Papageitaucher gehören zu einer Islandreise einfach mit dazu, wenn man rein zufällig in den richtigen Monaten auf der Insel ist. Unter anderem waren sie es, die mich damals überhaupt dazu bewegt haben nach Island zu reisen. Die Bilder und Videos die ich von diesen putzigen Kerlchen gesehen hatte waren einfach faszinierend. So anmutig und grazil … Akrobaten der Lüfte. All DAS sind sie definitiv NICHT *g* Dafür sind sie tolpatschig, süß und gleichermaßen bildschön.

Wer sie einmal live und in Farbe gesehen und beobachtet hat, wie sie sich verhalten und an Land fortbewegen, verliebt sich sofort in sie. Also wollte ich diese knuffigen Vögel unbedingt auch einmal mit eigenen Augen sehen. So geht es vielen Touristen die nach Island reisen.

 

Papageitaucher auf Island

Fragt man die Besucher, was sie eigentlich auf der Insel sehen wollen, lauten die Antworten in aller Regel: Vulkane, Geysire, Wasserfälle und Papageientaucher. Das es keine Vulkane auf der Insel gibt, die tatsächlich dauerhaft Lava in die Luft schleudern und auch nur einen einzigen Geysir der regelmäßig ausbricht, das scheinen einige schlicht zu übersehen !?

Die Vorstellung, Island müsse eine Insel sein auf der stets und ständig irgendetwas brodelt oder ausbricht, scheint irgendwie in den Köpfen vieler Leute drin zu sein. Wasserfälle auf Island gibt es dafür umso mehr. Aber hier geht es ja jetzt eigentlich um Papageientaucher.

Möööp! Fehler! Mit Papageien haben die Vögel natürlich rein gar nichts zu tun, daher heißen sie auch Papageitaucher und nicht anders. Die Unart, ein „en“ mit in den Namen einzubauen, hat sich in den letzten Jahren auf vielen Internetseiten, Blogs und in Berichten leider häufiger eingeschlichen.

Wie dem auch sei, Du fährst jedenfalls gut damit, Deine Reisezeit so zu planen, dass man zumindest in dem Zeitfenster auf der Insel ist, wo die Chance groß ist die Vögel auch zu sehen. Es gibt immerhin jedes Jahr zwischen 5-6 Millionen von Ihnen auf Island, da stehen die Chance also nicht sooo schlecht, tatsächlich auch selber einmal welche zu Gesicht zu bekommen.

Auge in Auge mit einem Papageitaucher in Island

Auge in Auge mit einem Papageitaucher in Island

 

Der farbige Schnabel ist das Markenzeichen der Vögel

Der farbige Schnabel ist das Markenzeichen der Vögel

 

Papageitaucher bei Kap Dyrholaey, im Süden Islands

Papageitaucher bei Kap Dyrholaey, im Süden Islands

 

 

In welchen Monaten kann man Papageitaucher sehen?

Wenn Du Papageitaucher sehen möchtest musst du – um es einmal ganz grob zu umreißen – im Sommer nach Island kommen. Man kann sagen, dass die Vögel von Mitte/Ende April bis zum späten August auf der Insel sind. Die genaue Woche lässt sich natürlich nicht immer ganz präzise vorhersagen und variiert von Jahr zu Jahr ein wenig.

Abseits dieser Monate verbringen die Vögel ihr Leben komplett auf dem Meer. Dort beginnt dann im April auch die Balz, wo sich die Pärchen finden. Diese kommen dann auch gemeinsam an Land und beginnen eine Höhle irgendwo in den Klippen oder Felswänden zu graben für Ihr Nest. Oder es werden bereits vorhandene Höhlen genommen, auch das ist natürlich möglich.

Die Chancen auf Sichtungen sind früh Morgens und ab dem späten Nachmittag übrigens am Besten. Tagsüber kann es hingegen durchaus sein, dass man auch mal gar keine Tiere sieht. Die Vögel sind zu dieser Zeit nämlich häufig auf dem Wasser anzutreffen.

