Der Bruarfoss in Island. Was ranken sich nicht auch heutzutage noch für Gerüchte um diesen Wasserfall. Seinen Beinamen „Brückenwasserfall“ verdankt der Bruarfoss einer alten Brücke, die ihn an einer schmalen Stelle früher überspannt hat. Viele Besucher haben den Wasserfall früher vergeblich gesucht und sich verlaufen, andere haben sich schon auf der Anfahrt im Wust der kleinen Schotterstraßen einer Siedlung verfahren und sind nicht einmal am inoffiziellen „Parkplatz“ angekommen.

Nun, dieses oben beschriebene Szenario gehört nun leider Gottes der Vergangenheit an. Die alte Zufahrt in die Ferienhaussiedlung Tjaldsvæði STÍS ist für Touristen endgültig gesperrt worden. Die Eigentümer der Ferienhäuser sind es irgendwann wohl einfach leid gewesen, dass ständig und überall die Mietwagen kreuz und quer in der Siedlung geparkt haben. Egal, ob nun mitten in der Botanik oder am Rand der Fahrbahn.

Die Besucherzahlen hatten sich im zweiten Quartal des Jahres 2017 bereits auf über 2000 Personen an nur einem einzigen Wochenende erhöht. Das ist gleichbedeutend mit einem Todesurteil für die Natur.

Um dem entgegenzuwirken, wurde nun ein völlig neuer Parkplatz an der Straße #37 angelegt, dort wo die Straße in Form einer kleinen Brücke über die Bruara führt. Ab hier muss man nun eine 3.1 km Wanderung (oneway) in Kauf nehmen. Einige isländischen Medien haben bereits im Sommer 2017 angedeutet, dass dieser Schritt nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte. Selbst dem TV-Sender Stöð 2 war das Thema seinerzeit einen Beitrag wert.

 

Update 26.09.19

Martin, ein Leser des Blogs, war am 19.09.am Bruarfoss. Er hat mir einen hilfreichen Kommentar weiter unten hinterlassen, den ich hier gerne noch einmal wiedergebe:

„Wir waren am 19. Sept. 2019 da, was für ein toller Fluss! Aber der Weg, oh jee, man konnte zeitweise gar nicht anders als einfach tief im Schlamm stehen…
Die erste Hälfte des Weges sind guter Schotter, man kommt schnell voran. Dann steht ein eindringliches Schild, der Weg am Fluss entlang sei «impassable» und ein Wegweiser «Bruarfoss» zeigt etwas nach rechts in die Heidelbeeren. Der deutlich erkennbare Weg führt dort über den Bach, nach anfangs etwa fünf Meter Kunststoffplatten durch das Moor und war ein einziges Schlammfeld, bis man endlich den Hlauptungufoss erreicht. Der auf OpenStreetMap eingezeichnete Verlauf scheint mir recht exakt zu sein.

Ab da war der Weg dann wieder tiptop, kurz vor dem Midfoss läuft man von hinten an ein riesiges Schild «Private Property». Hmm…, was will das Schild uns sagen? Dass wir uns auf dem ausgeschilderten Weg doch falsch verhalten haben? Wir sind uns ziemlich sicher, dass wir der Idee dessen gefolgt sind, der die Schilder aufgestellt hatte.

Beim Schreiben dieser Zeilen ist uns durch den Kopf gegangen, ob vielleicht der «richtige» Weg anstatt durch das Moor durchs Feriengebiet gehen würde. Dann würde aber das südliche «Private Property»-Schild fehlen und der Wegweiser «Bruarfoss» wäre falsch bzw. verdreht. Und eine Verzweigung in Richtung Feriengebiet ist uns ebenfalls nicht aufgefallen, könnte aber an uns liegen…“

Update 08.08.19

Joachim, ein Leser des Blogs, ist am 8.August 2019 vor Ort am Bruarfoss gewesen und hat in den Kommentaren drauf hingewiesen, dass der Fußweg nun über weite Teile geschottert und gut zu laufen ist. Die Matschepampe an einigen Stellen des Trails sollte somit allmählich der Vergangenheit angehören. Am Midfoss wurde zudem inzwischen eine Bank zum Verweilen aufgestellt. Zum Hlauptungufoss kommt man inzwischen leider nicht mehr.

DANKE an Joachim für den Hinweis in den Kommentaren!

