Nach dem Urlaub ist immer vor dem Urlaub und nach unserer Rückkehr aus Namibia ging die Überlegung für die nächste Reise in Richtung USA/Rocky Mountains. Ich fing also Ende des letzten Jahres mit der Planung an, doch irgendwie wollte der Funke nicht so recht überspringen und ich war etwas lustlos bei der Sache.

Eines Freitagabends blätterte ich in der Fernsehzeitung, als mir die Ankündigung eines Island-Krimis ins Auge stach. Island im Juni – das war’s! Wir waren zwar erst 2017 dort, doch damals mussten wir wetterbedingt auf viele Spots verzichten und schworen, dass wir noch einmal wiederkommen werden.

Mein zweiter Gedanke an jenem Abend: werden wir bei Martina und Jón unterkommen? Besonders Jón hat uns beide so nachhaltig begeistert, dass klar war, dass wir unsere Reisezeit noch deren Verfügbarkeit richten werden. Ich hab dann einfach dort angerufen, Jón war am Apparat und war amüsant geschmeichelt, als er das hörte. Ich bat ihn, das Zimmer bis Montag zu reservieren, denn ich hatte ja noch gar keinen Plan, was wir machen wollten.

Das komplette Wochenende stellte ich nun eine dreiwöchige Route für Ende Mai zusammen und erfreulicherweise waren die Unterkünfte in Island wesentlich einfacher zu buchen als vor drei Jahren. Die meisten Zimmer hatten nun ein eigenes Bad und waren trotzdem günstiger als bei unserem ersten Aufenthalt. Am Montag wurden die Hotels gebucht und dann kümmerte ich mich um den Mietwagen und zuletzt um den Flug. Also in genau umgekehrter Reihenfolge als gewohnt. Somit waren von der Idee zur kompletten Buchung gerade mal vier Tage vergangen.

Und dann kam Corona.

 

Island im Juni/Juli – Prolog

Als der Lockdown Mitte März begann, war ich nicht beunruhigt, denn es war ja noch lange hin. Doch es stellte sich bald heraus, dass die Auswirkungen auch unseren Urlaub beeinflussen werden. Am 6. Mai wurde unser Wizz Air Flug für den 23. Mai gestrichen. Ich verschob auf den 6. Juni und buchte alle Hotels um. Glücklicherweise hatte ich alle auf Booking.com gebucht, damit war die Bucherei überschaubar. Und bis auf drei Unterkünfte waren auch alle kostenfrei stornierbar.

Am 12. Mai gab die isländische Regierung bekannt, dass die Einreise nach island ab dem 15. Juni nur noch mit einem negativen Covid-19 Test möglich sei. Bis dahin war noch eine 14tägige Quarantäne notwendig. Also buchte ich wieder alles auf den 25. Juni um – immer mit Rücksprache von Martina, die mir allerdings für diesen Zeitraum die letzte Nacht nicht mehr garantieren konnte. Die anderen Hotels waren auch nicht immer verfügbar, so musste ich sehr viel stornieren und neu buchen.

Zum Glück hatte ich den Flug noch gar nicht angegriffen. Hier hatten wir einen positiven Aspekt, denn die neuen Flüge waren sogar in der höchsten Klasse deutlich billiger und wir konnten uns dadurch über 330 Euro ersparen – vorausgesetzt, die Airline zahlt das Geld wie versprochen zurück. Zum Schluss wollte ich noch den Mietwagen auf das neue Datum ändern, da setzte es mich gleich tiefer in meinen Sessel: statt 1.770,00 Euro sollte er nun satte 2.360,00 Euro kosten! Wie ich herausfand, werden die Preise just am 25. Juni erhöht. Also wieder umbuchen!

Der Flug war kein Problem, in unserer Klasse können wir gratis umbuchen. Letztlich wurden es zwei Tage mehr und der Abflug ist am 23. Juni. Die Wizz Air hat später alle Donnerstagsflüge gestrichen, damit hätten sie sowieso nicht mehr am 25. fliegen können. Mit den Hotels hatte ich ein bisschen zu kämpfen, doch nach einem durchgearbeiteten Samstag hatte ich alles unter Dach und Fach und machte ich im Stillen drei Kreuze drunter!

Anfang Juni meldete sich Arnold, ein befreundeter Fotograf bei mir, der eine Woche vor uns nach Island fliegen wollte. Er hatte gerade erfahren, dass ein im Ausland gemachter Covid-19 Test in Island nicht mehr akzeptiert wird und alle in Keflavik einen Test machen müssen. Wir hatten einen Termin am Flughafen am Tag vor dem Abflug, damit wir die 4 Tage Regel einhalten können. Durch die geänderten Vorschriften war das jetzt hinfällig. Wir wollten aber trotzdem sicherheitshalber in Wien den Test machen, um größeren Schaden bei Stornierungen zu verhindern und machten das ein paar Tage vor Abflug bei labors.at. Dort kostet der Test nur 140 EUR, am Flughafen hätten wir 190 EUR bezahlt.

