Heute: Sina & Jan von lichterderwelt.de

„Wir sind Weltreisende. Leidenschaftliche Fotografen. Naturliebhaber. Freiheitsjunkies. Wanderer. Entdecker. Träumer. Wir lieben den Geruch von Sommerregen, Sonne und Capri-Eis, Wortwitze, Cabriofahren, Schneelandschaften, Stille, die endlose Weite der Natur und Sterne am schwarzen Nachthimmel.

Wir wandern, lesen, lachen, spielen, fotografieren und sitzen manchmal einfach da und schauen uns die Welt an. Wir lieben Roadtrips und Abenteuer, raue Landschaften und ursprüngliche Natur. Es sind Entdeckungen abseits der Touristenhochburgen und Motive abseits des Mainstreams, die das Reisen für uns interessant und besonders machen.“

Erzählt doch mal ein bisschen was über Euren Reiseblog, wann hat er – Achtung, Wortspiel – das Licht der Welt erblickt und wie hat sich das dann alles entwickelt?

Hehe ;) Wir haben Lichter der Welt 2017 gestartet – um Reisefotos und Reiseerlebnisse zu teilen und Tipps zur Fotografie zu geben. Schnell merkten wir, dass ein super großes Interesse an den Foto-Themen besteht und so haben wir in den nächsten Monaten viele Grundlagenartikel geschrieben, gerade zu den Foto-Themen.

Im März 2018 sind dann unsere beiden E-Books erschienen, die sich mit dem Fotografieren ohne Automatikmodus und der Bildbearbeitung beschäftigen. Wir haben angefangen, mit verschiedenen Firmen zusammenzuarbeiten und legen einen riesigen Wert auf den Kontakt zu unseren Lesern über E-Mail und Instagram. Für die nächsten Monate haben wir einige große Überraschungen geplant – es bleibt – auch für uns! – total spannend.

Wie seid Ihr auf den Namen für den Blog gekommen?

Wir haben nach einem Namen gesucht, der Fotografie und Reisen verbindet, aber weder plump noch kompliziert ist. Fotografie ist für uns hauptsächlich die Arbeit mit Licht – und auf unseren Reisen sind wir überall auf der Welt unterwegs. Die „Lichter der Welt“ sind für uns Nordlichter über der Arktis oder ein Sonnenaufgang in der Wüste. Es sind die Sterne in der Nacht genauso wie die Sonne über einem Strand in den Tropen. Und diese Lichtsituationen suchen wir auf unseren Reisen – und halten Sie in unseren Fotos fest.

Welche(r) Eurer Artikel liegt(en) Euch besonders am Herzen?

Hier können wir drei Fotoartikel hervorheben, für die wir sehr viel Rückmeldung kriegen und die genau die Probleme ansprechen, die die meisten Einsteiger beim Fotografieren haben – oft ohne, dass sie wissen, dass es genau hieran scheitert! Alle drei Artikel gehören zu unseren Meistgelesenen und bringen unsere Leser fotografisch sofort weiter.

So machst du nie wieder langweilige Landschaftsbilder

9 Gründe, warum du im RAW-Modus fotografieren solltest

6 Fehler, die du als Anfänger beim Fotografieren auf Reisen machst

Darüber hinaus gibt es noch ein Thema, was uns persönlich extrem wichtig ist: Der Schutz unserer Umwelt und das nachhaltige Reisen. Wir sind keine Super-Ökos, finden aber, dass jeder seinen Beitrag leisten muss – und auch total einfach kann! Unser Artikel zeigt 7 einfache Möglichkeiten auf, nachhaltig zu reisen und gibt Anregungen, an die man oft einfach gar nicht denkt.

Nachhaltig reisen – 7 einfache Möglichkeiten

Welcher Reisetyp seid Ihr, wie reist Ihr am liebsten? Hotels oder Camping? Mietwagen oder Wohnmobil? Teuer oder günstig etc. ?!

Wir lassen uns da überhaupt nicht zuordnen und lieben gerade die riesige Vielfalt und die Möglichkeiten des Reisens. Wir übernachten in 5-Sterne-Hotels und im Zelt unter 1000 Sternen. Wir fahren monatelang mit dem Wohnmobil durch das Nirgendwo oder wohnen in einer Ecolodge im Dschungel. Wir lieben die Natur – und erleben sie gerne auf jede erdenkliche Art.

Eure beeindruckendsten oder verrücktesten Erlebnisse auf Reisen waren … ??

