7.Tag (24.September 2008) Monkey Mia - Shell Beach - Stromatolithen - Coral Bay
Heute sind wir bereits um kurz vor 7 Uhr am Strand von Monkey Mia ... das Kassenhäuschen am Eingang scheint bis um 7.30 Uhr unbesetzt zu sein. Ob man das nutzen kann um sich den Eintritt zu sparen wenn man früher durchfährt kann ich nicht genau sagen, kann gut sein das hinterher jemand am Parkplatz herumgeht und die Ticket's kontrolliert - obwohl ich mir das hier eigentlich nicht vorstellen kann. Wir sind auf jeden Fall schön zeitig hier und sie Stimmung um diese Zeit ist wirklich einmalig - fast schon idyllisch.
Menschenmengen gibt es so früh nicht, trotzdem kreisen aber bereits einige Delphine durchs Wasser und man kann ihnen beim spielen zusehen. Das ist eigentlich die schönste Zeit am Tag. Gegen 7.30 Uhr wird es langsam voller und die Menschentrauben nehmen zu, kurze Zeit später taucht eine Rangerin auf und durch ein Mikro erklärt sie über Lautsprecher den Verlauf der Fütterung und erzählt so ganz nebenbei die eigentlich Entstehungsgeschichte dieses Phänomens sowie einige Dinge über jeden einzelnen Delphin der sich hier gerade in Strandnähe aufhält. Ranger und Wissenschaftler kennen die Namen und Lebensgeschichte jedes einzelnen, alle gehören zu drei Familien die nun schon in der dritten Generation hierher kommen.
Vor einigen Jahren ist übrigens plötzlich ein fremder Delphin mit am Strand aufgetaucht (den Namen hab ich leider vergessen), auch er kommt seitdem jeden Tag wieder mit hierher. Warum, wieso, weshalb kann sich niemand erklären. Genauso wie alle männlichen Delphine wird er aber nicht gefüttert, trotzdem kommt er jeden Tag wieder. Aus der Nähe erkennt man bei manchen Tieren Narben am Körper, Haiangriffe und Schiffsschrauben sind die Hauptursache für solche Wunden. Auch hierzu kennt die Rangerin fast jede Leidensgeschichte. Wegen eines Haiangriffes kommt auch der älteste weibliche Delphin seit ein paar Tagen nicht mit der Gruppe an den Strand, "er hat zur Zeit Angst vor Menschen" erklärt uns die Rangerin. Wie das zusammenpasst weiss ich nicht, aber auch er (bzw. sie) wird vermutlich in naher Zukunft wieder mit an den Strand kommen.
Die Rangerin erklärt ferner, dass es zur Zeit ein 3 Wochen altes Baby in der Gruppe gibt. Der Knirps hört auf den Namen Nicki - zumindest nennen ihn die Ranger so. Wir taufen ihn bereits nach wenigen Sekunden liebevoll "Flummi" ... ich glaube ich habe niemals zuvor solch eine schnellen Delphin im Wasser gesehen. Durch seine noch geringe Größe wirkt er wie ein Pfeil im Wasser, daher will uns auch zum verrecken kein einzig wirklich gutes Foto von ihm gelingen. Wir haben aber ein halbwegs brauchbares Video von ihm gemacht, schau mal hier bei YouTube.
Jetzt entscheiden die freiwilligen Helfer per Zufall wer mit ins Wasser darf um bei der Fütterung zu helfen. Hierbei kommt es wirklich nur auf's Glück an, Mel war ausnahmsweise aber mal nicht dabei ... normalerweise hat sie bei solchen Dingen ja den Papst in der Tasche und wird eigentlich immer ausgewählt.
