Heute Morgen ist der Blick aus dem Fenster zum ersten Mal seit Tagen wieder recht ernüchternd. Es regnet. Irgendwie ist Grundarfjördur kein gutes Pflaster für uns. Nach einem guten, selbst zubereiteten Frühstück machen wir uns aber trotzdem guter Dinge auf den Weg. Auf der anderen Seite der Insel kann das Wetter dank Snaefellsjökull und diversen anderen Gebirgsketten ja immerhin völlig anders sein, das habe ich ja letzten März schon miterlebt.

Snaefellsnes ist besonders, vom Wetter her und von allem einfach irgendwie. Heute sollte es sogar SO besonders werden, dass wir den kompletten Snaefellsjökull zu Gesicht bekommen. Das konnten wir so früh am Morgen aber noch nicht ahnen.

 

 

Kirkjufell

Erneut stoppen wir jedenfalls kurz am Kirkjufellfoss, zu dieser frühen Stunde sind wir die einzigen Besucher hier. Ein ungewohntes Bild hier mal keine Menschen vorzufinden.

Kirkjufellfoss Morning Hours

Kirkjufellfoss Morning Hours

 

Kirkjufell im Morgennebel

Kirkjufell im Morgennebel

 

 

Road #54

Beim Abzweig auf die #54 biegen wir ab ins Gebirge und es deutet sich an was wir uns erhofft haben … die Wolkendecke beginnt aufzureißen. Ein Traum, sofort ist man wieder völlig in den Bann der Landschaft gezogen.

Der nördliche Teil der Road 54 aus knapp 60m Höhe

Der nördliche Teil der Road 54 aus knapp 60m Höhe

 

Die Road 54 auf Snaefellsnes ist ein absoluter Traum

Die Road 54 auf Snaefellsnes ist ein absoluter Traum

 

Schutzhütte an der Road 54 auf Snaefellsnes

Schutzhütte an der Road 54 auf Snaefellsnes

 

Auf der anderen Seite, an den diversen Scenic Points, wenn sich die Straße wieder nach unten windet, bietet sich uns das gewohnte Bild – ein Ausblick entlang der Südküste der Halbinsel Snaefellsnes. Einfach atemberaubend.

Gigantischer Ausblick über die Südküste von Snaefellsnes entlang der Road 54 aus

Gigantischer Ausblick über die Südküste von Snaefellsnes entlang der Road 54 aus

 

Tief hängende Wolken entlang der Road 54 auf Snaefellsnes

Tief hängende Wolken entlang der Road 54 auf Snaefellsnes

 

Unser erster Anlaufpunkt hier im Süden ist dann – fast schon obligatorisch könnte man inzwischen sagen – die Budirkirkja. Schlicht, schwarz und immer wieder einfach unheimlich fotogen.

Budirkirkja, eine der wenigen schwarzen Kirchen auf Island

Budirkirkja, eine der wenigen schwarzen Kirchen auf Island

 

Danach wollte ich uns eigentlich zum Strandabschnitt bei Hraunlandarif bringen, leider haben wir aber keine Möglichkeit gefunden dort irgendwie in die Nähe des Strandes zu kommen. Irgendwann endet der Weg nämlich vor einem Zaun. Sollte irgendjemand wissen, WIE man dort hinkommt, kann er mich gerne einmal anschreiben.

Auf dem Weg zurück folgt dann trotzdem noch ein kurzer Stopp, die fotogenen Rhyolite Mountains befinden sich direkt vor uns.

Rhyolite Mountains auf Snaefellsnes

Rhyolite Mountains auf Snaefellsnes

 

Ein bisschen erinnert das ganze an der Artists Palette im Death Valley, nur das es hier 30 Grad kühler ist und die Landschaft etwas grüner *grins*

Am Parkplatz zur Rauðfeldsgjá Gorge halten wir heute nicht. Ich wüsste nicht einmal wo man parken sollte, so viele Autos stehen dort. Dass man hier jemals die Besucher wie die Ameisen den Berg hinauf laufen sehen würde, hätte ich im März auch noch nicht gedacht. Wie so oft fing das Unheil vermutlich mit dem kleinen Holzschild am Straßenrand an, vor zwei Jahren war das nämlich noch nicht dort.

Ein kurzer Blick von oben die Küste entlang, danach fahren wir spontan und als Alternative zur Rauðfeldsgjá Gorge hinauf zum Snaefellsjökull.