Ein sehr intensives Erlebnis war für uns in Panama City der Besuch des Viertels El Chorrillo. Das Viertel gilt als sehr gefährlich und normalerweise kommt man als Tourist hier nicht rein. Unser lokaler Guide vermittelte uns Kontakte zu Einheimischen und wir erlebten die Menschen hinter all den Warnungen und die Gründe für ihre Situation. Anstatt uns auszurauben, waren die Leute sehr neugierig auf uns als Deutsche, erzählten ihre Geschichten und liefen uns hinterher, um um Fotos zu bitten. Dieser Tag hat unser Denken über die Welt so sehr verändert wie wohl kaum ein anderer.

Verrückt war – ebenfalls in Panama – der Besuch der Luftfahrtbehörde. Wir mussten hierhin, um unsere Drohne registrieren zu lassen – und verbrachten einen sehr interessanten Tag in einem Fabrikbunker hinter den Kulissen eines so gar nicht organisierten Landes. Die Genehmigung selbst war dann sehr improvisiert – und wohl eher für die Deutschen erfunden, die die einzigen sind, die so etwas interessiert. Wer hätte gedacht, dass ein Behördengang uns einmal so beeindrucken würde!

Ist schon einmal etwas so richtig schief gelaufen auf einer Reise oder habt Ihr es sogar schon einmal mit der Angst zu tun bekommen?

Wir hatten auf Reisen leider schon einige medizinische Notfälle und kennen schon Krankenhäuser und Ärzte diverser Länder. Besonders in Erinnerung ist uns hier ein komplett offenes Krankenhaus irgendwo im thailändischen Dschungel, in dem sie noch nie einen Weißen gesehen hatten und niemand ein Wort Englisch sprach. Den offenen Behandlungsraum zwischen totkranken Menschen werden wir nie vergessen.

Unser schlimmstes Erlebnis war aber eine lebensbedrohliche und sehr plötzliche Erkrankung in den USA.

Euer schönstes Erlebnis mit Tieren war … ??

Wir lieben die Vielfalt und das Gefühl im Dschungel. Die Geräusche – zum Teil unheimlich laut, gerade in der Dämmerung, beeindrucken uns jedes Mal total. Für uns ist es ein unbeschreibliches Gefühl, wenn im tiefen Urwald tropische bunte Vögel um uns herumfliegen, Faultiere in den Bäumen hängen und Affenfamilien über uns hinweg springen. Die Sichtung eines großen Tieres, aber auch tatsächlich die Geräusche, perfektionieren dieses Erlebnis der echten, wahren Natur, die wir zu Hause so fast gar nicht mehr erleben können.

Gibt es etwas, was Euch auf Reisen auch mal so richtig nervt?

Das Verhalten von so vielen Reisenden! Wir reagieren sehr empfindlich auf Over-Tourism und es zerreißt uns das Herz, wenn wir sehen, wie manche Menschen ignorant die Natur zerstören. Beispiele gibt es überall auf der Welt und natürlich sind es besonders die fragilen, empfindlichen Systeme, die am meisten geschützt werden müssten, die am meisten leiden. Wir finden unheimlich schlimm, wie ignorant einige Reisende ihren Müll in die Landschaft werfen, wilde Tiere anfassen und sämtliche Hinweisschilder ignorieren. Dass das Reisen, was für uns die schönste Sache der Welt ist, unsere Welt auch so kaputt macht, macht uns unendlich traurig.

Habt Ihr eine Art Herzensziel, einen sogenannten „Happy Place“? Also ein Land oder eine bestimmte Location, wo Ihr Euch besonders wohl fühlt und wo es Euch immer wieder hin zieht?

Da gibt es viel zu viele. Wir haben nicht „den einen“ Happy Place – vielmehr beeindrucken uns die meisten Gegenden, in die wir reisen auf irgendeine Art so sehr, dass wir immer wieder kommen möchten. Fast alle Ziele bereisen wir öfter – uns sind niemals „fertig“ damit.

Gab es auch schon mal ein Reiseziel, was Eure Erwartungen NICHT erfüllt hat? Oder seid Ihr sogar schon einmal richtig enttäuscht gewesen von einem Ort?

Jans Campingurlaub als Kind in Porstendorf! :D

Ansonsten hat uns noch kein Reiseziel insgesamt nachhaltig enttäuscht – wir sind aber oft erstmal enttäuscht, wenn wir andere Erwartungen ein Ziel haben. Oft passiert es uns, dass wir denken, dass ein Ziel einsam und wunderschön eingebettet in die Natur ist – aber dann ist es ein vermüllter Touristen-Instagram-Spot mit Klohäuschen und Coffee-To-Go für 7€. Mittlerweile planen wir das bei bekannten oder sehr beliebten Fotospots ein – und suchen uns selbst eher die „Spots zwischen den Spots“, die genauso schön, aber nicht überlaufen sind.

Die für Euch persönlich beste Unterkunft bisher, ganz gleich welcher Art, war … ??