Es war gar nicht so schlimm wie alle sagen, Karsten hat es etwas ärger als ich empfunden. Aber bereits nach ein paar Stunden hatten wir einen negativen Bescheid. Damit war eine große Hürde geschafft und ich wage nach Wochen zwischen Hoffen und Bangen an unseren Urlaub zu glauben. Jetzt muss nur noch in Island alles gutgehen, dann können wir endlich aufatmen.

 

Wer sind wir?

Wir sind Martina und Karsten. Wir haben uns vor nunmehr 19 Jahren ganz klassisch im Internet kennengelernt und leben seitdem zusammen in meiner Heimatstadt Wien. Karsten stammt aus Bad Vilbel, das ist gleich neben Frankfurt am Main.

Ich arbeite im Geschäftsreisenbereich und Karsten hat sich vor fünf Jahren als Computerspezialist und Digitalisierer selbstständig gemacht. Uns verbindet neben der Leidenschaft zum Fotografieren die Freude am Reisen und so schätzen wir uns glücklich, jedes Jahr eine großartige Fernreise machen zu können.

Unsere schönsten Reisen gingen in den letzten Jahren in den Westen Kanadas, nach Neuseeland und Hawaii. Island ist für uns sehr ideal, weil es relativ schnell zu erreichen und die Landschaft so vielfältig und abenteuerlich ist.

Für die Urlaubsplanung bin ich (Martina) zuständig und jede Reise beginnt mit einer Google Map, in der die einzelnen POIs zu einer Route zusammengefasst werden. Da es sich hierbei in der Regel um sehr viele Punkte handelt, hat sich in den letzten Jahren ein bebildertes Roadbook als sehr hilfreich erwiesen.

Während der Tour schreibe ich in Echtzeit den Reisebericht, was einerseits einen ziemlichen Stress bedeutet, andererseits dadurch aber auch sehr authentisch ist. Aber ich schreibe sehr gern und bin sehr dankbar, dass ich hier diesen Reisebericht präsentieren darf.

 

Info

Wir beginnen hier mit der Anreise an Tag 1, im weiteren Verlauf des Reiseberichtes wird dann jede Woche auf einer eigenen Seite zu finden sein, damit es etwas übersichtlicher bleibt und man auch vernünftig navigieren kann. Am unteren Ende der Seite, sowie rechts oben in der Seitenleiste, besteht die Möglichkeit jeweils zur vorherigen bzw. nächsten Woche zu springen.

 

1.Woche / 23.Juni – 30.Juni 2020

Dienstag, 23.6.2020 / Ankunft Keflavik & Fahrt zur Unterkunft am Úlfljótsvatn

Jetzt geht’s los, Abflug ist um 13:20 Uhr. Feine Zeit!

Am Flughafen ist mäßig was los, wir kommen überall schnell durch. Es wird nur der Terminal 3 bespielt, unser Abflug-Gate ist noch nicht bekannt und wir machen uns auf die Suche nach etwas Essbaren. Vor dem einzigen offenen Snackstand drängen sich die Leute, man hört viel Italienisch. Die Preise sind unverschämt teuer, ein gefülltes Baguette kostet 7,20 EUR. Vielleicht sind die immer so teuer, vielleicht wird auch nur die momentane Monopolstellung ausgenutzt, man weiß es nicht.

Nun, so verzweifelt sind wir nicht und werden am Ende des menschenleeren Ganges bei zwei gut gefüllten Automaten fündig. Für einen geeigneten Platz zum Essen haben wir die Qual der Wahl und fläzen uns auf zwei von diesen gepolsterten Liegen, die es auf dem neuen Terminal gibt.

Jetzt ist auch unser Gate am Schirm, wir haben Priority Seating und dürfen mit der ersten Welle ins Flugzeug. Weit haben wir es nicht, denn wir sitzen gleichen der ersten Reihe. Der Sitz zwischen uns bleibt frei, das hat aber eher mit dem Extrapreis für den XL-Sitz zu tun als mit Covid-19 Vorkehrungen, denn die Maschine ist gut gefüllt und sitzen direkt nebeneinander. Die Maske müssen wir während des gesamten Fluges auflassen, ich finde es nicht schlimm, wobei ich die Stoffmaske der aus Zellstoff vorziehe.