Sind die Eimer leer heben die Volunteers je einen Arm in die Luft. Das ist das Zeichen für die Delphine das es im Moment nichts mehr zu fressen gibt. Kurze Zeit später verlassen die Tiere dann den Strand und schwimmen ins offene Meer. Insgesamt bis zu 3x am Tag wiederholt sich dieses Schauspiel, für die nächsten beiden Fütterungen am Tag gibt es jedoch keine festen Zeiten, die Tiere kommen wenn sie Lust dazu haben - manchmal kommen sie auch nur um 8 Uhr und danach nicht mehr, eine Garantie dafür gibt es also nicht. In den letzten 5 Jahren ist es - wie bereits gesagt - nur 2x vorgekommen das auch zur gewohnten Zeit um 8 Uhr keines der Tiere aufgetaucht ist. Was bleibt als Fazit festzuhalten? Monkey Mia lohnt einen Besuch, auch wenn auf manchen Seiten zu lesen ist das es zu touristisch geworden sei. Es gibt aber nicht viele Orte auf der Welt wo man so etwas erleben kann und von allen mir bekannten ist Monkey Mia der einzige wo Delphine mit solch absoluter Regelmäßigkeit an einen Strand kommen ... von daher erübrigt sich jeglicher Einwand. Ich denke mal, vieles steht und fällt mit der Menge der Zuschauer am Strand ... hat man Glück sind nur wenige dort, hat man Pech stehen sie sogar in Zweierreihen. Allgemein bekannt ist aber, dass die zweite und dritte Fütterung immer weitaus weniger Zuschauer hat wie die erste. Uns hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen und das ist garantiert wieder eines der Erlebnisse die man sein Leben lang nicht vergessen wird !! Bereits eine halbe Stunde nachdem wir Monkey Mia verlassen haben erreichen wir den Shell Beach, zu dem eine kurze Schotterpiste abzweigt (Vorsicht, teilweise sehr spitze Steine im Boden!) ... Der Strand ist sage und schreibe 120km lang und besteht nicht aus Sand sondern ausschließlich aus Muscheln. Bereits wenige Meter vom Parkplatz entfernt hört man sie unter den Schuhen zerknirschen.
Bis zu 4m tief schichten sich die Muscheln hier, immer wieder sieht man einige Löcher wo anscheinend jemand versucht hat das nachzuprüfen. Aber egal wie tief so ein Loch auch ist, außer Muscheln sieht man nichts. Wieso das so ist, darüber rätseln einige Wissenschaftler noch bis heute. Da wir im Urlaub sind haben wir keine Lust ebenfalls rumzurätseln und nehmen es halt einfach so hin. Aus den Muscheln wurden übrigens früher viele Häuser in der Gegend gebaut, unter anderem ja auch die St.Andrews Church in Denham ...
Einen weißeren Strand wie den Shell Beach findet man auf jeden Fall auch so schnell nicht noch mal, ohne Sonnenbrille wird man hier ja fast blind. Nächster Stop ist die Hamelin Pool Telegraph Station, von wo aus ein kurzer Trail zu den Stromatolithen abgeht. An der Telegraph Station kann man ein paar hübsch anzusehende Wildblumen sowie ein ultrahochmodernes WC vorfinden ...
... wieso das Klo unten so braun ist möchte ich mir an dieser Stelle lieber nicht vorstellen. Die Wanderung zu den Stromatolithen dauert knappe 20 Minuten und führt vorbei an einigen altertümlichen Muschelpresshäusern querfeldein bis hin zu einem knapp 200m langem Holzsteg, von wo aus man einen Blick auf diese fossilen und ältesten bekannten "Lebewesen" dieses Planeten hat. Das sehr salzhaltige Wasser hier begünstigte das Überleben dieser Mikroorganismen, die von Wissenschaftlern an diesem Ort auf über 3000 Jahre geschätzt werden.