Eine von einem Biologen geführte Lodge in den Bergen Panamas, mitten im Nebelwald. Die Anreise ist nur mit einem voll geländetauglichen Auto oder auf dem Pferd möglich, die Lodge liegt absolut einsam und versorgt sich komplett selbst – inklusive Strom aus Wasserkraft. Die Stille, aber auch die Atmosphäre und die Ausblicke hier oben waren unglaublich! Am Morgen hallten Rufe der Brüllaffen über den Dschungel, auf der Terrasse schwirrten unzählige Arten Kolibris, auf den Wanderwegen begegnete man Tapiren und Jaguaren.

Wer von Euch ist eigentlich „der Schreiber“ für Blog und die Social Media Auftritte? Oder teilt Ihr Euch das und schreibt gemeinsam an Euren Texten?

Die meisten Texte schreibt Sina, es entstehen aber immer alle Texte in Zusammenarbeit.

Wenn Ihr Eure Reisen plant, wie genau geht Ihr da eigentlich vor und wie viel Zeit steckt Ihr dann in die Vorbereitungen? Oder seid Ihr eher spontan und legt gar nicht so viel Wert auf Planung?

Das ist extrem unterschiedlich. Wir sind zum Beispiel schon mehrmals völlig spontan auf mehrwöchige Roadtrips gefahren und haben vorher gar nicht geplant. Auch zur unserer letzten USA-Reise haben wir uns drei Tage vorher ganz spontan entschieden. Reisen, die wir aber beispielsweise mit Fotoaufträgen verbinden, planen wir aber lange und gewissenhaft, um den Zeit vor Ort bestmöglich ausnutzen zu können und um zu den besten Uhrzeiten an bestimmten Spots zu sein.

Euer Fokus liegt ja nicht nur auf dem Thema Reisen, sondern auch ganz klar bei der Fotografie. Sind die neuen Smartphone-Generationen für Euch eine Alternative zum normalen Kamera-Equipment, wenn Ihr unterwegs seid? Oder seht Ihr das eher als so eine Art Spielerei an?

Wir fotografieren im Alltag und auch auf Reisen viel mit dem Smartphone. Wenn es allerdings wirklich um Fotos mit Anspruch und Planung geht, ist das für uns keine Alternative, weil es einfach zu wenig Mitbestimmung und Bildgestaltung erlaubt.

Eure (maximal 10) Lieblingsfotos von unterwegs sind … ??

Sonnenaufgang im Heißluftballon über Kappadokien, Türkei – ein unvergessliches Erlebnis!

Sonnenaufgang im Heißluftballon über Kappadokien, Türkei – ein unvergessliches Erlebnis!

Gletscherlagune in Island – wir lieben die Stimmung im Nebel und die Farben des Eises

Gletscherlagune in Island – wir lieben die Stimmung im Nebel und die Farben des Eises

Der Trollstigen in Norwegen – hier hatten wir riesiges Glück mit der Unwetterfront, die die Szene toll einrahmt

Der Trollstigen in Norwegen – hier hatten wir riesiges Glück mit der Unwetterfront, die die Szene toll einrahmt

Island – magische Stimmung und eine ganz besondere Atmosphäre abends am Godafoss

Island – magische Stimmung und eine ganz besondere Atmosphäre abends am Godafoss

Die Nordlichter zu erleben, macht uns jedes Mal sprachlos und ehrfürchtig. Island bietet die perfekte Szenerie dafür.

Die Nordlichter zu erleben, macht uns jedes Mal sprachlos und ehrfürchtig. Island bietet die perfekte Szenerie dafür.

Der Grand Canyon ist ein Ort, der uns jedes Mal wieder überwältigt. Wir könnten Wochen hier verbringen!

Der Grand Canyon ist ein Ort, der uns jedes Mal wieder überwältigt. Wir könnten Wochen hier verbringen!

Canyon X in Arizona – wir lieben das Spiel mit Formen, Licht und Farben – ein Paradies für Fotografen!

Canyon X in Arizona – wir lieben das Spiel mit Formen, Licht und Farben – ein Paradies für Fotografen!

Monument Valley – eine Landschaft, für die wir keine Worte finden

Monument Valley – eine Landschaft, für die wir keine Worte finden

Ein stürmischer Morgen in Panama, Licht und Wetter zaubern tolle Farben und eine magische Stimmung

Ein stürmischer Morgen in Panama, Licht und Wetter zaubern tolle Farben und eine magische Stimmung

Ein ganz aktuelles Foto aus Schottland – die Landschaft ist absolut überwältigend!

Ein ganz aktuelles Foto aus Schottland – die Landschaft ist absolut überwältigend!