Snaefellsnesvegur, aufgenommen mit der Phantom 4 Pro aus knapp 80m Höhe

Snaefellsnesvegur, aufgenommen mit der Phantom 4 Pro aus knapp 80m Höhe

 

 

Snaefellsjökull

Die Straße ist laut einem Hinweisschild unten nicht durchgängig befahrbar. Wir wollen aber zumindest mal sehen wie weit wir kommen und arbeiten uns Meter für Meter die steile Schotterpiste nach oben …

Gravel Road nach oben zum Snaefellsjökull

Gravel Road nach oben zum Snaefellsjökull

 

An einem ersten Aussichtspunkt halten wir dann, hier befindet sich auch die Höhle Sönghellir. Besondere Echos soll es hier drin geben. Zwar habe ich nichts dergleichen gehört, dafür aber die besondere Aussicht genießen können.

Die Fernsicht auf die Südküste der Halbinsel Snaefellsnes ist heute unglaublich

Die Fernsicht auf die Südküste der Halbinsel Snaefellsnes ist heute unglaublich

 

Soenghellir Höhle auf Snaefellsnes

Soenghellir Höhle auf Snaefellsnes

 

Die Fahrt geht weiter, bis es irgendwann nicht mehr geht und uns ein Gesperrt-Schild an der Weiterfahrt hindert. Zwar ist erst einmal nicht ersichtlich warum es hier steht, einige Superschlaumeier die an dem Schild vorbeifahren kommen aber bereits nach wenigen Minuten wieder zurück … es steht also wohl nicht ohne Grund hier.

Hier oben hat man eine unglaubliche Aussicht in mehrere Richtungen. Nach oben zur Spitze des Berges, nach unten auf den 521m hohen Stapafell oder auch auf die Wintersportausrüstung hier oben.

Die Straße auf die andere Seite ist schneebedingt gesperrt

Die Straße auf die andere Seite ist schneebedingt gesperrt

 

Snaefellsjoekull

Snaefellsjoekull

 

Snaefellsjoekull

Snaefellsjoekull

 

Der Blick nach unten auf dem Weg hoch zum Snaefellsjökull

Der Blick nach unten auf dem Weg hoch zum Snaefellsjökull

 

Alleine dafür hat es sich schon gelohnt hier hoch zu kommen. Und wann sieht man schon mal die Spitze des Snaefellsjökull so klar und aus der Nähe??

 

 

Djúpalónssandur

Als Nächstes geht es nun weiter nach Djúpalónssandur. Im März hatte ich mich mit Robert und Krisztina hier eine halbe Ewigkeit aufgehalten und die Wellen fotografiert, umso gespannter war ich was uns hier heute erwarten würde.

Wellen waren es zumindest nicht, als wir eintreffen ist nämlich wieder Low Tide und das Wasser hat sich zurückgezogen. Dazu ist es noch völlig windstill. Kaum zu glauben, aber ich ziehe meine Jacke aus und am liebsten würde ich mir eine kurze Hose anziehen, so warm ist es.

Djúpalónssandur und die alten, verrosteten Wrackteile des hier gestrandeten Trawlers

Djúpalónssandur und die alten, verrosteten Wrackteile des hier gestrandeten Trawlers

 

Zufällig hab ich den Kopter mitgenommen, WENN mal irgendwann perfekte Bedingungen hier an diesem Strand zum fliegen sind dann definitiv heute. Also nichts wie ab damit in die Luft und einige Aufnahmen von oben gemacht.

Bizarre Formationen markieren das rechte Ende vom Djúpalónssandur Beach

Bizarre Formationen markieren das rechte Ende vom Djúpalónssandur Beach

 

Zerklüftete Küstenlinie bei Djupalonssandur

Zerklüftete Küstenlinie bei Djúpalónssandur

 

Djupalonssandur from above

Djúpalónssandur from above

 

Zwar halten wir uns hier heute nicht so lange auf wie im März, trotz quasi nicht vorhandenem Wellengang glüht der Auslöser der Kamera aber. Schon irre, wie viele Motive es hier an diesem Ort gibt.

Djúpalónssandur

Djúpalónssandur

 

Rock Pool bei Djupalonssandur

Rock Pool bei Djúpalónssandur

 

 

Hellnar

Als Nächstes fahren wir schließlich nach Hellnar. Low Tide würde bedeuten, das man heute auch bis vorne zu Baðstofa Cave gehen kann. Und genau so ist es dann auch. Letztes Mal stand das Wasser bis weit über die Steine und man konnte nicht wirklich nah an die Höhle herankommen. Heute war das kein Problem. Dann, und NUR dann, gelingen auch Fotos wie das untere der dreien hier.

