Der ungläubige Blick heute Morgen aus dem Fenster ist inzwischen fast schon Routine … es existiert nicht ein Wölkchen am Himmel. Wenn ich nicht sicher wäre, das wir hier auf Island sind, ich könnte es kaum glauben. Mit allem hab ich gerechnet nach den Wetterkapriolen der letzten Wochen, aber nicht damit. Vor kurzem ist die Ringstraße im Süden noch gesperrt gewesen ist, weil nach tagelangem Regen die Fahrbahn weggespült wurde.

Im Osten herrscht aktuell Dauerschneefall, die Leute dort wissen nicht mehr wohin damit. Und wir stehen hier früh morgens bei bestem Wetter und mit fast schon frühlingshaften Temperaturen bei nicht vorhandenem Wind. Einfach unglaublich.

Sonnenaufgang über Vik

Sonnenaufgang über Vik

 

Für den heutigen Tagesablauf ist das natürlich fast schon wie ein Sechser im Lotto, wir fahren nämlich entlang der kompletten Südküste bis nach Stokksnes. Ich hatte erst überlegt schön gemütlich diverse Punkte anzusteuern und am Ende des Tages dann beim Fosshotel Glacier Lagoon anzukommen.

Aber Robert und ich würden halt nach dem eher suboptimalen Wetter von letztem Mal Stokksnes gerne mal bei guten Bedingungen einen Besuch abstatten. Und das wäre natürlich die Gelegenheit heute.

Also war der Tagesablauf heute eher überschaubar. Fahren, fahren, fahren, Svinafellsjökull Gletscher besuchen, fahren, fahren, fahren, Stokksnes, zurückfahren, fahren, Diamond Beach und dann zum Fosshotel.

Klingt nach nicht viel Abwechslung, mag sich jetzt der ein oder andere denken. Aber wir sind ja hier auf Island und die #1 entlang der Südküste ist sicherlich eine der am schönsten zu fahrenden Straßen die es gibt auf der Welt. Von daher ist auch ‚einfach nur fahren‘ schon eine Augenweide. Immer wieder ertappe ich mich dabei wie ich denke ‚Meine Güte, WAS für eine Fernsicht‘.

Keine Ahnung wie oft ich hier her gefahren bin inzwischen, oftmals sieht man halt die Berge in einigen Kilometern Entfernung gar nicht. Häufig regnet oder stürmt es. Heute kann man bestimmt über 100km weit gucken.

Luft scheint unglaublich klar zu sein, ein Zustand den es wohl nur hier auf Island und dann auch nur im Winter an einem sonnigen Tag wie heute gibt. Ich bin mir nicht sicher ob ich überhaupt schon einmal irgendwann im Leben so weit gucken konnte. Lange bevor wir überhaupt den Lomagnupur erreichen kann man schon Stokksnes relativ deutlich in der Ferne erkennen. Unfassbar.

 

 

Svínafellsjökull

Als wir heute die Schotterstrasse zum Svínafellsjökull abbiegen steht die Sonne noch so tief das sie hinter der Gebirgskette rechts von ihm versteckt ist. Offensichtlich waren wir schneller unterwegs bs hierher als ich gedacht hätte. Aber gut, wir haben halt auch nicht wirklich oft angehalten unterwegs und sind an den meisten Highlights vorbei gefahren … die wollen wir dann auf dem Rückweg ansteuern, da sollten wir noch ausreichend Zeit dafür haben.

Svínafellsjökull aus einiger Entfernung

Svínafellsjökull aus einiger Entfernung

 

Die Zufahrtsstraße zum Gletscher

Die Zufahrtsstraße zum Gletscher

 

Am Parkplatz angekommen steh nur ein einziges Auto noch hier. Wo bitte sind all die Menschen, von denen in letzter Zeit immer wieder zu lesen ist das sie Island überrennen?? Auch hier sind sie offensichtlich nicht. Oder wir haben einfach nur extrem gutes Timing, man weiß es nicht so genau.

Wie auch immer. Während Krisztina und Mario in Richtung Gletscher stiefeln laufe ich mit Robert in die entgegengesetzte Richtung runter zur Lagune.

Interessanterweise bin ich noch nie auf die Idee gekommen dorthin zu gehen, hatte letztens aber irgendwo mal ein Foto gesehen von dem ganzen Eis was dort unten an Land rum liegt. Und das sah relativ interessant aus.