Vier Mal habt Ihr bereits Langzeitreisen gemacht und Deutschland damit für mehrere Monate den Rücken gekehrt. Wie viel Aufwand ist die Planung solch einer Reise und wie finanzieren sich solche Langzeitreisen eigentlich? Und was würdet Ihr jemandem raten, der ebenfalls solch eine Auszeit plant?

In solche Reisen investieren wir mehr Planung, meist mehrere Wochen bis Monate. Schwerpunkte sind hier die Recherche nach dem richtigen Ort bzw. der besten Route. Aber auch die Gegebenheiten vor Ort sind uns wichtig, wie etwa die medizinische Versorgung, die Sicherheit und die Kultur.

Wir finanzieren die Reisen zum Teil über unseren Blog, teilweise mit Fotografieprojekten vor Ort und teilweise über unseren Job – mehr dazu bei Antwort 19!

Der größte Rat, den wir anderen geben können, ist, es letztlich tatsächlich zu machen. Viele träumen und reden davon, setzen diesen Schritt aber nie um. Es scheitert meistens nicht an den Ideen oder Möglichkeiten, sondern am „ernsten Schritt“ der tatsächlichen Umsetzung, die doch irgendwie zu verrückt zu sein scheint. Traut euch!

Wenn man so häufig länger weg von „zu Hause“ ist, kommt einem da nicht manchmal auch der Gedanke einen kompletten Cut zu machen und auszuwandern? Mal rein theoretisch, für welches Land würdet Ihr Euch dann vermutlich entscheiden?

Wir haben diesen Gedanken sehr oft, informieren uns viel und vielleicht werden wir den Schritt irgendwann gehen. Wir könnten uns verschiedene Länder vorstellen – oftmals ist es aber rechtlich leider gar nicht möglich für uns als Selbstständige (z. B. USA) oder das Land würde uns dauerhaft nicht genügend Verdienstmöglichkeiten bieten. In Panama wären wir gerne für immer geblieben – mal schauen, ob das irgendwann Realität wird.

Stichwort Overtourism, welche Orte kommen Euch da in den Sinn, die ihr selber vielleicht schon einmal besucht habt und welche sich im Laufe der Jahre durch zunehmenden Tourismus dann drastisch verändert haben?

Island! Die nordischen Länder sind gerade ein großer Trend und während wir in Island 2013 noch fast völlig alleine waren, fährt man dort mittlerweile in einer Kolonne aus Reisebussen und Selfiesticks. Dieses mystische Land hat für uns dadurch einen großen Teil seiner Magie und Flairs verloren und ist längst nicht mehr das Island von den Fotos, sondern fast zu einem – wie es die Isländer sagen – Disneyland verkommen.

Auch auf unserer letzten Reise nach Schottland waren wir erschrocken über die Massen und den Müll – leider tut es diesen Ländern wirklich nicht gut, dass sie so gehypt werden. Die vielen Reisenden zerstören dort genau das, was sie eigentlich suchen.

Wenn Ihr nicht gerade unterwegs auf Reisen seid, was genau macht Ihr dann eigentlich?

Wir sind beide selbstständige Fotografen. Zusammen haben wir ein Hochzeitsfoto-Business (GLÜCKLICHT Fotografie), konzentrieren uns aber auch immer mehr auf die Reisefotografie. Im Sommer fotografieren wir jedes Wochenende Hochzeiten und arbeiten extrem viel – im Winter sind wir dafür freier und nicht ortsgebunden. Besser geht es für uns eigentlich kaum!

Gibt es etwas, was Ihr abschließend den Lesern sagen möchtet?

Reist nicht, um Länder zu sammeln und Listen abzuhaken. Nehmt euch auf Reisen den riesigen Luxus, endlich mal Zeit zu haben und reist wirklich für euch – nicht für eine Liste. Nur das langsame Reisen ist wirklich intensiv und beschert die unbezahlbaren Erfahrungen, Einblicke und Erinnerungen fürs Leben, die das Reisen so wertvoll machen.

Klappert auch nicht einfach die Spots ab. Seht lieber einen Ort richtig als 10 eigentlich gar nicht. Nehmt euch Zeit für die Spots zwischen den Spots, für das Land und das, was es ausmacht. Das Reisen wird eine ganz neue Qualität bekommen und euch überwältigen!

Wenn Dir das Interview gefallen hat, dann besuche Sina & Jan doch mal auf dem Blog und stöbere ein bisschen auf den Seiten dort!

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Ganz lieben Dank von meiner Seite aus an Sina & Jan, die mir Rede und Antwort gestanden haben. Wenn Ihr selber noch ein paar Fragen an die beiden haben solltet, dann gerne ab damit in die Kommentare.

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