Baðstofa Cave

Baðstofa Cave

 

Baðstofa Cave

Baðstofa Cave

Die Badstofa Cave ist nur bei Ebbe halbwegs zu erreichen

Die Baðstofa Cave ist nur bei Ebbe halbwegs zu erreichen

 

Ich kann nur jedem eindringlich raten, NICHT bei Flut zu versuchen nach vorne zu gehen. Die Wellen hier sind unberechenbar und die Steine zudem extrem rutschig.

Von Hellnar aus könnte man jetzt den Wanderweg nach Arnarstapi nehmen, das kommt aber auf die To-do-Liste für irgendeinen nächsten Besuch. Wir fahren daher komfortabel mit dem Auto rüber nach Arnarstapi, allerdings nicht ohne vorher noch die Hellnarkirkja abzulichten. Ebenfalls fotogen wie immer …

Die kleine Hellnarkirkja vorm Snaefellsjökull

Die kleine Hellnarkirkja vorm Snaefellsjökull

 

 

Arnarstapi

Bei Arnarstapi angekommen merkt man sofort eine Veränderung. Neue Appartements werden hier gebaut sowie eine größere Besuchertoilette – war vorher überhaupt eine vorhanden? Man merkt halt das hier sämtliche Reisebusse halten. Der gute Mensch am Fish+Chips Stand hat jedenfalls alle Hände voll zu tun und sämtliche Bänke sind besetzt davor. Eine simple Geschäftsidee im Jahre 2017, hier auf Island funktioniert sie noch.

Ich hatte persönlich nur ein Ziel hier heute. Nachdem ich im März zum vierten Mal einen bestimmten Arch nicht gefunden hatte, war ich mir heute – nach etlichen Stunden Recherche im Netz – ziemlich sicher, wo er sich befindet.  Genau so war es dann auch. Keine Ahnung warum, wieso, weshalb ich ihn bisher nicht gesehen bzw. immer übersehen hatte. Er hört jedenfalls auf den Namen Miðgjá.

Arnarstapi Sea Arch Miðgjá

Arnarstapi Sea Arch Miðgjá

 

In unmittelbarer Nähe zu dem Arch gibt es noch ein Blowhole, hier schießt das Wasser fontänenartig nach oben bei starkem Seegang. Das habe ich ja schon mal ansatzweise in Westaustralien im Torndirrup National Park erlebt. Wer mal Gelegenheit hat so etwas zu beobachten, sollte das unbedingt machen. Es ist sehr beeindruckend.

Michaela und Burckhard wandern jetzt noch weiter, ich gehe via Gatklettur langsam zurück zum Auto und sortiere mich mal neu. Als die beiden zurückkommen, beschließen wir noch einmal zum Hobbit Hole zu fahren, weil es uns gestern so gut dort gefallen hat.

Der Gatklettur Sea Arch bei Arnarstapi

Der Gatklettur Sea Arch bei Arnarstapi

 

 

Ytri-Gardar

Auf dem Weg folgt ein erneuter Versuch, irgendwo an einen der wenigen vorhandenen Strandabschnitte zu gelangen. Und dieses Mal gelingt das auch. Bei Ytri-Gardar besteht nämlich die Möglichkeit an der Pferdefarm vorbei auf den Parkplatz vom Golfplatz zu fahren und von dort aus dann schätzungsweise 300m zum Strand zu laufen. Die Aussicht von dort ist heute genau so, wie ich es mir erhofft hatte.

Ich hab vor langer Zeit mal ein Foto gesehen, wo jemand einen Strand hier auf Snaefellsnes geknipst hatte und wo man dann im Hintergrund den schneebedeckten Snaefellsjökull sieht. Und genau SO etwas wollte ich auch unbedingt einmal schaffen. Und von hier aus funktioniert das tatsächlich.

Ytri-Gardar Beach, in der Nähe des Golfplatzes. Im Hintergrund thront der Snaefellsjökull

Ytri-Gardar Beach, in der Nähe des Golfplatzes. Im Hintergrund thront der Snaefellsjökull

 

Wüsste ich es nicht besser, könnte man fast meinen man wäre gerade irgendwo anders und nicht auf Island. Sehr schade, dass wir in den Westfjorden bei den Stränden nicht solch ein Wetter gehabt haben, das wäre wohl kaum auszuhalten gewesen *ächz*

 

 

Hobbite Hole AKA Sheeps Waterfall

Wir fahren weiter und als wir am Hobbit Hole Parkplatz ankommen ist dieser fast leer. Glück gehabt also. Im Gegensatz zu gestern haben wir den Wasserfall heute die ganze Zeit für uns alleine. Wir machen aus allen möglichen und unmöglichen Positionen Fotos und auch mit dem Kopter fliege ich dieses Mal ein wenig durch die Gegend.