 

 

Wo auf Island kann man Papageitaucher sehen?

Es gibt recht unterschiedliche Möglichkeiten um die Tiere vor die Linse zu bekommen. Im Prinzip hast du so ziemlich in jedem Teil des Landes die Gelegenheit dazu – solange Du dich in der Nähe der Küste aufhältst. Aber das versteht sich wohl von selber denke ich.

 

Interaktive Karte für die Orte mit Papageitauchern

Süden

An der Südküste besteht bei dem Örtchen Vik die Möglichkeit, genauer gesagt an den Klippen bei Kap Dyrhólaey. Wenn du am unteren Parkplatz den Wagen abstellst und dann den Trampelpfad hoch zum Leuchtturm läufst, dann solltest Du links in den Klippen Glück haben. Bitte beachte dort die Absperrungen, welche teilweise vorhanden sind. Sie sind nicht grundlos dort !

Ingólfshöfði im Südosten der Insel, zwischen Hof und dem Fosshotel Glacier Lagoon. Der Vogelfelsen ist nur bei Ebbe zu erreichen und das auch ausschließlich im Rahmen von geführten Touren! Diese werden zum Beispiel ab dem Skaftafell Visitor Center angeboten.

Auch die Vestmannaeyjar, oder auch Westmännerinseln, sind für Ihre Kolonien bekannt. Bei Storhofdi auf Heimaey (das ist einer der 14 Inseln) sollen jährlich über 700.000 Vögel nisten.

Osten

Der Hafen Borgarfjarðarhöfn beim Örtchen Bakkagerði im Borgarfjörður Eystri beheimatet eine große Kolonie Papageitaucher. Dazu fährt man im Ort die Straße #94 noch weiter nach Nordosten, bis es quasi nicht mehr weiter geht. Ein Holzsteg führt dort auf den Álfaborg Felsen, von wo aus man etliche Vögel aus nächster Nähe sehen kann. Den kompletten Mai über ist der Steg allerdings geschlossen, damit die Tiere beim Nestbau nicht zu sehr gestört werden.

Auch in Hafnarhólmi gibt es einen Vogelfelsen mit um die 10.000 Vögeln. Skrúður, außerhalb vom Fáskrúðsfjörður, bietet ebenfalls gute Möglichkeiten. Oder Du machst Dich auf zur Insel Papey, welche vor dem Örtchen Djúpivogur liegt.

Norden

Auch im Norden gibt es diverse Möglichkeiten Papageitaucher zu sehen. So zum Beispiel nördlich von Husavik, wenn man der Straße #85 weiter folgt. Dieser Bereich gehört zum so genannten Diamond Circle, einem Loop, von dem selbst Island-Wiederholungstäter kurioserweise nur in Ausnahmefällen etwas gehört haben. Der Diamond Circle ist knapp 260km lang und führt vorbei am Dettifoss via Myvatn zum Goðafoss und von dort aus dann nördlich auf die Tjörnes Halbinsel. Aber das nur am Rande.

12km nördlich von Husavik, bei Voladalstorfa, befindet sich ein oranger Leuchtturm. Dort findest Du auch Papageitaucher. Die Klippen können nur per pedes erreicht werden. Der Wagen muss vorne an der #85 auf einen kleinen, kaum ersichtlichen Parkplatz abgestellt werden. Die Wanderung dauert circa 15 Minuten.

Wenn Du von hier aus noch ein wenig weiter fährst, vorbei am Mánárbakki Museum, solltest Du noch bei den Koordinaten 66°09’03.7″N 16°58’06.7″W stoppen und den Wagen auf dem kleinen Parkplatz abstellen. Von dort aus kannst Du die Klippen bereits erkennen. Auch hier befindet sich in aller Regel eine Puffin Kolonie.

Vor Husavik liegt schließlich noch die Insel Lundey, auch dort nisten hundert tausende der Vögel. Ein Aufenthalt dort ist zwar nicht möglich, es werden aber ab Husavik Boots-Touren angeboten hinaus aufs Meer und vorbei an der Insel.

