20.Tag Zion NP (Angels Landing, Narrows)
Wieder stehen wir früh auf um rechtzeitig am Ausgangspunkt für die Wanderung nach Angels Landing zu sein. Der Schuttle-Bus ist genauso leer wie gestern Morgen und wir hören uns erneut die Geschichte des Zion NP ab die vom Fahrer vorne durch die Lautsprecher des Shuttles ertönt ...
Das Foto hier oben vom Beginn des Trails stammt vom Rückweg nachmittags, morgens liegt der ganze Berg noch im Schatten und man erkennt auf einem Bild nicht wirklich viel. Von unten sieht das ganze auf jeden Fall noch recht harmlos aus, allerdings kann man auf den ersten Blick überhaupt gar nicht den Verlauf des Trails erkennen ... er ist quasi an die Seitenwand des Refrigerator Canyons getackert und erst wenn man sich in einigen Metern Höhe befindet erkennt man wie er sich nach oben schraubt.
Dieser erste Abschnitt ist weitestgehend noch ein lockerer Spaziergang, erst am Ende des serpentinenförmig angelegten Weges wird es zunehmend so steil das jeder Schritt in den Waden anfängt zu brennen. Zum Glück liegt am frühen Morgen hier noch alles im Schatten, bei Sonnenschein möchte ich das nicht unbedingt laufen müssen. Runter okay, aber rauf? Nein Danke!
Hat man diesen kräftezehrenden Abschnitt hinter sich gelassen kommt auch schon ein erstes kleines Holzschild was einen noch einmal in Erinnerung rufen soll das der weitere Weg nicht ganz ohne ist. Man befindet sich jetzt am Scout's Lookout, hier gibt es zwei Pit Toilets und die meisten Wanderer machen hier eine kurze Pause bevor sie sich entscheiden entweder umzudrehen oder die restliche halbe Meile noch weiter zu gehen. Entscheidet man sich hier wieder zurück zu gehen beträgt die Länge der Wanderung (roundtrip) 3.9 Meilen und man hat eine Höhendifferenz von 1070 Fuß bewältigt. Geht man weiter bis nach Angels Landing überwindet man dabei noch einmal 500 Fuß. Am Scout's Lookout trennt sich sozusagen die Spreu vom Weizen und die Zahl der Leute die wieder kehrt machen ist größer als wir gedacht hätten. Auch unterwegs treffen wir immer wieder auf Wanderer die sich wegen dem recht starken Wind an dem Tag nicht weitertrauen und umkehren.
Die schmalste Stelle des Trails ist der von Joe Braun so genannte "step of faith", der Fels ist hier nur weniger Fuß breit und rechts und links geht es 300m senkrecht nach unten - absolut nichts für schwache Nerven und jeder der an diese Stelle kommt hält erst kurz an ... ich hab zumindest niemanden gesehen der hier einfach mal eben so weiter gegangen ist. Das Foto oben hab ich verlinkt weil keiner von uns beiden auf diesen paar Metern eine Kamera in der Hand gehabt hat. Überhaupt ist fotografieren auf dem letzten Teilstück nicht so ganz einfach, es geht stellenweise extrem steil auf Slickrock nach oben, man kommt oft gar nicht daran vorbei sich an den Ketten regelrecht hochzuziehen - fotografieren ist da fast unmöglich und für jedes Bild muss extra die Kamera wieder ausgepackt und später wieder eingepackt werden, sie einfach um den Hals baumeln zu lassen oder überzuschultern ist nicht ganz ungefährlich. Hier und da müssen wir beide anhalten und gucken uns ungläubig an ... "Höö? DA soll es weitergehen mit dem Trail?". Oftmals kann man es selbst kaum fassen was man da gerade eigentlich macht und die Gefahr ist einem oftmals gar nicht so ganz klar glaube ich. Das diese Wanderung durchaus auch tödlich enden kann zeigen zwei Links im Internet, hier und hier! Thx 2 Cunningham für die Info! An einer brenzligen Stelle überlegen wir kurz umzudrehen oder weiter zu gehen, der Wind pfeift hier so stark um die Ecke das einem fast Angst und Bange wird. Aber wir sind schon soweit gekommen, JETZT umzudrehen wäre ja fast schon eine Schande und wir würden uns hinterher bestimmt darüber ärgern. Also klettern wir weiter, Meter für Meter, Stein für Stein ... bis wir schließlich oben ankommen.
Nach knapp 1 Std.45min haben wir es geschafft, wir sind dort angekommen wo wir niemals glaubten jemals anzukommen - am Landeplatz der Engel. Okay, gesehen haben wir zwar keinen einzigen, aber das war in dem Moment auch nicht wichtig. Gerade einmal eine handvoll Leute ist mit uns zusammen oben auf der kleine Plattform am Ende des Trails und man tauscht sich untereinander über den zurückgelegten Weg aus. Jede Menge Fotos werden geknipst und einige füttern die - auch hier - vorhandenen Squirrels welche um uns herumschwirren. Der Abstieg hinterher ist dann auch nicht ganz ohne, manchmal kam es mir rauf sogar leichter vor als runter - und ich könnte jetzt nicht gerade behaupten das ich NICHT schwindelfrei bin. Für den Rückweg haben wir auf jeden Fall genauso viel Zeit benötigt wie für den Hinweg, was aber mit Sicherheit auch daran gelegen hat das wir hier wieder mehr Bilder gemacht haben als auf den Weg nach oben. Wieder an der Haltestelle des Shuttle-Busses überlegen wir was wir noch so machen könnten. Da unsere Füße ja inzwischen regelrecht "warm gelaufen" sind beschließen wir zu den Narrows zu fahren und diese wieder abzukühlen. Das kalte Wasser des Virgin Rivers dürfte genau richtig sein dafür.
Dieses Mal wandern wir etwas weiter als beim letzten Mal, da wir aber natürlich bereits eine mehrstündige Wanderung hinter uns haben ist nach einer guten Stunde Schluss und wir drehen wieder um. Kurz noch ein paar Verrückte beim sogenannten Abseiling zugeguckt ... und dann machen wir uns wieder auf den Rückweg. Sollten wir jemals vorhaben hier weiter reinzuwandern, dann definitiv nur mit geegneten Neoprensocken!
Irgendwann sind unsere Füße wieder abgekühlt, mehr noch - sie fühlen sich an wie Eisklötze durch das eiskalte Wasser. Kein Wunder also das man sich in Springdale für eben diese Wanderung hier die oben erwähnten Neoprensocken samt passendem Schuhwerk für kleines Geld ausleihen kann. Mel's persönliches Highlight der Wanderung durch die Narrows war dieser Schmetterling am Rand des Virgin Rivers ...
MEIN persönliches Highlight war eher, als ich wieder Gefühl in meinen Füßen bekommen habe nachdem sie aufgetaut sind. Schon toll wie man sich auch über die kleinen Dinge des Lebens freuen kann *lach* Für Morgen ist geplant in Tropic zu übernachten, auf dem Weg wollen wir dem Cedar Breaks National Monument, dem Red Canyon und - natürlich - dem Bryce Canyon einen Besuch abstatten ... hier wird dann auch wieder gewandert.
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