Auch beim zweiten Mal heute entführt der Wasserfall mich gedanklich irgendwo hin weit weg von hier. Nur selten habe ich etwas idyllischeres und schöneres gesehen. Hoffen wir das es noch lange so bleibt. Die Chancen stehen bisher ganz gut, man kann den Wasserfall nämlich schlichtweg nicht googeln.

The Hobbit Hole, ein wunderschöner Parkplatz, den man von der Straße gar nicht wahrnimmt

The Hobbit Hole, ein wunderschöner Parkplatz, den man von der Straße gar nicht wahrnimmt

 

Einzelne Wasserfall-Kaskaden beim Hobbit Hole

Einzelne Wasserfall-Kaskaden beim Hobbit Hole

 

Hinter dem oberen Wasserfall suchen oftmals Schafe Schutz

Hinter dem oberen Wasserfall suchen oftmals Schafe Schutz

 

Bei unserem Aufenthalt waren dort leider keine Schafe zu sehen

Bei unserem Aufenthalt waren dort leider keine Schafe zu sehen

 

Der Blick vom Hobbit Hole in Richtung Lavafeld Berserkjahraun

Der Blick vom Hobbit Hole in Richtung Lavafeld Berserkjahraun

 

The Hobbit Hole aus der Luft mit Blick zum Parkplatz

The Hobbit Hole aus der Luft mit Blick zum Parkplatz

 

Nachdem wir uns hier wirklich satt gesehen und das alles richtig genossen haben schlendern wir langsam zum Auto zurück, der Parkplatz ist immer noch leer. Wunderbar! Für den Rest des Tages ist jetzt gemütliches fahren in Richtung Unterkunft angesagt.

Gebucht hatte ich für uns in Akranes das Akra Guesthouse … DACHTE ich zumindest *hust* … denn es ist mir etwas passiert, was mir in all den Jahren überhaupt noch nie passiert ist. Ich habe mich in der Jahreszahl vertan bei der Buchung und das ganze zwar für das heutige Datum, allerdings erst ein Jahr später, gebucht. Öhm. Okayyyyyyy.

Das Haus war dementsprechend natürlich – wie sollte es auch anders sein – ausgebucht und es war kein Zimmer mehr frei heute. Was nun? Schnelles handeln ist angesagt, wir haben schon spät und irgendwo würden wir ja ganz gerne auch schlafen heute. Also schnell per Handy bei Booking.com nachgeschaut, ob noch irgendwo in der Nähe etwas verfügbar ist zu bezahlbaren Preisen. Das günstigste Dreibettzimmer hier in Akranes war mit rund 350€ nicht ansatzweise eine Überlegung wert, also haben wir den Suchradius erweitert und sind beim Hotel Hafnarfjall fündig geworden.

165€ für ein Dreibettzimmer, also 55€/Person, sind ein guter Kurs für solch eine spontane Buchung und ich kenne das Haus ja bereits von letztem März, wo ich ebenfalls dort übernachtet habe. Das Frühstück ist gut und die Lage auch, es hätte uns also deutlich schlechter treffen können. Zwar müssen wir jetzt noch einmal 20 Minuten in die entgegengesetzte Richtung zurückfahren, aber das ist das kleinste Problem.

Interessanterweise erinnert sich die junge Dame am Empfang sogar an meinen Namen. Ich hingegen erinnere mich nicht einmal daran, sie überhaupt gesehen zu haben letztes Mal. Ich glaube, ich werde alt. Das Dreibettzimmer befindet sich nur eine Tür neben der Ferienwohnung von letztem Mal, es ist also fast so, als würde ich tatsächlich zurückkommen.

Den Rest des Abends verbringen wir noch mit Essen und ein bisschen Tagesgeschehen aufzuarbeiten. Da keinerlei Wolken mehr am Himmel sind, fällt die Mitternachtssonne eher unspektakulär aus und ich lege mich als letzter – so gegen halb 1 Uhr nachts – schließlich schlafen. Gute Nacht.