Noch weiter draußen auf dem Meer liegt Grímsey. Die Insel kannst du unter anderem mit dem Flugzeug von Akureyri aus anfliegen oder von Dalvik aus mit einer Fähre. Die Überfahrt dauert im Normalfall dann drei Stunden und der Aufenthalt der Fähre auf der Insel dann weitere vier Stunden. Sollte Dir das nicht lang genug sein, dann kannst Du auf Grímsey auch übernachten. Im Normalfall schafft man die 5,3 Quadratkilometer kleine Insel aber in dieser Zeit ganz gut zu erkunden.

Westen

In den Westfjorden hast du diverse Möglichkeiten die putzigen Tierchen zu sehen. Der größte Vogelfelsen der Insel befindet sich dort. Látrabjarg ist bis zu 450m hoch und 14km lang. Millionen von Seevögel nisten dort, unter anderem eben auch Papageitaucher.

Die Straße nach Látrabjarg ist nicht asphaltiert und teilweise in schlechtem Zustand. Ein 4×4 ist im Normalfall aber nicht zwingend nötig, da es sich um keine F-Piste handelt. Trotzdem solltest Du dich auf jeden Fall auf road.is über die Straßenzustände informieren, wenn Du beabsichtigst hier her (oder generell in die Westfjorde) zu fahren.

Die gewaltigen Klippen von Látrabjarg sind bis zu 450m hoch

Die gewaltigen Klippen von Látrabjarg sind bis zu 450m hoch

 

 

Ebenfalls in den Westfjorden liegt die Insel Vigur, welche Du auf einem Boots-Auflug von Ísafjörður aus besuchen kannst.

Einer der Top Spots zum beobachten von Puffins ist der Breiðafjörður, welcher zwischen den Westfjorden und Snaefellsnes liegt. Ab Stykkishólmur werden Touren angeboten zu einigen der vielen Inseln in dem Fjord, zum Beispiel nach Þórishólmur oder Steinaklettar.

Laut einer unbestätigten Aussage, die ich 2017 rein zufällig von einem Guide mitbekommen habe, soll man auch bei den Klippen bei Krysuvikurberg Puffins sehen können. Als wir damals dort gewesen sind kam rein zufällig eine isländische Jeep Tour dort an und der Guide hat auf englisch erklärt, dass man dort wohl auch welche sehen kann. Wo genau hat er aber nicht erwähnt. Gesehen haben wir ebenfalls keine – und das war zur „Saison“ Anfang Juni. Der Vollständigkeit halber wollte ich es hier nur erwähnt haben.

Wenn Du nur in Reykjavik sein solltest und nicht mobil bist, dann hast Du die Möglichkeit geführte Ausflüge mit dem Boot auf die Inseln Akurey oder Viðey zu machen. Dort befinden sich große Kolonien, welche nach dem Übersetzen leicht erreichbar sind.

 

 

Brutzeit, was heißt das für Dich?

Seit 2015 zählen Papageitaucher zu den gefährdeten Arten, trotz der hohen Anzahl an Tiere hier auf Island. Aber das heißt ja erst einmal nichts, wenn man bedenkt das jedes Paar nur ein einziges Ei legt. Aus diesem schlüpft dann der Nachwuchs. Dieser zählt zu den Nesthockern und bleibt die ganze Zeit erst einmal dort. Solange, bis er nach circa 40 Tagen fliegen kann. Erst dann verlässt er zum ersten Mal das Nest.

Kurios: Sobald der flügge gewordene Nachwuchs zum ersten Mal aufs Meer fliegt kommt er nicht wieder zurück zur Kolonie. Die Eltern verweilen hingegen noch 3-4 Wochen am Nest, bevor auch sie wieder hinaus aufs offene Meer fliegen.

Für DICH als Besucher heißt das: Während dieser Zeit wirst Du in allen Brutgebieten auf der Insel Absperrungen vorfinden, welche logischerweise auch zu respektieren sind. Auch Vollsperrungen einzelner Klippen zu bestimmten Tageszeiten können teilweise vorhanden sein!