Update 14.06.19

Die Wanderung führt inzwischen NICHT mehr die ganze Zeit am Fluss entlang, den Hlauptungufoss erreicht man mittlerweile wohl auch nicht mehr über diesen Weg. Nach circa 800m auf dem offiziellen Trail kommt ein Hinweisschild, dass man nach rechts über einen Hügel in die Ferienhaussiedlung abbiegen muss. Würde man geradeaus weiter gehen, dann würde man Privatgrundsitz betreten – und das ist in diesem Fall nicht erlaubt. Man darf gespannt sein, wie es in nächster Zeit dort weitergeht.

Update 13.10.18

Stand 13.Oktober schaut es wohl so aus, dass der neue Wanderweg vom offiziellen Parkplatz aus zu einem Teilstück ganz normal begehbar ist und die ganze Zeit am Fluss entlang führt. Dort kommst Du auch noch am Midfoss und Hlauptungufoss vorbei. Vor der ersten Holzbrücke macht der Weg dann allerdings einen Rechtsknick in die Ferienhaussiedlung, von wo aus der Weg ganz offiziell nun ausgeschildert ist. Diese Variante dürfte nun eine Übergangslösung sein, so lange bis der neue Wanderweg komplett fertiggestellt wurde.

Update 07-2018 !ACHTUNG! Der Bruarfoss ist aktuell NICHT mehr länger erreichbar. Egal von wo aus, egal von wem. Einer der Landbesitzer hat den neu angelegten Pfad für die Öffentlichkeit gesperrt! Es ist ein für mich durchaus nachvollziehbarer Schritt. Trotzdem ist es natürlich traurig, dass es tatsächlich SO weit kommen musste und ein Großteil zu dieser drastischen Maßnahme haben wohl wieder zahlreiche, völlig rücksichtslose Touristen beigetragen.

Achtlos weg geschmissener Müll und die Beschädigung der Natur links und rechts des offiziellen Trampelpfades waren dann letzten Endes zu viel des Guten. Es ist einfach unfassbar, wenn man liest das Touristen selbst Fäkalien, Toilettenpapier und anderen ekeligen Kram in der Natur entsorgen. Solch ein respektloses Verhalten sollte eigentlich teuer bestraft werden, aber wer soll das vor Ort kontrollieren?

Ich bin froh und dankbar, dass ich den Wasserfall 5x besucht habe. Umso trauriger ist es, wenn man die Entwicklung der letzten Jahre verfolgt hat. Ein weiterer Grund, solche Locations zukünftig nicht mehr in die Welt hinauszutragen, sondern innezuhalten und sie für sich zu behalten. Denn so etwas möchte ich nicht mit zu verantworten haben. Meine Gedanken dazu habe ich bereits im Artikel Overtourism und die Folgen aufgeschrieben.

 

Eine von mir erstellte Ggooglemaps-Karte verschafft einen kleinen Überblick. Das rote X kennzeichnet die alte, NICHT mehr gültige Zufahrt. Dort wird von Zeit zu Zeit trotzdem noch ganz gerne vor der Schranke geparkt. Bitte, liebe Leute: LASST DAS EINFACH SEIN! Hier wird regelmäßig kontrolliert !! Die Abschleppkosten sind teuer und der offizielle Parkplatz direkt an der Straße ist groß genug!

GPS Koordinaten Bruarfoss

Aktueller Parkplatz an der #37
64.240117, -20.524250
64°14’24.4″N 20°31’27.3″W

Brúárfoss
64.264722, -20.516389
64°15’53″N, 20°30’59″W

Hlauptungufoss
64.252333, -20.518350
64°15’08.4″N 20°31’06.1″W

Midfoss
64.25768, -20.51539
64°15’27.7″N 20°30’50.6″W

 

Bruarfoss Wanderung

So sieht der neu angelegte Parkplatz nun aus. Mein Dank gilt an dieser Stelle Tino aus meiner Island-Facebookgruppe, der so freundlich gewesen ist und vor Ort für mich ein paar aktuelle Bilder gemacht hat und mir diese hier zur Verfügung stellt.