Und da ich schon oft genug oben vor dem Gletscher gestanden habe wollte ich heute in erster Linie mal in die andere Richtung gehen. Und was soll ich sagen, es ist dort unten nicht weniger interessant …

Kleiner Größenvergleich

Kleiner Größenvergleich

 

Selbst am Jökulsarlon habe ich solche Brummer von Eisklumpen noch nicht rum liegen sehen bei meinen bisherigen Besuchen. Wie ein kleines Kind freue ich mich gerade.

Dabei merke ich nicht, wie mein Stativ sich verselbständigt und umkippt. Und zack, der ganze Klumpatsch fällt genau auf den aufgesetzten Filterhalter. Folge: Schraube abgerissen, eine Lamelle kaputt wo die Filterscheibe mit gehalten wird. Ab sofort also nicht mehr einsatzfähig für diesen Urlaub.

Wer den Bericht von letztem Juni gelesen hat dürfte Parallelen entdecken, auch dort bin ich einem kaputten Filterhalter nach Hause geflogen am Ende. Das mir das jetzt schon zum zweiten Mal passiert … na ja. C’est la vie. Viel wichtiger ist aber das Kamera und Objektiv okay sind. Und glücklicherweise hat beides nicht einmal einen Kratzer abbekommen. Gott sei Dank ist der Filterhalter so groß *lach*

Über eine Stunde halte ich mich hier unten auf, ich komme mir vor wie in einer Zauberwelt aus Formen und Farben. Irgendwann habe ich schließlich genug gesehen und ein wenig ärgere ich mich natürlich trotzdem über den kaputten Halter. Also spaziere ich langsam aber sicher zurück zum Auto.

Robert ist schon lange vor mir wieder abgedüst und in Richtung Gletscher gelaufen. Wie der Hase aus der Duracell-Werbung reißt er Kilometer um Kilometer hier ab im Urlaub, immer auf der Suche nach dem optimalen Motiv und perfektem Licht. Selbst wenn alle schon im Auto sind, er ist noch draußen und stets der Letzte der fertig wird. “Eben noch ein Foto“ halt, ja ne … is klar *g*

Mir fehlt an dem Tag jedenfalls der Elan noch hoch zum Gletscher zu gehen, so sehr viel anders als beim letzten Mal wird er kaum ausschauen denk ich mir. Ich begnüge mich damit vom Parkplatz aus ein paar Aufnahmen freihändig mit dem Tele zu machen.

Wahnsinn, welche Dimensionen der Gletscher hier hat

Wahnsinn, welche Dimensionen der Gletscher hier hat

 

Eis am Svinafellsjökull

Eis am Svínafellsjökull

 

Strukturen und Formen im Eis

Strukturen und Formen im Eis

 

Ich merke gerade, dass ich wohl schon zu oft in letzter Zeit hier gewesen bin. An einem gigantischen Ort wie dem Svínafellsjökull zu sein, aber trotzdem das warme Auto zu bevorzugen anstatt das kühle Eis um sich herum, das muss einem erstmal jemand abkaufen.

Vielleicht gehe ich das ganze inzwischen auch einfach viel relaxter an, diese Aufgeregtheit die man beim ersten Mal hier hat ist logischerweise nicht mehr in der Form vorhanden. Das soll allerdings nicht negativ klingen, auch wenn es sich vielleicht gerade so anhört.

Irgendwann sind schließlich alle wieder am Auto und wir machen uns wieder auf den Weg. Und so verrückt es auch sein mag, aber den Jökuklsarlon samt Diamond Beach lassen wir erst einmal links liegen und fahren in der Tat schnurstracks weiter durch bis nach Stokksnes.

 

 

Stokksnes

Hier hat sich ein bisschen was verändert, offensichtlich sind immer noch einige achtlos einfach durch zu den Dünen gefahren ohne vorne im Café zu bezahlen. Daher gibt es ab sofort eine Schranke in der Zufahrt, welche sich nur noch mit einem Ticket öffnen lässt.

Dieses Ticket bekommt man im Viking Café oder außerhalb der Öffnungszeiten draußen am Gebäude an einem Automaten. Bezahlt werden kann dort mittels Kreditkarte oder isländischen Kronen. Der Preis beträgt umgerechnet 8 EUR pro Person.