So wird beispielsweise bei Kap Dyrhólaey oder auch in Borgarfjarðarhöfn der Zutritt während der Brutzeit beschränkt und man darf nur zu bestimmten Zeiten dort hin. Wie diese genau aussehen variiert immer von Jahr zu Jahr. Du solltest Dich darüber also am Besten bereits im Vorfeld Deiner Reise informieren.

Ebenfalls ganz interessant zu wissen: Die Vögel brüten immer nur dort wo sie geboren wurden und niemals alleine. Es müssen immer Artgenossen vorhanden sein. Das erklärt dann auch, wieso die Tiere immer wieder hier her zurückkehren.

Papageitaucher können bis zu einer Minute unter Wasser bleiben und dabei unglaubliche 60m tief tauchen. In der Luft schlagen sie 400x pro Minute mit den Flügeln und erreichen Fluggeschwindigkeiten von bis zu 90km/h. Das ist wohl auch der Grund dafür, wieso es – für mich zumindest – gar nicht mal so einfach gewesen ist sie beim fliegen zu fotografieren.

 

 

Bitte NICHT …

Einige Menschen scheinen leider keinerlei Respekt vor den Vögeln zu haben. Daher hier noch einmal ganz explizit der Hinweis: Papageitaucher haben keinerlei Angst vor Menschen !! Oft kommen sie sogar von sich aus auf uns zugelaufen.

Halte BITTE trotzdem gebührenden Abstand zu den Tieren. Auch wenn man bei Látrabjarg oder am Kap Dyrhólaey tatsächlich theoretisch bis auf wenige Zentimeter an die Tiere heran kommt. Es sollte wohl eine Selbstverständlichkeit sein, dies nicht bis zum Anschlag auszureizen. Ich habe selber Urlauber gesehen, welche die Vögel am liebsten angefasst hätten. LASST DAS BITTE SEIN !!

Erstens dient es der Gesundheit der Tiere, sie könnten sich nämlich mit irgendwelchen Bakterien infizieren. Zweitens dient das auch zu Deiner eigenen Sicherheit! Der Rand der Klippen ist in aller Regel völlig unterhölt vom Nestbau der Tiere. Er ist dadurch häufig sehr instabil und nicht dazu geeignet darauf herum zu laufen. Immer wieder kann es vorkommen, dass große Teile einer Klippe im oberen Bereich einfach wegbrechen.

Es wäre daher nicht das erste Mal, dass ein übermütiger Tourist dabei dann sprichwörtlich mitsamt der Klippe einen Abflug macht. Und DAS überlebt definitiv niemand. Von daher, halte Abstand und nutze ein geeignetes Teleobjektiv, um die Tiere in ausreichender Größe abzulichten. Oder genieße einfach mal den Augenblick und lege die Kamera aus der Hand.

Und BITTE, verzichte darauf in einem Restaurant von der Speisekarte Lundi (das isländische Wort für diesen Vogel) zu bestellen. Zwar taucht der Name nur noch selten in isländischen Lokalen auf der Karte auf, aber es ist wahrlich nicht nötig jeden Quatsch einmal im Leben zu probieren. Das haben wohl auch die Isländer inzwischen erkannt. Die meisten verzichten heutzutage auf den Verzehr.

Du würdest gerne noch mehr von den putzigen Vögeln sehen? Dann schau doch auch mal bei Cornelia von silvertravellers.de vorbei. Sie hat Papageitaucher auf den Shetland Inseln gesehen.

 

Und jetzt Du, hast DU selber schon Papageitaucher gesehen?

Hattest Du selber schon das Glück Papageitaucher auf Island oder woanders zu sehen? Dann würde ich mich über einen Kommentar mit Deinen Erfahrungen freuen. Auch wenn ich etwas vergessen habe sollte hier in diesem Artikel, zum Beispiel einen Ort wo man auf Island ebenfalls noch Puffins sehen kann, bin ich über Hinwiese darüber sehr dankbar.

 

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