Der neu angelegte Parkplatz zum Bruarfoss

Der neu angelegte Parkplatz zum Bruarfoss

 

"Leer" ist es hier leider nur noch relativ selten

„Leer“ ist es hier leider nur noch relativ selten

 

Das Hinweisschild ist eindeutig - Campen ist hier strikt verboten

Das Hinweisschild ist eindeutig – Campen ist hier strikt verboten

 

Hinweisschild auf die 3.1km lange Wanderung

Hinweisschild auf die 3.1km lange Wanderung

 

Wer die Wanderung in Angriff nehmen möchte sollte schauen, dass er Wasser – und Schlammfeste Schuhe mit dabei hat. Die Bodenbeschaffenheit ist über weite Strecken des Trails ungefähr genau SO, wie es früher hinter der kleinen Holzbrücke der Fall gewesen ist – jeder der schon einmal dort gewesen ist wird wissen welche Stelle ich meine.

Trail, matschig und gewöhnungsbedürftig

Trail, gutes und festes Schuhwerk ist hier Pflicht

Unterwegs zum Bruarfoss

Der neue Trail zum Bruarfoss

Der neue Trail zum Bruarfoss

 

Wenn man sich die Bilder so anschaut, muss man sich ernsthaft fragen, was nun das kleinere Übel ist. Die paar Meter von früher von den Besuchern zertrampeln zu lassen, oder aber die neuen 3.1km entlang des Flusses jetzt. Die Beschaffenheit des Trails ist unterirdisch und die Natur hier leidet ja nicht wirklich weniger durch den stetig anwachsenden Besucherstrom. Man kann wohl sogar inzwischen so weit gehen zu sagen, dass der Golden Circle um eine ‚Attraktion‘ reicher geworden ist. Dass er das schon immer war, allerdings nur wenige davon Kenntnis hatten, steht auf einem anderen Blatt.

Bleibt zu hoffen, dass 3.1km zu weit sind um hier auch noch Bustouristen abzuladen !!! Es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis nach einer idealeren Lösung für den Weg gesucht wird – wie immer diese auch aussehen mag.

Der neu angelegte Weg führt jetzt jedenfalls unter anderem auch noch an zwei weiteren, sehenswerten Wasserfällen vorbei – dem Midfoss und dem Hlauptungufoss. Von beiden haben bis vor kurzen genau 4 Fotos im Netz existiert, ich denke gerade vom Hlauptungufoss wird man zukünftig noch so einige sehen.

Midfoss

Midfoss

 

Hlauptungufoss

Hlauptungufoss

 

Irgendwann schließt sich der Kreis vom neuen und alten Trail und man trifft auf diese neu errichtete Holzbrücke. Dahinter geht man dann auf einem Teilstück weiter, welches man auch früher bereits laufen musste.

Die neu errichtete Holzbrücke

Die neu errichtete Holzbrücke

 

Die alte Brücke unten auf dem Foto dürfte damit endgültig entlastet werden. Früher war man innerhalb von 2 Minuten vom alten Parkplatz in der Siedlung aus hier an der alten Holzbrücke. Heutzutage ist man bereits knapp 3km unterwegs gewesen wenn man die neue Holzbrücke erreicht.

Die alte Holzbrücke

Die alte Holzbrücke

 

Die Stelle hinter der alten Brücke … SO wie dort damals schaut heute der aufgeweichte Boden über weite Strecken aus!

Matschepampe, nicht mehr wirklich soooo feierlich zum laufen

Matschepampe, nicht mehr wirklich soooo feierlich zum laufen

 

Hat man diese Stelle damals hinter sich gelassen ist man für zwei, drei Minuten durch eine Art kleines Wäldchen aus hohem Gestrüpp und Büschen gelaufen

Der Pfad durchs Gebüsch

Der Pfad durchs Gebüsch

 

Schlimm wird der Zustand des Trails erst wieder ganz zum Schluss, kurz bevor man den Bruarfoss erreicht. Diese Stelle war immer schon übel und daran hat sich auch nichts verändert … das aktuelle Bild zeigt das ganz gut.