Das schöne Wetter heute ist etwas trügerisch hier draußen auf der Landzunge, es stürmt nämlich das sich die Balken biegen. Durch den aufgewirbelten Sand überall hat man diesen ständig zwischen den Zähnen und es knirscht und knarzt was das Zeug hält. Viel schlimmer ist aber das der Sand auch ständig den ganzen Fotokram malträtiert. Außerdem fällt es einem wirklich schwer überhaut stehen zu bleiben wenn man fotografiert, häufig wird man regelrecht weggepustet.

Daran ein Stativ aufzubauen braucht man nicht einmal ansatzweise zu denken, das hätte keinen Wert. So artet die Fotografiererei hier heute irgendwie tatsächlich schon fast in Arbeit aus. Jeder Schuss ist regelrecht Glückssache.

Hat man etwas Glück mit dem Timing erwischt man vielleicht mal zwei oder drei Sekunden wo es nicht ganz so extrem windet. Aber das ist wirklich die Ausnahme.

Stokksnes und Vestrahorn im Hintergrund, einer der fotogensten Berge der Insel

Stokksnes und Vestrahorn im Hintergrund, einer der fotogensten Berge der Insel

 

Okay, ich muss zugeben, ich hatte mir ja im Vorfeld gewünscht und auch geschrieben das es von mir ein Traum wäre Stokksnes mal bei schönem Wetter zu erleben. DAS hat zumindest ja geklappt.

Vermutlich hätte ich dem Wunsch noch hinzufügen sollen, dass wenig Wind ebenfalls toll gewesen wäre. Aber naja, man kann eben nicht alles haben und irgendwie ist das auch jammern auf hohem Niveau gerade.

Andere haben den Berg Vestrahorn nichtmals gesehen als sie hier gestanden haben, weil es so neblig oder wolkenverhangen gewesen ist. Also was soll’s. Ich bin mir irgendwie sicher, dass es nicht der letzte Besuch hier gewesen sein wird, von daher …

Vestrahorn und schwarzer Lavasand in Stokksnes

Vestrahorn und schwarzer Lavasand in Stokksnes

 

Die tollen Fotos, wo der Berg sich im Wasser spiegelt, lassen sich heute leider nur direkt vorne am Meer machen. Die Lagune ist weitestgehend zugefroren und daher spiegelt sich da aktuell auch nichts. Und am Meer ist das immer eine elendige hin und her Rennerei. Wasser zieht sich zurück, schnell hinlaufen, positionieren, aufpassen vom Wind nicht umgeblasen zu werden, hoffen das alles scharf ist, abdrücken und schnell wieder zurück laufen damit man nicht nass wird.

Anders als bei Reynisfjara kann einem hier zwar nicht viel passieren, aber nasse Füsse möchte ich irgendwie trotzdem nicht haben bei diesen Temperaturen. Dabei fällt mir beim schreiben gerade auf – wo waren eigentlich meine Wader, die ich extra mitgenommen hatte für solche Fälle? Ich find’s ja immer toll super vorbereitet zu sein und alle möglichen Dinge dabei zu haben, es wäre nur prima wenn ich sie auch mal benutzen würde *hust*

Reflexion am Strand

Reflexion am Strand

 

Trotz starkem Wind halten wir uns hier relativ lange auf. Vermutlich wollten wir die lange Anfahrt wenigstens ein Stück weit ausnutzen. Als wir schließlich fertig sind fahren wir noch kurz nach Höfn zum Kronan Supermarkt einige Besorgungen machen und anschließend geht es wieder gen Westen in Richtung Fosshotel.

Unterwegs stoppen wir noch an einer alten Ruine, die haben wir auf dem Hinweg bereits gesehen und auch von den anderen Fahrten hier hatte ich sie noch in Erinnerung. Fotogenes Ding in toller Kulisse. Das seit diesem Jahr ein dämliches Graffiti an die Wand geschmiert wurde muss ich wohl nicht weiter kommentieren.

Lost Place am Straßenrand

Lost Place am Straßenrand

 

 

Diamond Beach

Bevor wir nun endgültig zum Hotel fahren stoppen wir am Diamond Beach. So gruselig der Name für einige eingeschworene Islandfans auch sein mag, er hat sich leider inzwischen eingeprägt in den Köpfen der Leute und im Internet.

