Fall recht so das nicht viel los ist, so haben wir fast den gesamten Trail für uns alleine. Etwas ungläubig gucken mussten wir dann aber einmal als uns ungefähr auf halber Strecke ein Gruppe von vier jungen Hikern entgegenkam die offensichtlich schon wieder auf dem Rückweg gewesen sind. Keine Ahnung wann die losgegangen sind, auf jeden Fall muss es noch dunkel gewesen sein beim Aufstieg oder die haben oben übernachtet *lach*
A propos "auf halber Strecke", die Hälfte des Trails hat man erreicht wenn man am Abzweig zum East Rim Trail ankommt. Wer bis hierher kommt der wird in aller Regel auch weiter gehen, zu spannend ist es zu sehen was einem hinter jeder nächsten Kurve wieder für neue Eindrücke erwarten ...
Auf dem Bild links oben erkennt man gut den Zickzack-förmigen Trail hinauf auf's Plateau. Die Einblicke bzw. Ausblicke von dort hinein ins Tal sind einfach unbeschreiblich und jede ausgeschwitze Schweißperle wert die man unterwegs vergossen hat.

Oben auf dem Plateau ändert sich dann der Belag des Trails ziemlich rasch, es kommen einige sandigen Abschnitte und einige mit viel Geröll auf dem Weg, auch einige "Stufen" sind zu überwinden und gehen nochmal ganz schön auf die Knochen nach dem eh schon nicht ganz leichten Aufstieg bis hierher. Und auch wenn man das Ziel bereits in Sichtweite hat zieht sich das letzte Stück auf dem man immer den Rim entlang wandert bei einer Länge von eigentlich "nur" einer dreiviertel Meile mehr als man anfangs glaubt.
Als wir oben die letzten Meter durch Pinienwald zum Rim wandern sehen wir am Ziel bereits jemanden stehen ... ein einsamer Asiate hat sich hier hoch verirrt. Und was macht er? TELEFONIEREN !! Expect the unexpected trifft hier wohl den Nagel auf den Kopf. Wir bleiben eine knappe halbe Stunde hier oben, essen erstmal etwas und geniessen einfach nur die phantastische Aussicht. Viel später hätten wir aber auch nicht hier ankommen dürfen, die Sonne wandert schließlich unaufhaltsam in Richtung Gegenlicht-Position.
Gefühlte 1000 Bilder später machen wir uns auf den Rückweg, bedingt durch etliche Fotostops auf die wir auf dem Hinweg verzichtet haben brauchen wir dafür fast genauso lange wie für den Aufstieg.
Zu guter Letzt mal ein s/w - Bild ... aufgenommen irgendwo unterwegs auf dem Weg zum Observation Point.

Der Tag heute war auf jeden Fall wunderschön und das frühe Aufstehen hat sich absolut gelohnt. Man kann auf vielen Seiten im Internet nachlesen das man so an die 4 - 6 Stunden einplanen sollte für die Wanderung zum Observation Point, das würde ich so unterschreiben - je nachdem wieviel Zeit man sich für die Fotos unterwegs noch nimmt, ob man sich länger am Echo Canyon aufhält, wie stark einem die kontinuierliche Steigung zu schaffen macht und und und.
Nochmal der Hinweis: Auf dem Weg nach oben würde ich nur selten anhalten für Fotos, dafür ist auf dem Rückweg immer noch genügend Zeit, außerdem steht ab dem späten Vormittag die Sonne bereits sehr ungünstig und man hat mit Gegenlicht zu kämpfen beim Blick in den Canyon und beim fotografieren ... man sollte also frühzeitig oben ankommen.
Zurück am Visitor Center erfrischen wir uns kurz und laufen noch ein kurzen Teil des Watchman Trails bis zu einem guten Aussichtspunkt ...

Morgen geht es dann hoch zum "Landeplatz der Engel", schon komisch das diese Wanderung anspruchsvoller sein soll als die heutige - immerhin haben wir von oben draufgucken können auf Angels Landing. Na schau'n wir mal, dann seh'n wir schon ...
Bis Morgen ... 
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