Das Ziel ist in Sicht

Das Ziel ist in Sicht

 

Die Brücke beim Bruarfoss

Die Brücke beim Bruarfoss

 

Eine Aufnahme von meinem ersten Besuch im Jahre 2014. Kein Mensch außer mir war hier damals weit und breit zu sehen

Eine Aufnahme von meinem ersten Besuch im Jahre 2014. Kein Mensch außer mir war hier damals weit und breit zu sehen

 

 

Einer der schönsten Wasserfälle Islands

Der Bruarfoss ist nicht sonderlich hoch, man kann auch nicht hinter ihn her wandern oder steht an einer beeindruckenden Abbruchkante. Trotzdem – er zählt für mich persönlich zu einem der absolut schönsten Wasserfälle auf Island. Die Bilder, welche man immer im Netz sieht, lügen auch nicht. Die Farbe ist wirklich genau SO, wie man es immer sieht! Dieses extreme blau haben ja einige Wasserfälle auf Island.

Der Grund dafür liegt in der erhöhten Erdwärme in den vielen Geothermalgebieten. Dort enthält das Gestein in aller Regel spezielle Mineralien, von welchen sich dann färbende Schwefel- oder Eisenverbindungen im Wasser lösen und es – wie hier – in diesem unfassbaren blau erscheinen lassen.

Was soll man dazu sagen … am besten nichts, denn jedes Wort würde nur die Stimmung kaputt machen. Hier ist einfach nur genießen und staunen angesagt!

Kurze Langzeitbelichtung von exakt 1 Sekunde vom Bruarfoss

Kurze Langzeitbelichtung von exakt 1 Sekunde vom Bruarfoss

 

Bruarfoss from air, aufgenommen mit der Phantom 4 Pro

Bruarfoss from air, aufgenommen mit der Phantom 4 Pro

 

Bruarfoss aus der Luft

Bruarfoss aus der Luft

 

Bruarfoss Upside down

Bruarfoss Upside down

 

Unterschätze niemals die Macht des Wassers

Immer wieder kann man einige Verrückte (anders kann ich es nicht bezeichnen) links und rechts des Bruarfoss ins Wasser laufen sehen. Sei es nun mangels Geld für die Investition in ein Teleobektiv oder mangels vorhandener Gehirnzellen. Lass das einfach sein !!

Die Fließgeschwindigkeit des Wassers ist nicht zu unterschätzen! Des Weiteren hat man bisher immer noch keine präzisen Angaben zur Wassertiefe machen können! Es wird vermutet, dass das Wasser oberhalb des sichtbaren Bereiches in eine Höhle unterhalb des Gesteins gesogen wird und später „irgendwo“ unterhalb des Wasserfalls wieder austritt. Das würde auch die extrem hohe Fließgeschwindigkeit erklären im unteren Bereich.

Das sich überhaupt Höhlen unterhalb des Gesteins befinden, hat man erst durch einen Todesfall herausgefunden. Damals ist ein Mensch ins Wasser gestürzt und erst mehrere Hundert Meter weiter wieder von den Wassermassen freigegeben wurde. Niemand, der hier hineinstürzt, überlebt das! Überlege also gut, ob es Dir das wert ist für ein paar sinnfreie Klicks bei Instagram.

Bruarfoss aus der Nähe ...

Bruarfoss aus der Nähe …

 

Bruarfoss im Sommer

Bruarfoss im Sommer

 

Dramatische Wolkenstimmung am Bruarfoss

Dramatische Wolkenstimmung am Bruarfoss

 

Goldenes Licht am Bruarfoss

Goldenes Licht am Bruarfoss

 

Die Bilder hier sind während vier unterschiedlichen Besuchen zwischen 2014 und 2017. Eigentlich war ich fünf Mal hier, ein Mal hab ich mich allerdings verlaufen *hust* Auch DAS konnte einem früher also noch passieren, heutzutage wohl ein Ding der Unmöglichkeit!

Wer bewegte Aufnahmen vom Wasserfall sehen möchte, für den ist ein aktueller Clip von Anfang März 2018 vielleicht ganz interessant. Der Bruarfoss im winterlichen Kleid und aus nächster Nähe.

Noch einmal meinen Dank an Tino (http://tinorichter.eu/), dafür das er mir für die Aktualisierung dieses Artikels einige seiner Aufnahmen zur Verfügung gestellt hat. Danke!

 

Und jetzt Du, bist Du selber schon beim Bruarfoss gewesen?

Falls ja, wann war das genau und wie war der aktuelle Stand der Dinge vor Ort? Da ich den Artikel hier immer versuche möglichst aktuell zu halte, würde ich mich über den Status Quo und einen kurzen Kommentar weiter unter sehr freuen.

 

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