Die Vorfreude bei mir war wieder einmal riesig. Leider konnten die hohen Erwartungen dieses Jahr aber nicht ganz erfüllt werden. Irgendwie war mir das aber auch vorher schon klar glaube ich.

Wer meinen Bericht von letztem Jahr kennt und gelesen hat weiß welche perfekten Bedingungen wir hier drei Tage lang hatten. Es war ähnliches Wetter wie heute, nur eben völlig windstill und mit deutlich mehr Eis am Strand. Das war im Moment doch recht ‚überschaubar‘ um es mal vorsichtig auszudrücken. Um die wenigen größeren Eisklumpen standen jedes Mal viele Leute, dazu war ja mein Filterhalter eh im Brötchen und ich konnte keine Langzeitbelichtungen mehr machen.

Ohne Filter und bei Sonne war daran aber nicht wirklich zu denken. Der starke Wind hat sein übriges dazu beigetragen das ich irgendwie keine richtige Lust hatte mich heute hier auszutoben. Also hab ich nur ein paar wenige iPhone-Fotos geknipst und bin ansonsten andächtig den Strand rauf und runter gelaufen. Die anderen habe ich dann auf dem Rückweg irgendwo wieder getroffen.

Faszinierendes Eis am Diamond Beach

Faszinierendes Eis am Diamond Beach

 

Am Diamond Beach

Am Diamond Beach

 

Zurück am Auto bietet sich noch ein kurioses Bild. Eine Limousine hat sich hinter dem neu angelegten, markierten Parkplatz im schwarzen Sand festgefahren. Die Vorderreifen sind inzwischen eingegraben bis zum Unterboden. Häää !?!? Ich hab beim besten Willen keine Ahnung warum man glaubt mit solch einem Auto über den losen Sand hier fahren zu können, aber über solche Dinge zerbricht man sich besser auch nicht den Kopf.

Jedenfalls haben es geschätzte 8 Personen nicht geschafft den Wagen auch nur ansatzweise einen Millimeter zu bewegen. Am nächsten Morgen war das Auto aber weg, anscheinend ist es dann irgendwann von einem Super Jeep oder was weiß ich raus gezogen worden. Ich hoffe der Fahrer hat noch eine schöne Strafe zusätzlich aufgebrummt bekommen und lernt daraus. Strände und Sandurflächen, egal WO auf Island, befährt man nicht. Egal mit welchem Auto, egal aus welchem Grund.

 

 

Fosshotel Glacier Lagoon

Unsere Unterkunft heute kennen wir ja bereits schon von letztem Jahr. Auch jetzt scheint das Fosshotel Glacier Lagoon gut gebucht zu sein und ein kurzer Check auf einem Buchungsportal zeigt mir: Komplett ausgebucht. Diesen Check mache ich inzwischen immer, ganz einfach weil ich selber neugierig bin ob es auch möglich gewesen wäre spontan noch ein Zimmer zu bekommen. Hier wäre es definitiv nicht mehr möglich gewesen, ganz gleich welche Kategorie.

Unsere Zimmer liegen jedenfalls ganz am Ende des Gebäudes, irgendwie hatte ich wohl tatsächlich beim Zimmerwunsch ‚ruhig‘ angegeben hab ich später festgestellt und man ist diesem tatsächlich nachgekommen. Nachdem wir uns für zwei Nächte hier häuslich eingerichtet und etwas gegessen haben folgt ein für mich inzwischen übliches Prozedere. Ich geh mal eben raus, Sterne fotografieren *lach*

Und heute bleiben es auch in der Tat nur Sterne. Polarlicht ist zwar vorhanden gewesen, aber es war nur extrem schwach hinter dem Berg zu erahnen wo das Fosshotel nun einmal leider genau vor steht. Und großartig irgendwo hin fahren wollte keiner von uns heute mehr.

Der Grund dafür war relativ einfach, morgen erwartet uns nämlich vermutlich ein anstrengender Tag. Die Gletscherwanderung samt Besuch zweier Eishöhlen steht auf dem Plan und dafür möchten wir alle fit und ausgeschlafen sein. In diesem Sinne, gute Nacht.