Ein Mann mittleren Alters sagt beim Einsteigen, dass dies sein erster Flug sei und er etwas nervös ist. Ob er den Piloten kurz sprechen könnte? Tatsächlich nimmt sich der Captain des Mannes an und die beiden plaudern ein paar Minuten vor dem Cockpit über Flugerfahrung, Wetter und Sicherheit. Dann streut die Flugbegleiterin noch ein, dass er sowieso der beste Captain ist und der Mann geht mit dem Ausdruck eines staunenden Kindes zu seinem Sitzplatz. Eine berührende Szene!

15 Minuten früher als geplant setzt die Maschine in Keflavik auf und wir sind die ersten draußen. Durch eine Glasscheibe getrennt winkt uns Arnold wie verrückt zur Begrüßung zu. Er und seine Fotogruppe nehmen unseren Flieger zurück nach Wien.

Bevor wir noch unser Gepäck erhalten, werden wir zum Covid-19 Test umgeleitet. Im 5-Minuten-Takt werden hier alle ankommenden Passagiere durch einen Mund- und Nasenabstrich getestet. Dieses Mal ist es etwas ungemütlicher. Die gute Frau bohrt mir mit dem Wattestäbchen so tief in die Nase, dass ich befürchte, sie kommt hinten wieder raus. Es brennt leicht. Dann dreht sie es knapp unter meinem Hirn ein paar Mal beherzt herum, dass mir ganz anders wird. Der Mundabstrich geht schneller und wir sind durch.

Unsere Koffer drehen schon eine Ehrenrunde und wir schieben uns vollgepackt zum Hertz Schalter. Beim Unterschreiben lese ich, dass man uns einen Qashqai geben will. Der Toyota RAV 4 ist angeblich eine andere Kategorie. Kann ja gar nicht sein, denn wir haben ja einen RAV 4 (oder ähnlich) gebucht. Die beiden Angestellten beteuern, dass es sich beim Qashqai um ein gleichwertiges Auto handelt. „Und der Kofferraum ist auch gleich groß?“, frage ich. Das glaube ich nämlich nicht. „Doch, doch, das geht sich aus“, sagt der Hertz-Angestellte.

Zähneknirschend nehmen wir den Schlüssel und machen uns auf die Suche nach dem Qashqai. Wie erwartet die der Kofferraum viel zu klein, da gehen nicht einmal unsere beiden großen Koffer rein, geschweige denn mein Trolley und der Handkoffer. Ich mache noch ein Bild des Versuches und gehen zurück zum Schalter. Meine Beharrlichkeit zahlt sich aus und plötzlich gibt es doch einen RAV 4 mit einem weitaus größeren Kofferraum.

Eigentlich müssten wir jetzt ohne Umweg in unser Quartier fahren und dort bleiben, bis die Testergebnisse da sind. Wir brauchen aber Lebensmittel für die nächsten drei Tage und bei der Hütte am See beim Þingvellir Nationalpark gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten.

Also auf zum Nettó in Keflavik, wo wir alles fürs Frühstück und noch mehr kaufen. Im Supermarkt merkt man nichts von einer Pandemie, weder tragen die Kunden eine Maske noch sind die Verkäufer irgendwie geschützt – direkt ungewohnt heutzutage.

Die Hütte am See ist für die nächsten drei Nächte unsere Unterkunft und gehört Martina und Jón, bei denen wir am Ende unserer Reise wohnen werden. Trotz sehr detaillierter Beschreibung braucht es vier Versuche, bis wir den richtigen Weg zur Hütte finden.
Der versteckte Schlüssel ist gleich gefunden und wir retten uns vor den mutierten Killergelsen schnell ins Innere. Wahrscheinlich sind die Viecher eh harmlos und stechen nicht, doch sie treten in solchen Schwärmen auf, dass uns die Lust vergeht, die Terrasse zu betreten.

Der Ausblick auf den See ist toll, malerisch liegt ein weißes Boot am Ufer und von gegenüber spiegelt sich die Úlfljótsvatnskirkja im Wasser. Es ist bereits kurz vor 20 Uhr, wir bringen nur schnell unsere Koffer hinein, denn die Restaurants haben nur bis 21 Uhr geöffnet und liegen nicht gerade ums Eck. Bis auf das Borealis Hotel, doch das hat offenbar Corona nicht überlebt. Also sputen wir uns zum Minniborgir Restaurant, die uns aber auch noch um halb neun freundlich aufnehmen.

Die Sonne steht hoch am Himmel, als wir eine Stunde später zurück an den See fahren. Damit es etwas gemütlicher wird, entfachen wir im Kamin ein Feuer. Kurz nach 22 Uhr kommt dann die erlösende Mail: „You have not been diagnosed with COVID-19“. Mir fällt ein Stein vom Herzen, jetzt können wir unseren Urlaub endlich genießen!

Aussicht von der Terrasse unserer Hütte

Aussicht von der Terrasse unserer Hütte