In Strandnähe gibt es einige Strommis (wieder ein liebevoller Name von uns) mit roten "Kappen" ... auch hier rätseln die Wissenschaftler wieder wie es dazu kommen konnte (langsam kommt es mir vor, als wenn die ganze Ecke hier ein einziges großes Rätsel ist). Was man weiß: Vor 500 bis 1000 Jahren haben diese Strommis aufgehört zu wachsen. Die rote Färbung geht aber lediglich auf Theorien zurück, eine davon ist das ein zu hoher Eisengehalt im Wasser während der Wachstumsphase Schuld ist, eine andere das es an den Pigmenten einiger Bakterien liegt, die sich im Laufe der Jahre an den Fossilien festgesetzt haben.
Eine knappe Stunde sollte man für den Abstecher hier einplanen, 20 Minuten Hinweg, 20 Minuten Rückweg und 20 Minuten Aufenthalt auf dem Steg. Unsere Fahrt geht nun wieder weiter, viel zu sehen gibt es bis Carnavron aber eigentlich nicht. Kurz vor dem Örtchen sieht man bereits aus einiger Entfernung die große Satellitenschüssel "Big Dish". Die Anlage wurde 1964 erbaut, hat einen Durchmesser von 9m und hat eine wichtige Rolle bei der Apollo 11 - Mission im Jahre 1969 gespielt. Ihre Aufgabe bestand darin, das Kontrollzentrum in Houston permanent und in Echtzeit mit den Raumkapseln zu verbinden.
Die weitere Fahrt ist wieder recht öde, nächste bzw. einzige Möglichkeit zum tanken - falls man es in Carnarvon vergessen hat - auf der Weiterfahrt nach Coral Bay ist das Minilya Roadhouse etwa 180km weiter nördlich. Achtung, die 180km sind nachträglich geschätzt !! Der mittlerweile asphaltierte Abzweig nach Coral Bay befindet sich wenige Kilometer hinter dem Roadhouse, auf manchen Seiten kann man lesen das er sich in "unmittelbarer Nähe" befindet - das ist aber eigentlich nicht ganz richtig, in unmittelbarer Nähe befindet sich von Carnarvon aus kommend nur VOR dem Roadhouse eine alternative Unsealed Road ... deshalb wollten wir fast schon wieder umdrehen und nachfragen. Also nicht unruhig werden wenn hinter dem Roadhouse nicht direkt der Abzweig kommt. Nachdem man nun auf der richtigen Straße gelandet ist kommt wieder nicht wirklich viel sehenswertes, einzige Highlights: Ein paar Wildpferde welche über die Straße rennen, eine Horde Kühe am Straßenrand, eine Stelle wo unzählige Termitenhügel stehen und natürlich der Tropic of Capricorn, der Wendekreis des Steinbocks. Hier befindet man sich nun an der südlichen Grenze der Tropen, an den Temperaturen lässt sich das auch ganz eindeutig feststellen. Es ist nämlich ziemlich schwitzig draussen. Gegen 15 Uhr erreichen wir dann schließlich Coral Bay und checken im Bayview Hotel ein.
Nach der Fahrt haben wir uns vorgenommen jetzt erst einmal ein wenig am Strand zu relaxen und abzuschalten ... und wer kann bei DEM Strand und badewannenartigen Wassertemperaturen schon Nein sagen !?
Der Rest des Tages ist schnell erzählt, es gibt nämlich nicht mehr viel zu erzählen. Wir haben noch ein paar Einkäufe gemacht für's Abendessen, für morgen eine sogenannte Turtle & Snorkel - Tour gebucht (55 Au$ p.Person) und uns den Sonnenuntergang vom Lookout auf den Dünen angesehen ... und spätesten hier muss ich meine Aussage die ich in Denham getroffen habe wieder revidieren - die Sonne geht hier in Coral Bay definitiv NOCH schöner im Meer unter als dort!
Abends auf dem Zimmer haben wir noch eine lustige Zeit mit ein paar Schaben und Krabbelzeugs gehabt, hier merkt man zum ersten Mal das man eigentlich nur auf einem riesengroßen Campingplatz ist auf dem inzwischen auch ein paar mehr oder weniger gute Hotels stehen. Mehr zum Ort und zum Ningaloo Reef gibt's dann morgen ...
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